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07.08.2015

12:09 Uhr

What's right? zum Erfolg von Trump

Erfolgsgeheimnis – die Sau rauslassen

VonWolfram Weimer

Ein ordinärer Ego-Prolet und Milliardär mischt den US-Präsidentschaftswahlkampf auf. Donald Trumps Umfragehoch irritiert das politische Establishment der USA. Dabei hat es selbst diesen Erfolg erst möglich gemacht.

Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.

Wolfram Weimer

Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.

BerlinDonald Trump ist so seriös wie ein Türsteher auf St. Pauli. Laut, vulgär, selbstgefällig und Sachverwalter demonstrativer Potenz. Die New York Times schimpft ihn einen „Ego-Ideologen“, die Washington Post brandmarkt ihn als „kriegerischen Übertreiber“, die FAZ empfindet ihn als „Ekelpaket erster Klasse“ und – ein seltenes Substantiv der seriösen Kollegen aus Frankfurt – als „Kotzbrocken“. Tatsächlich gibt es in der Öffentlichkeit kaum jemanden, der Donald Trump gut findet. Seine ehemaligen Frauen warnen vor ihm als cholerischem Gewalttäter, Weggefährten und Ex-Kollegen zeichnen das grelle Bild eines Tyrannen und Ausbeuters, und die Masse der Amerikaner schwankt in ihrem Urteil zwischen vulgärem Clown und rechtsextremen Volksverhetzer.

Umso mehr ist die Weltöffentlichkeit verblüfft, dass ausgerechnet dieser Antipathie-Träger den amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf derzeit dominiert. Er erzielt Woche für Woche bessere Umfragewerte und führt das Feld der republikanischen Kandidaten sogar an. Und das, obwohl er eine Serie von peinlichen Auftritten mit allerlei Fremdschäm-Potential bietet und dabei wahlweise primitive Ressentiments oder abstruse Meinungen verbreitet.

US-Wahl 2016: Alle gegen einen Egomanen

US-Wahl 2016

Alle gegen einen Egomanen

Bei der TV-Debatte der Republikaner schießen sich alle auf Donald Trump ein. Der Milliardär ist längst zum Problem geworden. Doch sein Ego-Trip geht munter weiter. Gewinner des Schlagabtauschs sind dennoch zwei andere.

Kein Politiker zieht so viel Medienschelte auf sich wie Trump, doch gerade das scheint ihm mehr zu nutzen als zu schaden. Das politische Establishment der USA ist ebenso irritiert wie die journalistische Klasse und sucht fieberhaft nach Erklärungen. Dabei liegt die Antwort bei ihnen selbst.

Das Phänomen Trump ist eine direkte Folge der der übertriebenen politischen Korrektheit postmoderner Demokratien. Das öffentliche Sprechen wird von immer mehr Menschen in den USA (ähnlich auch in Europa) als unecht und berechnet wahrgenommen. Immer häufiger will sich die öffentliche Meinung auf einem Quadratmillimeter politischer korrekter Mitte treffen. Es breitet sich also ein gefühlter Nebel von Scheinkommunikation aus. Damit wächst das Bedürfnis vieler Menschen nach Klartext, nach Echtheit, nach Offenheit.

Diese Sehnsucht bedient Donald Trump in radikaler Weise. Er bemüht sich nicht einmal, sich als verantwortungsbewusst, ausgewogen und höflich zu wirken. Er lässt in jeder Beziehung seine persönliche Sau heraus. Das wirkt in einer politischen Kultur der gestanzten Gutmenschen-Rituale als erschreckend und erfrischend ehrlich zugleich. Sein Rabauken-Auftritt hat darum etwas Revolutionäres – wie der Auftritt eines Rock’n’Rollers, der den politischen Menuett-Tanz einer verkrusteten Debattenkultur niederstampft.

