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06.11.2015

12:17 Uhr

What's right zu Volkswagen

Wie die USA durch den VW-Skandal auch ihre Industrie schützen

VonWolfram Weimer

Mit immer wilderen Forderungen wird Volkswagen aus den USA überhäuft. Die Erfahrung bei transatlantischen Handelsbeziehungen zeigt: Die Amerikaner verfolgen damit stets auch industriepolitische Interessen.

Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.

Wolfram Weimer

Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.

BerlinZwischen den USA und Europa toben mehr Handelskriege als Zänkereien in einer schlechten Ehe. Mal geht es um Subventionen für Airbus, mal um Rüstungshilfen für Boeing, der eine straft mit Sonderzöllen hier, der andere revanchiert sich mit Steuerermäßigungen da, über Rindfleisch und Bananen streitet man sich ebenso wie über Solarzellen und Pick-Up-Trucks. Bei letzteren suchen Europäer seit Jahrzehnten vergeblich einen fairen Marktzugang in die USA, doch verbissen verteidigen Ford, General Motors und Chrysler ihren Marktanteil von 80 Prozent mit brachialer Industriepolitik.

Denn jeder Ausländer, der in Amerika einen Pick-Up verkaufen will, muss einen 25-prozentigen Sonderzoll zahlen. Der ist als Rache aus einem Handelskrieg der 60er-Jahre übrig geblieben. Damals wollten die Europäer sich mit hohen Zöllen gegen billige Hühnerfleisch-Importe aus den USA wehren. Die USA revanchierten sich mit einer 25-prozentigen Einfuhrsteuer auf allerlei Europa-Importe von Kartoffelstärke über Brandys bis zu leichten Nutzfahrzeugen.

Die sogenannte „chicken tax“ wurde seither weithin aufgehoben – für die Pick-Ups hat sie die mächtige Autolobby in Washington aber auch nach 50 Jahren noch verteidigt. Opfer dieser Industriepolitik ist auch VW, die mit ihrem in Argentinien gefertigten Amarok vom Markt fern gehalten werden.

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Der Autobauer aus Wolfsburg wirbt in den USA um Milde. US-Chef Michael Horn sprach beim Umweltausschuss des amerikanischen Kongresses vor. Doch die Abgasprobleme waren der Top-Führung von VW wohl schon länger bekannt.

Die deutschen Industrie-und Handelskammern klagen seit einiger Zeit darüber, dass viele Branchen in den USA auf unfaire Handelsbarrieren stoßen. Man brauche dringend die Freihandelszone TTIP für faire Verhältnisse. Denn der Trend im transatlantischen Wettbewerbsgerangel gehe weg von „klassischen“ Handelshemmnissen wie Zöllen oder Importsteuern hin zu „kreativen Handelsbarrieren“ wie Zertifizierungs-, Umwelt- und Sicherheitsanforderungen.

Der Präsident des Münchner Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, sieht auch den VW-Skandal als ein Element dieser industriepolitischen Wettbewerbskämpfe. Über Jahrzehnte hätten die Amerikaner versucht, „die kleinen und effizienten Dieselmotoren für Pkw durch immer weiter verschärfte Stickoxid-Grenzen vom Markt fernzuhalten, weil man selbst die Technologie nicht beherrschte“, sagte Sinn dem Handelsblatt. Gegen die „Stickoxid-Schleuderei der eigenen Trucks“ wiederum habe man in den USA nichts, so der Ifo-Präsident. „Nun hat sie endlich den gewünschten Erfolg. Der Diesel-Motor ist wieder weg.“

Auch der VDA-Präsident Mathias Wissmann sieht im VW-Skandal ein Element politischer Machenschaften: „Klar ist aber, dass es eine Anti-Diesel-Lobby gibt, angeführt von einigen Nichtregierungs-Organisationen.“ Dass in der aktuellen Diskussion die Dieseltechnologie in Frage gestellt werde, sei „völlig unberechtigt“. Wird sie aber.

