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12.06.2015

13:42 Uhr

What's right? zum Zwei-Grad-Kilmaziel

Unseriös und wohlfeil

VonWolfram Weimer

Der G7-Gipfel hat wortgewaltig die „Dekarbonisierung“ der Welt verkündet. Keine schlechte Idee, doch schwierig in der Umsetzung. Doch die globale Erwärmung auf zwei Grad begrenzen zu wollen – das ist Klimapolitik absurd.

Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.

Wolfram Weimer

Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.

Berlin„Dekarbonisierung“ ist das politische Modewort des Sommers. Zumindest das von Angela Merkel. Die Bundeskanzlerin hat den G7-Gipfel dazu genutzt, den Ausstieg aus der Kohlenstoffwirtschaft anzukündigen. „Wir wissen, dass wir im Laufe des Jahrhunderts eine Dekarbonisierung brauchen“, rief die Bundeskanzlerin vom Alpengipfel, damit das politische Echo ihr nütze. Die Dekarbonisierungs-Kanzlerin meint tatsächlich eine vollständige Abkehr von Kohle, Öl und Erdgas.

Nun ist so eine Jahrhundertlauf eine langwierige Sache, da kann viel passieren, insofern ist ein säkulares politisches Ziel wohlfeil. Obendrein sind die Widerstände gewaltig. Und doch hat die Idee von der Dekarbonisierung manchen Charme, und das schiere Fernziel ermöglicht zuweilen schon heute Bewegungen in die richtige Richtung.

Eine dekarbonisierte Welt hätte drei große Vorteile. Zum einen würden dramatisch weniger Abgase produziert, die Luft wäre sauberer, vor allem in Ballungsräumen, die Lebensqualität von vielen Millionen würde steigen. Zum zweiten könnte sich die Menschheit wertvolle Rohstoffe wie Öl oder Kohle aufsparen für wichtigere Zwecke als ihr reines Verfeuern zur schnellen Energiegewinnung. Zum dritten gäbe es eine geopolitischen Gewinn. Denn die dekarbonisierte Welt würde zielsicher eine ganze Reihe von Schurkenstaaten ihrer Geldquelle berauben.

Die wichtigsten Schlagworte zum Klimawandel

Globale Erwärmung

Seit Beginn des 20. Jahrhunderts ist die Temperatur auf der Erde um gut 0,8 Grad Celsius angestiegen. Das erste Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts (von 2001 bis 2010) war nach Angaben der Weltorganisation für Meteorologie das heißeste seit 1881 - im Durchschnitt betrug die Temperatur 14,47 Grad an der Land- und Meeresoberfläche und damit 0,47 Grad mehr als im Durchschnitt zwischen 1961 und 1990.

Anstieg des Meeresspiegels

Der Anstieg des Meeresspiegels hat sich in den vergangenen 20 Jahren beschleunigt. Laut dem IPCC-Bericht von 2007 dürfte der Meeresspiegel bis zum Endes dieses Jahrhunderts um zwischen 18 und 59 Zentimeter ansteigen. Im neuen Bericht dürfte diese Zahl angehoben werden. Studien zufolge geht der Anstieg zu rund einem Drittel darauf zurück, dass sich das Wasser bei zunehmender Wärme ausdehnt, zu einem weiteren Drittel auf das Schmelzen von Gletschern und zu etwas weniger als einem Drittel auf das Abschmelzen der Eiskappen in Grönland und der Antarktis.

Eisschmelze

Die Arktis erlebte im vergangenen Jahr eine Rekord-Eisschmelze. Laut der US-Behörde für Ozeanologie und Atmosphärenforschung (NOAA) verkleinerte sich die Eisfläche in der Arktis 2012 auf 3,41 Millionen Quadratkilometer. Das ist die kleinste Fläche seit Beginn der Satelliten-Beobachtung der Region vor 34 Jahren und 18 Prozent weniger als der bisherige Niedrigrekord aus dem Jahr 2007. Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Gewässer rund um den Nordpol bis 2050 im Sommer eisfrei sein könnten.

Gletscherschwund

Bei Gebirgsgletschern wird weltweit eine starke Eisschmelze beobachtet, etwa im Himalaya-Gebirge oder in den südamerikanischen Anden. Die Gletscher der Pyrenäen zwischen Frankreich und Spanien könnten bis 2050 ganz verschwunden sein.

Extreme Wetterphänomene

In einem Sonderbericht hatte der Weltklimarat IPCC im November 2011 festgehalten, dass es im Zuge der Erderwärmung zu einer Zunahme extremer Wetterphänomene wie heftiger Regenfälle, Hitzewellen und Dürreperioden gekommen ist und diese Entwicklung anhalten wird. 2012 wurden laut eine Untersuchung etwa die Hälfte aller Extremwetterphänomene durch den Klimawandel verstärkt.

Artensterben

Unter einem weiteren Temperaturanstieg wird auch die Tier- und Pflanzenwelt leiden. Ein Anstieg zwischen 1,5 und 2,4 Grad im Vergleich zu den 20 letzten Jahren des 20. Jahrhunderts würde dafür sorgen, dass 20 bis 30 Prozent aller Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht würden.

