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24.04.2015

15:50 Uhr

What's right?

Wie Gabriel die Planwirtschaft voranbringt

VonWolfram Weimer

Die Energiewende wird immer abstruser. Eine Strom-Planwirtschaft überzieht zusehends das Land. Nach Kernkraft und Gas soll nun soll auch die Kohle wegbefohlen werden. Der Irrsinn erreicht neue Ausmaße.

Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.

Wolfram Weimer

Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.

Vor 30 Jahren hätte man ihn als „Meisterhäuer des Sozialismus“ oder „Aktivist der sozialistischen Arbeit“ bestimmt geehrt – östlich der Elbe. Sigmar Gabriel tut schließlich alles, um in Deutschland wieder eine umfassende Planwirtschaft einzuführen: die Energiewende macht es möglich, das Tor zum Strom-Sozialismus weit aufzustoßen.

Sein neuester Coup: Der deutsche Kohlebergbau soll sich einem staatlichen Klimaschutzregime unterwerfen und mit bürokratischen CO2-Tonnenplanungen sowie willkürlichen Sonderabgaben überzogen werden. Die deutsche Wirtschaft, die Kohle-Länder Nordrhein-Westfalen und Brandenburg sowie die Gewerkschaften schlagen Alarm. Verdi-Chef Frank Bsirske sieht bis zu 100.000 Jobs in Gefahr und ruft zu Massendemonstrationen auf. Der leidgeplagte RWE-Chef Peter Terium mahnt verzweifelt: „Die Abgabe würde das sofortige Aus für einen Großteil der Braunkohletagebaue und Kohlekraftwerke bedeuten.“ Und CDU-Bundesvize Armin Laschet warnt: „Mit seiner Sondersteuer auf die Kohle drängt der Wirtschaftsminister den letzten subventionsfreien, wirtschaftlichen und importunabhängigen heimischen Energieträger aus dem deutschen Strommarkt.“

Tatsächlich ist der neue Kohle-Plan nur ein weiterer Baustein im großen sozialistischen Energiekombinat, das Sigmar Gabriel derzeit in Deutschland hochzieht. Bereits jetzt bestimmt eine Republik der Öko-Stromräte festgelegte Planpreise, Solar- und Windgenossen produzieren Willkürmengen, die Bevölkerung zahlt Zwangsabgaben, Angebot und Nachfrage sind außer Kraft und die Parteipolitik bestimmt Planerfüllungskennziffern. In diesem Ökostrom-Sozialismus bekommt, wer Strom aus erneuerbaren Energien nach Planvorgaben produziert, dafür eine staatlich festgelegte „Energie-Einspeisevergütung“ (schon das Wort klingt nach Ostberlin). Das hat mit freien Marktpreisen für Strom so viel zu tun wie Erich Mielke mit der Reisefreiheit – gar nichts.

Was einst als eine grüne Energiewende – gut gemeint – gestartet war, mutiert inzwischen zu einem gigantischen VEB-Strom. Die Stromproduktion hat sich im Gabriel-System nicht mehr – wie normalerweise in einer Marktwirtschaft – nach dem Verbrauch zu richten. Nicht die Nachfrage bestimmt das Angebot – sondern die Subventionsmilliarde. So wird produziert, was Wind und Sonne und diktierte Einspeisungsentgelte teuer hergeben, und nicht was die Menschen und die Wirtschaft günstig brauchen. In Gabriels nationalem Energiekombinat wird ideologisch zwischen „guter” (grüner) und „böser” (herkömmlicher) Energie unterschieden. Also schaltet man selbst rentable und saubere Gaskraftwerke kurzerhand ab - so wie das modernste Gaskraftwerk Europas in Irsching. Stattdessen gehen jeden Tag neue Subventionsanlagen ans Netz, ohne die nötigen Netzkapazitäten und ohne die notwendige Speichertechnologie. Dafür müssen wiederum Kohlekraftwerke als Backups am Laufen gehalten werden, die wiederum viel CO2 ausstoßen, nun also ebenfalls reguliert und extra-besteuert werden. Es fühlt sich alles an wie ein sozialistischer Selbstläufer: Diese Energiewende in ihrem Lauf, halten weder Ochs noch Esel auf.

Kommentare (8)

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Herr Paul Rimmele

24.04.2015, 16:27 Uhr

Gabriel ist ein Tagträumer, war er schon als Umweltminister in vergangenen Tagen.
Wer stoppt diesen Ideologen und Vollpfosten? Wer als Vizekanzler sein Amt halbtags ausübt,
muss seine Aufgaben nicht ganz so ernst nehmen.
Der Michl bei der nächsten Wahl wohl nicht, weil die SPD als Co-Partner wieder gebraucht wird,
bei um die 20v.H. Wählerpotential.

Account gelöscht!

24.04.2015, 16:33 Uhr

Sehr geehrter Herr Weimer,

selbstverständlich haben Sie mit Ihrer Kritik vollkommen recht. Es mag zwar sein, daß manchem eine derartige Fundamentalkritik zu rigoros zu sein scheint, von der Sache her wäre aber eine noch viel deutlichere und vernichtendere Kritik gerechtfertigt.

Allerdings halte ich es nicht für gerechtfertigt, daß Sie allein Herrn Gabriel als Schuldigen anprangern. Viel verwerflicher, zerstörerischer sozial schädlicher ist das Verhalten von Frau Merkel.

Im Gegensatz zu Gabriel ist sie schließlich promovierte Physikerin. Sie weiß, wie ein Wechselstromkreis funktioniert und wie nicht. Sie weiß daher ganz genau, daß es aus unüberwindbaren naturgesetzlichen Gründen unmöglich ist, eine sichere Stromversorgung auf der Basis von Zufallskraftwerken aufzubauen.

Frau Merkel betreibt eine Energiepolitik gegen die vom Menschen nicht veränderbaren Gesetze der Physik, und sie muß das wissen. Und ganz gewiß weiß sie das auch.

Im Gegensatz zu Gabriel, der keine einschlägige Ausbildung hat, weiß Frau Merkel, was sie tut. Sie hat daher keine Entschuldigung. Sie ist eine Zerstörerin.

Das einzig Rätselhafte in diesem ganzen Geschehen ist für mich die Frage, warum Frau Merkel diesen energiepolitischen Amoklauf unternimmt. Da man einem Menschen nicht hinter die Stirn schauen kann, kann man darüber nur spekulieren. Ich habe trotzt aller möglichen Spekulationen bisher keine plausible Erklärung gefunden.

Frau Merkel fährt unsere Energieversorgung und damit das Industrieland Deutschland gegen die Wand. Der Crash wird kommen. Er ist unvermeidlich.

Frau Tanja Wagner

24.04.2015, 16:33 Uhr

Man sollte meinen, dass das BVerfG dem Spuk ein Ende setzen sollte.
Aber das BVerfG ist leider ein politisch gesteuerter Steigbügelhalter.

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