Kommentare (14)

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Rainer von Horn

06.11.2015, 12:38 Uhr

Na, wenn zwischen den USA und Europa so viele Handelskriege toben, dann sollte man es sich ja besser 10 mal überlegen, ob man sich in einem TTIP-Handelsabkommen den Urteilen von `unabhängige` Schiedsgerichten ausliefert.
Ansonsten muss ich Herrn Weimer wieder mal Recht geben. natürlich gehört VW bestraft. Aber den Dieselantrieb an sich zu stigmatisieren, wenn andere Hersteller den Antrieb sauber hinbekommen, ist nicht in Ordnung. Und darum gest es in ERSTER Linie.
Und die Tatsache, dass Milliardenklagen Europas im ABS-Skandal unterblieben, zeigt doch nur, wie sehr die Regierungen Europas und die Eu am Rockzipfel des allmächtigen Uncle Sam hängen.
Sie werden wissen, wieso.

Account gelöscht!

06.11.2015, 12:39 Uhr

Harte, aber wahre Worte. In diesem Bereich hätte sich die siechende EU wirklich Lorbeeren auch aus Bürgersicht verdienen können. Stattdessen gewinnt man immer mehr den Eindruck, dass Brüssel eher noch den Durchgriff US-amerikanischer Interessen in Europa erleichtert.

Es ist vieles im Argen in Europa, insb. was den Zustand der politischen Eliete in den europäischen Staaten und der EU-Zentralbehörde in Brüssel betrifft. Oft hat man den Eindruck diese Leute stünden dem Wettbewerber Nordamerika näher als den Bürgern in Europa.

Insb. Deutschland wird aktuell von vielen Seiten gleichzeitig attackiert, selbst von der eigenen Regierung unter Angela Merkel.

Account gelöscht!

06.11.2015, 12:46 Uhr

Es ist doch ganz klar, dass die USA ihre eigene Wirtschaft immer und über all schützt!
Nur die Grün-Sozialistische Merkel Regierung und die EU haben dieses nocht nicht kapiert. Das CO2 bzw. diese CO2-Klimaerwärmungsstory dient einzig und allein dazu die EU-Deutsche Wirtschaft zu vernichten.
Diese CO2 Trojana Pferd der USA wurde von EU-Deutschland bereitwillig geschluckt. Das es sich bei diesen CO2-Klimaerwärmungsklamauk um ein trojanisches Pferd der USA handel, hätte spätestens dann auffallen, als sich die USA weigerte dem Koyoto Protokoll beizutretten und bis heute vom US-Kongress diese CO2 Verminderungsverpflichtung abgelehnt wird.
Unsere Grün-Sozialistische EU-Deutsche Führung unter Merkel hat aber mit ihren Mafia Umweltamt und dem PIK (Potsdamer Institut für Klimaforschung) nichts besseres zu tun, als uns diese CO2 Verminderung per Gesetz aufs Auge bzw. in die Gesellschaft und Wirtschaft hinein zu diktieren. Mit der Folge, das die EU-Deutsche Wirtschaft jetzt unter diesen CO2-Verbots Tribunal zur Kasse bzw. in die Insolvenz getrieben wird. Erst wurde die CO2 frei, billige und sichere Kernkraft per Ethikrat und über den jedes Gesetz stehend per Grün-Sozialistischer Merkel Politik abgeschafft. und jetzt kommt das CO2 Trojaner Pferd der USA komplett zur Geltung. Die Kohlekraft und die Auto Industrie sind das nächste Opfer im Vernichtungsfeldzug gegen die EU-Deutsche Wirtschaft.
Schafft endlich dieses Grün-Sozialistische und von den USA eingeschleppte CO2 Trojanerpferd wieder aus unserer europäischen Wirtschafts-Gesellschaft bevor wir uns wieder einer einen Europa und Deutschalnd des Mangel und der Armut wiederfinden. Danke!

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