Zwei-Grad-Ziel

Internationales Ziel ist es, den Temperaturanstieg bis zum Ende dieses Jahrhunderts auf zwei Grad zu beschränken. Laut dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen wird der Anstieg aber zwischen drei und fünf Grad betragen, wenn es bei den bisherigen Bemühungen zur Reduzierung von Treibhausgasen bleibt.

Climategate

Im November 2009 drangen Hacker in die Computer des Klimaforschungszentrums der University of East Anglia ein, stahlen mehrere tausend Dokumente und veröffentlichten sie im Internet als angebliche Belege für wissenschaftliches Fehlverhalten der Klimaforscher. Mehrere Untersuchungen unabhängiger Institutionen konnten allerdings keine Hinweise auf ein solches Fehlverhalten nachweisen.

Von Saudi-Arabien bis Venezuela, von Russland bis Katar, von libyschen Terroristen bis zur IS-Mördertruppe: Ohne ihre Einnahmen aus Ölverkäufen würden die Kraftquellen der arabischen Welt (und auch ihrer gewalttätigen Eruptionen) schlagartig versiegen, die Machtgewichte in der Welt verschöben sich wieder in den demokratischen Westen und ins umgängliche Asien. Dekarbonisierung ist insofern eine gewaltige Waffe im säkularen Clash der Zivilisationen.

Absurderweise wird aber die Idee mit einem völlig anderen, zweifelhaften Blendargument der Politik eingefordert: Es gehe um die „Rettung des Klimas“. Das ist insofern schon grotesk, weil sich das Klima gar nicht „retten“ lässt. Seitdem die Erde ein Klima hat, wandelt es sich unrettbar.

Es verändert sich seit Millionen von Jahren sogar in dramatischer Weise hin und her. Eiszeiten und Elefantenzähne am Nordseeboden lassen grüßen. Und selbst in der erdgeschichtlich jüngeren Zeit ist das so: Der Geologe Don Easterbrook verweist auf mindestens drei CO2-unabhängige Warm/Kaltzeitenwechsel in den letzten 15.000 Jahren mit 20 mal so starken Schwankungen wie gegenwärtig sowie weiteren 15 Perioden mit fünffacher Schwankungsbreite.

Kommentare (4)

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Herr Rainer Feiden

12.06.2015, 14:15 Uhr

Die "Gruppe der (ratlosen?) 7" besteht aus: Deutschland, Frankreich, Italien, Japan, Kanada, England und den USA. Man führe sich mal Seite 21ff der nachfolgenden Auswertung zu Gemüte:


http://www.pbl.nl/sites/default/files/cms/publicaties/PBL_2014_Trends_in_global_CO2_emisions_2014_1490_0.pdf

Danach kommt man zu folgender Erkenntnis:

1. In der "Gruppe der 7" (Gartenzwerge, wovon einer grösser geraten ist) haben nur die USA einen nenneswerten Anteil am CO2-Ausstoss von jährlich 35,3 MILLIARDEN Tonnen, nämlich 5,3 Milliarden Tonnen.
2. Solange Länder wie China, das allleine über 10 MRD emittiert und damit mehr als die USA und die EU28 ZUSAMMEN (nämlich 9 MRD Tonnen), kann man den von der G7 formulierten Rettungsanspruch getrost als lächerliche PR-Aktion bezeichnen.

Um was geht es also? Wohl ausschliesslich darum, daß die Regierungen der G7 bei den Bürgen der G7 in Kürze mal wieder jede Menge CO2-Steuern einsammeln wollen. Gabriel arbeitet mit der deutschen Kohleangabe ja schon daran.
Mit dem G7-CO2-Zirkus lässt sich das globale Klima nicht retten, weil die Emissionen der G7 genau 25,5% (!!) der Weltemissionen ausmachen. Wohl können die CO2-Steuern aber dazu beitragen, die Staatsfinanzen zu retten.
Bei der "Klimarettung" geht es also einzig und allein um die Rettung der Staatsfinanzen. Das ist alles.


Account gelöscht!

12.06.2015, 14:26 Uhr

Dekarbonierung steht genauso wie das Wort Energiewende und Kernkraftausstieg für Mangel an Vernunft, Verstand und zum Schluss an einer wirtschaftlichen Wertschöpfungskette = Markt-Wohlstandsgesellschaft!
Diese Grün-Sozialistische Politik des Klimawahn, der CO2 und Kernkraftverteufelung, der Fortschrittsfeindlichkeit und Technikfeindlichkeit, der Verschuldung und der Zerstörung unserer Natur und Umwelt findet seinen Ausdruck in den Wort "Co2 freie Gesellschaft" und "Energiewende".

Energiewende/EEG/CO2 freie Gesellschaft = erst kommt die Lüge (Energie wenden zu können), dann folgt der Betrug/Selbstbetrug (marktfeindliches EEG) danach kommt der Mangel (Energie/CO2 Zwangseinsparung) und zum Schluss erwartet uns die Armut (eine Welt ohne bezahlbare Energie bei einer gleichzeitigen mangelhaften Energieversorgung)

G. Nampf

12.06.2015, 14:38 Uhr

"Denn die dekarbonisierte Welt würde zielsicher eine ganze Reihe von Schurkenstaaten ihrer Geldquelle berauben."

Das glaube ich nicht. Die Staaten, die fossile Rohstoffe haben (insbesondere auch die Schurkenstaaten), werden diese auch weiterhin verwenden - ob es sinnvoll ist oder nicht.

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