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11.04.2014

13:56 Uhr

What's right?

Wie gut ist Merkel wirklich?

VonWolfram Weimer

3062 Tage im Amt – seit dieser Woche regiert Angela Merkel länger als jeder SPD-Kanzler. Nur Kohl und Adenauer waren noch länger dran. Sie ist national beliebt und international respektiert – und doch fehlt ihr etwas.

Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.

Wolfram Weimer

Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.

Sie nannten sie schon „die Faustische“, weil sie so suchend und zaudernd regierte. Nachdem sie kühlen Herzens aber reihenweise Konkurrenten erledigte, rief man sie „Wallenstein“. Und als man in Berlin beobachtete, wie man ihr eifersüchtig misstraute und sie sich mit ihren Ziehvätern scheinbar naiv überwarf, da witterte man den weiblichen Don Carlos.

Doch all die Vergleiche sind falsch. Angela Merkel taugt für kein Drama. Ihr Naturell entstammt nicht dem Pathos, nicht dem Schicksalsspiel und nicht der Welt der Wallung. Ihr Wesen ist aus einem norddeutschen Klinkerbau erwachsen, kühl und schmucklos und rational und bescheiden. Sie ist in jeder Beziehung protestantisch.

Bundeskanzlerin zum Beispiel ist sie lange gar nicht gewesen. Die Euro-Krise erst hat Angela Merkel dazu gemacht. Davor war sie Darstellerin des Amtes, sie spielte politische Führung, und also wechselte sie die Rollen und Meinungen. Sie wollte oder konnte nicht voran gehen, sondern entschied sich für eine politische Strategie des Moderierens. So wurde sie zur Meisterin von liquid democracy, längst bevor die Piraten das zur Mode machten.

Man nannte sie wahlweise „behutsam“, „opportunistisch“ oder „präsidial“. Sie rief sich selbst als „die Mitte“ aus. Doch die Chamäleonphase der merkelschen Regentschaft folgte bloß ihrer Biografie, hat sie doch schon viele Häutungen vollzogen.

Man sah das unsichere Ost-Mädchen von Helmut Kohl mit sonderbaren Haaren und besonderer Intelligenz. Ihr folgte die generalsekretärende Praktikantin der Macht, die schneller lernt, als andere denken können. Dann trat diese sonderbar mitfühlend-ehrgeizige Krankenschwester der verwundeten Post-Kohl-CDU auf, die einen sicheren Instinkt für die Schwächen anderer hat.

Plötzlich agierte sie als kalte Physikerin der Macht, die ihre innerparteilichen Konkurrenten erledigt wie lästige Bauern in einem Schachspiel. Schließlich triumphierte die großkoalitionär ausgleichende Mutter der Nation, Deutschlands erste Frau im Kanzleramt.

Ihre Strategie, Politik als summierende Nachhutveranstaltung zu organisieren, ist zum Markenzeichen geworden. Damit entfaltet sie immer wieder eine Szenerie des Diffusen, doch irgendwie passt das zum Zeitgeist der Indifferenz. Die Große Koalition wird die große Signatur ihrer Ära. Sie kommt dem Regierungsstil Merkels ebenso entgegen wie ihren mittigen Überzeugungen.

Kommentare (11)

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11.04.2014, 14:13 Uhr

Merkel ist als US-Vasalle so gut, dass sie sich eben damit zufrieden gibt, keinen Einblick in die NSA-Akten unserer spionierenden "Freunde" aus Übersee zu bekommen, eine Marionette eben!

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11.04.2014, 15:00 Uhr

Merkels historisches Verdienst liegt im roll-back. Sie verstärkt die Bewegung hin zum Europa der Nationalstaaten, verfrühstückt mit tatkräftiger Hilfe der SPD die mühsam errungenen Vorteile der Agenda 2010, ohne deren Nachteile abzuschaffen, die einstmals starke deutsche Industrie der nachhaltigen Energien mit zigtausend Arbeitsplätzen wird zugunsten der Kohlewirtschaft geopfert und die früher hohen Steuern werden durch viel zu hohe Sozialabgaben. Positive Zeichen kann nur jemand setzen, der eine konkrete Idee hat, die er umsetzen will und für die er werben und gewinnen oder verlieren kann. Frau Merkel ist schon lange nicht mehr mit konkreten Ideen aufgefallen.

Account gelöscht!

11.04.2014, 15:20 Uhr

>> Wie gut ist Merkel wirklich? <<

- wer diese Frage realistisch beantworten will, sollte sich mit der Vergangenheit der Madam beschäftigen.

Merkels Stasi Umfeld
von Rolf Ehlers
Wenn wir beurteilen wollen, was wir von einem Menschen erwarten können, fragen wir immer erst danach, wo er denn hekommt. Wir suchen uns ein Bild von ihm zu machen, indem wir ergründen, in welchem Umfeld jemand in der Vergangenheit gelebt hat, was seine Freunde und Verwandten waren und welches ihre Überzeugungen waren und sind. Das nicht zu tun, hieße blauäugig zu sein… Wir deutschen Wähler werden aber seit Jahren darüber im Dunkeln gelassen, aus welchem Umfeld denn unsere Kanzlerin kommt. Keine der maßgebenden Zeitungen hat darüber mehr als oberflächlich berichtet, bis jetzt das Schweizmagazin am 29.5.2008 titelte:
“Deutsche Kanzlerin Merkel ein Stasi-Spitzel?”
In der Talk-Show von Anne Will wies Oskar Lafontaine, der sich heftigen Angriffen wegen seiner Zusammenarbeit mit Gegor Gysi als angeblichem Zuträger der Stasi ausgesetzt sah, darauf hin, dass es die Kanzlerin Merkel selbst sei, die eine Aktivistin des DDR-Systems gewesen sei.
Informationen, die in den Archiven vergraben waren und die nach der Wende in der großen Vernichtungsaktion nicht untergegangen waren, sind Vielen schon seit Jahren bekannt. Ihre Veröffentlichung ist aber nicht opportun. Offenbar gefällt es maßgebenden Leuten in den Redaktionen und Verlagen oder denen, die Macht über sie haben, Frau Merkel vor allen Angriffen zu schützen. Ob diese Leute selbst wissen, über wen sie da die Hand halten?

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