Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

19.01.2005

11:03 Uhr

Widerstand der Windbranche verzögert Energiestudie

Richtungsstreit in der Energiewirtschaft hat erst begonnen

VonD. Creutzburg und J. Flauger (Handelsblatt)

Am Tag danach bemühten sich die Beteiligten, den Krach als „normalen Vorgang“ darzustellen, als nur „formalen Dissens“ – doch dahinter steht ein fundamentaler Interessenkonflikt: Wie viel Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien kann sich Deutschland leisten?

HB BERLIN. Im Zentrum steht eine unter der Regie der bundeseigenen Deutschen Energieagentur (Dena) erarbeitete Studie, die Aufschluss über die technischen und ökonomischen Konsequenzen eines weiteren Ausbaus der Windenergie geben soll.

Am Montag hatten sich die Auftraggeber der mit Spannung erwarteten Studie zur Abschlusssitzung getroffen – neben der Dena eine Reihe von Unternehmen und Verbänden der etablierten Energiewirtschaft sowie der Windkraft. Doch statt zur einvernehmlichen Abnahme kam es in der Nacht zum Streit. Die Vertreter der Windenergie bestanden auf einer „redaktionellen Überarbeitung, damit die Studienergebnisse nicht fehlinterpretiert werden“, wie ihr Bundesverband erklärte. Das lehnten die übrigen Beteiligten ab.

Die zentrale Nachricht der Studie ist, dass durch den Aufbau großer „Offshore“-Windparks in der Nordsee, mit dem die rot-grüne Regierung den Anteil des Ökostroms an der Stromerzeugung auf 20 Prozent steigern will, sich Elektrizität verteuern wird – um einen drittel bis einen halben Cent pro Kilowattstunde, was etwa drei Prozent des Endkundenpreises entspräche. Dabei sind dann notwendige Investitionen ins Netz eingerechnet, wie Dena-Geschäftsführer Stephan Kohler betont.

Zwar betonen alle Seiten, dass man fachlich an der Untersuchung nichts auszusetzen habe. Doch das löst nicht das Problem der Interpretation: Welche Konsequenzen sind daraus für den weiteren Ausbau der Windenergie zu ziehen?

Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) bemühte sich am Dienstag auf der Handelsblatt-Energietagung in Berlin, nicht unnötig Öl ins Feuer zu gießen. Für ihn ist die Studie vor allem der Anfang auf dem Weg, ein „zukunftsfähiges Energieversorgungssystem für Deutschland zu entwickeln“. Auch seine Bedenken machte er aber klar: „Wir dürfen das Wünschbare nicht mit dem Machbaren verwechseln.“

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×