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29.05.2015

10:00 Uhr

What's right?

Zu feige für die Revolte?

VonWolfram Weimer

Fifa-Präsident Joseph Blatter ist der personifizierte Skandal. Doch die großen europäischen Fußballverbände schaffen es einfach nicht, ihn zu stürzen. Dabei hätten sie alle Mittel in der Hand.

Der arg Gescholtene: Fifa-Präsident Joseph Blatter erreicht den Tagungssaal in Zürich. Reuters

Vor der Eröffnung des Fifa-Kongresses

Der arg Gescholtene: Fifa-Präsident Joseph Blatter erreicht den Tagungssaal in Zürich.

Joseph Blatter ist eine Mischung aus einem sizilianischen Paten und einem Oligarchen des Sports. Er führt die Fifa seit 17 Jahren so schamlos mit dem Scheckbuch, dass man das nur noch unter zynischen Gebrauchtwagenhändlern Usbekistans für normal halten könnte. Blatter hat mit seiner radikalen Monetarisierung die Fifa ethisch vergiftet und eine korrupte Günstlingswirtschaft alter Männer etabliert, die auch noch obszön selbstgefällig daherkommt.

Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.

Wolfram Weimer

Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.

Die jetzige Verhaftungswelle hochrangiger Fifa-Funktionäre wirkt wie ein letztes Fanal in einer atemraubenden Serie von Skandalen. Alles andere als ein sofortiger Rücktritt Blatters ist für das Ansehen des Weltfußballs unerträglich.

Doch offenbar scheinen die Seilschaften der Korruption stabiler als das Ethos der Anständigen. Dabei hätten die europäischen Fußballverbände (allen voran der DFB) und die großen Sponsoren aus der Wirtschaft alle Mittel in der Hand, Blatter zu stürzen und einen Neubeginn der Fifa zu erzwingen.

Die großen Verbände Europas könnten einfach aus der Fifa austreten und einen eigenen Weltverband der Anständigen gründen. Nichts kann sie daran hindern. Die Verfassung der Fifa, bei der fußballignorante, käufliche Kleinstaaten die gleiche Stimme haben wie Deutschland oder Italien, bedarf ohnedies der Revision.

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Kurzum: Man könnte Blatter einfach boykottieren. Wenn aber die großen und kapitalstarken Fußballnationen wie Deutschland, England, Frankreich, Italien und Spanien nicht mehr dabei wären, dann wären Blatter und seine Funktionärsmarionetten am Ende.

Das gleiche gilt für die Konzerne, die mit gewaltigen Summen als Werbepartner der Fifa agieren. Auch sie könnten die Fifa finanziell einfach aushungern. Auch bei ihnen geböte es eigentlich die Integrität ihrer Marken, dass sie dieses marode System nicht mehr weiter stützen. Die Weltkonzerne können sich ihre gesamte „Corporate Social Responsability“ sparen, wenn sie die Korruption nicht sofort unterbinden helfen.

Kommentare (15)

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Herr mathias müller

29.05.2015, 10:14 Uhr

"Blatter ist der personifizierte Skandal" ?

Sehr geehrter Herr Wehmer,
Sie machen ihrer Herkunft Ehre, aber HB ist NICHT WO

Für Unterstellungen und üblen Nachreden dürfte hier wenig Platz sein.

Blatter kann nicht gestürtzt werden, weil die demokratische Mehrheit hinter Ihm steht.
Platini kann mit seiner Uefa nichts ausrichten. Und das Greenhorn USA mit den dummen Weibern
auch nicht.
Ist einem schon aufgefallen, dass ausschliesslich Frauen am Blatters Stuhl rütteln?
MfG

Novi Prinz

29.05.2015, 10:17 Uhr

Alle möglichen Nachfolger von Joseph Blatter können sich aus ihrer eigenen Schleimspur nicht befreien . Deshalb ist es wie es ist.
Joseph Blatter ist FIFA und FIFA ist Joseph Blatter. Ohne ihn braucht es mindestens 15 Jahre , bis die FIFA wieder voll funktionsfähig ist . Die Skandale die dazu nötig sind , werden das System Blatter weit in den Schatten stellen ! Wetten ?

Sergio Puntila

29.05.2015, 10:32 Uhr

"Zu feige für die Revolte?"
_________

Eher wohl zu schlau um sich auf Abenteuer mit ungewissem Ausgang einlassen zu können oder zu wollen.

Das Problem ist ja nicht Blatter allein sondern die vielen schlampert wirkenden Privatvereine, die das Wort "Unverfrorenheit" (Steingart) zum Geschäftsprinzip erhoben zu haben scheinen.
Diese Blase wird man mit einem Pieks in den Hintern des Chefs vmtl nichteinmal stören können bei der großen Selbstbeweichräucherung.
Und selbst wenn: wen interessiert schon wo wann ein Müllsack umkippt?

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