Barack Obamas Streitpunkte mit den Republikanern

Energiepolitik

Während Obama den Ausbau von erneuerbaren Energien fördert, setzen die Republikaner voll auf fossile Energieträger wie Öl und Gas. In konservativen Kreisen gilt der Klimawandel als Mythos. Ein hoher Symbolwert kommt dem Pipelineprojekt Keystone XL zu, das der Präsident 2012 vorerst gestoppt hatte. Bereits in dieser Woche wollen die Republikaner Gesetzentwürfe im Senat und im Repräsentantenhaus behandeln, die den Bau der von Umweltschützern kritisierten Ölpipeline von Kanada an die Golfküste im US-Bundesstaat Texas ermöglichen soll. (Quelle: afp)

Obamacare

In den Augen der Republikaner gängelt der Präsident mit seiner Gesundheitsreform die Bürger und schadet der Wirtschaft. Der erzkonservative Tea-Party-Flügel der Partei verlangt eine komplette Rücknahme der Reform, ein derartiges Gesetz hat angesichts von Obamas Veto-Recht aber keine Chance. Die republikanische Parteiführung fährt daher offenbar die Strategie, Obamacare mit einer Vielzahl von Gesetzesänderungen schrittweise auszuhöhlen. So soll etwa der gesetzlich festgeschriebene Umfang einer Arbeitswoche von 30 auf 40 Stunden erhöht werden. Dadurch müssten Unternehmen weniger Angestellten eine Krankenversicherung bezahlen.

Einwanderungsreform

Erbost nahmen die Republikaner im November die Ankündigung Obamas auf, das Einwanderungssystem im Alleingang zu reformieren und fünf Millionen Migranten ohne gültige Papiere ein befristetes Bleiberecht zu gewähren. Viele konservative Abgeordnete kritisieren dies als Amnestie für illegale Einwanderer. Aus diesem Grund sorgten sie dafür, dass die Finanzierung des Heimatschutzministeriums nur bis Ende Februar gesichert ist. Die Republikaner drohen damit, den Geldhahn für die Einwanderungspolitik zuzudrehen, sollte Obama an seinen Plänen festhalten.

Haushalt

Ein politischer Dauerbrenner in Washington war in den vergangenen Jahren der Streit um die Staatsfinanzen, der das Land mehrfach an den Rand der Zahlungsunfähigkeit brachte. Die Republikaner forderten dabei niedrigere Steuern und heftige Ausgabenkürzungen. Mitte März stoßen die USA erneut an die gesetzliche Schuldenobergrenze, die endgültige Frist für eine Anhebung durch den Kongress dürfte im Frühsommer liegen. Zwar haben die Parteioberen der Republikaner klargestellt, dass sie keinen Zahlungsausfall riskieren würden. Ob ihnen die fiskalpolitischen Hardliner in den eigenen Reihen folgen, ist allerdings ungewiss.

Außenpolitik

Die Außenpolitik ist in den USA traditionelle Domäne des Präsidenten, doch auch dem Senat fällt eine wichtige Rolle zu. So müssen internationale Abkommen von der Kongresskammer ratifiziert werden. Zu den Befürchtungen von Obamas Regierung zählt, dass der republikanisch kontrollierte Kongress das jüngste Abkommen im Atomstreit mit dem Iran torpedieren könnte. Außerdem steht noch immer ein Gesetz aus, das den US-Militäreinsatz gegen die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien und im Irak regelt.

Das unterscheidet Trump von anderen berühmten Quereinsteigern der amerikanischen Politik. Ob Schauspieler wie Ronald Reagan oder Arnold Schwarzenegger, ob Milliardäre wie Ross Perot oder Michael Bloomberg – sie alle mühten sich demonstrativ um Verbindlichkeit, Trump suhlt sich geradezu in Unverbindlichkeit.

Seine Auftritte und Reden sind kirmeshaft, seine Positionen und Argumente bewusst für den Stammtisch gehalten – er will erst gar nicht überzeugen, er will die Welt der professionell Überzeugten demaskieren. Und darum rüttelt er an allen Mauern der politischen Korrektheit, beschimpft Frauen schon mal als „fette Schweine“ und Mexikaner als Gesindel, verunglimpft Einwanderer als Verbrecher und Vergewaltiger und verkündet den Bau einer „gewaltigen Mauer zum Süden“.

Kommentare (3)

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Herr Steven Summer

07.08.2015, 12:51 Uhr

Trump, ein hervorragender neuer US Präsident. Endlich Schluss mit diesen Sozialisten an der jetzigen Regierung....

Herr Peter Meier

07.08.2015, 13:44 Uhr

Am Besten gefällt mir die Bemerkung: "zu Fleich gewordene Pegida Bewegung".

Account gelöscht!

07.08.2015, 13:54 Uhr

Ich mag Trump, der weiß immerhin wie man(n) Geld macht. So jemanden an der Spitze zu haben, heißt siegen lernen.

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