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24.11.2016

10:41 Uhr

Wie Berlusconi Schulz beleidigte

„Ich schlage Sie für die Rolle des Lagerführers vor“

Als Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi im Juli 2003 den EU-Vorsitz übernimmt, sorgt er im Parlament mit einer Rede voller Beleidigungen für Tumulte. Es ist der Moment, der Martin Schulz europaweit bekannt macht.

Berlusconi

Der 2. Juli 2003 machte Martin Schulz in ganz Europa berühmt: Der damalige Europaabgeordnete der SPD griff den italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi im Europäischen Parlament scharf an. Hier eine Dokumentation seiner Rede:

„Sie sind nicht verantwortlich, Herr Ratspräsident, für die Intelligenzquotienten Ihrer Minister, aber verantwortlich für das, was die sagen, sind Sie schon. Die Äußerungen von Bossi, Ihrem Minister für die Einwanderungspolitik, die Sie in Ihrer Rede erwähnt haben, sind in keiner Weise vereinbar mit der Grundrechte-Charta der Europäischen Union. Sie sind als Ratspräsident aufgefordert, diese Werte zu verteidigen. Dann verteidigen Sie diese Werte gegen Ihren eigenen Minister!“ (...)

„Jetzt ist man hier in diesem Haus seit Tagen immer in der schwierigen Situation. Wenn man über die italienische Präsidentschaft redet, dann heißt es immer: Ja, nun seid vorsichtig, dass Ihr den Berlusconi nicht kritisiert wegen dem, was er in Italien tut, denn das hat ja hier im Europäischen Parlament nichts verloren. Wieso? Ist Italien nicht Mitglied der Europäischen Union?“ (...)

Zur häufig kritisierten Bremserrolle Italiens bei der innen- und justizpolitischen Zusammenarbeit in der EU fragte Schulz:

„Was gedenken Sie zu tun zur Beschleunigung der Einrichtung einer Europäischen Staatsanwaltschaft? Was gedenken Sie zu tun zur Beschleunigung des In-Kraft-Tretens des europäischen Haftbefehls? Was gedenken Sie zu tun bei der gegenseitigen Anerkennung von Dokumenten in grenzüberschreitenden Strafverfahren? Da hätten Sie übrigens in Ihrem eigenen Land ein bisschen Reformbedarf, was die Dokumentenechtheit angeht. Wenn Sie im eigenen Land eine Reform durchführen, könnte nämlich der europäische Haftbefehl viel schneller in Kraft treten.“

Auf diese Kritik reagierte Berlusconi dann mit den Worten (nach einer dpa-Übersetzung aus dem Italienischen):
„Herr Schulz, ich weiß, dass ein Produzent in Italien gerade einen Film über die Konzentrationslager der Nazis dreht. Ich werde Sie für die Rolle des Kapo vorschlagen. Sie wären perfekt.“

Von

dpa

Kommentare (4)

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Herr Grutte Pier

24.11.2016, 10:18 Uhr

Bunga-Bunga-Berlusconi ist sicher auch eine "spezielle" Politikersorte.

Aber in dem Fall muss man einfach zustimmen.....

Herr Tom Schmidt

24.11.2016, 10:26 Uhr

Danke liebes Handelsblatt, dass sie die Qualifikation von Herrn Schulz und seine Vita noch einmal darlegen. Die Basis von Schulz ist eine Gossenprügelei mit Berlusconi, nichts mehr! Das war damals die Ära, als ohne jedes Problem, sich italienische und deutsche Politiker bis hin zu gegenseitigen Boykott-Aufrufen hochgeschaukelt haben. Eine Peinlichkeit durch und durch!

Schulz als Außenminister wäre eine absolute unguided missile. Bereits jetzt hat er das EU Parlament besch... vertreten (und hat Schulz-Politik betrieben). In der Ukraine haben nicht zuletzt die EU Parlamentarier ihren Anteil bei der Eskalation der Krise. Blieb schon Steinmeier jeden strategischen Ansatz schuldig... kommt jetzt noch Schulz als Gossenredner hinzu! Wer stoppt den Mann? (die Angie-Raute wird es nicht richten!!!)

Account gelöscht!

24.11.2016, 10:47 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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