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12.03.2017

13:57 Uhr

Wieder mal Comeback-Spekulationen

Guttenberg schnuppert „bayerische Luft“

In einem beschaulichen Schlosshotel in Niederbayern treffen zwei Männer aufeinander, die nicht nur in der CSU immer gerne für große Aufmerksamkeit sorgen: Horst Seehofer und Karl-Theodor zu Guttenberg. Alles weitere ist - eine - Wahlgeschichte. Oder ein Zukunftsszenario?

Medial viel beachtete Zusammenkunft vor dem Schlosshotel in Neufahrn. dpa

Karl-Theodor zu Guttenberg, Horst Seehofer, und Parteivize Manfred Weber (v.re.)

Medial viel beachtete Zusammenkunft vor dem Schlosshotel in Neufahrn.

NeufahrnUnd plötzlich ist er wieder da: Karl-Theodor zu Guttenberg. Gut gelaunt, Drei- bis Fünf-Tage-Bart, Seitenscheitel, sportlich schick gekleidet. Im Hintergrund steht das weiße Schloss Neufahrn mit Zwiebelkirchturmspitze. Die Sonne scheint. Neben ihm stehen CSU-Chef Horst Seehofer und Parteivize Manfred Weber. Ihm gehe es bestens, sagt Guttenberg, „bayerische Luft tut immer gut“.

Bei dem herzlichen Miteinander könnte man meinen, der ehemalige Verteidigungsminister sei noch immer der große Hoffnungsträger der CSU, als habe er noch seinen erschummelten Doktortitel, als habe es den schlagzeilenträchtigen Rücktritt 2011 nie gegeben.

Zur großen Freude Seehofers will sich Guttenberg für die CSU in den Bundestagswahlkampf einbringen. „Ich erwarte, dass wir eine unglaublich starke Mannschaft haben werden im Wahlkampf und ich bin dem Karl-Theodor sehr dankbar, dass er ein Teil dieser Mannschaft ist und uns in der einen oder anderen Veranstaltung unterstützen wird. Das halte ich für ein sehr nobles Angebot“, sagt der Parteichef, in dessen Kopf auch seit Monaten die eigene Nachfolgersuche läuft. Ob das Guttenberg werden könnte? Es heißt, dass Seehofer sich dies gut vorstellen könnte, nicht jetzt, aber irgendwann.

Jetzt ist die Botschaft erst einmal eine andere: „Er strebt ja jetzt keine Position an, sondern er will seiner Familie helfen, seiner CSU. Das, finde ich, ist sehr in Ordnung“, sagt Seehofer über Guttenbergs Beweggründe. Wer den Freiherrn aber von früher kennt, mag sich ein so selbstloses Verhalten kaum vorstellen. Auch in der CSU sehen einige in seinem Engagement den Versuch einer Rückkehr, leise, unaufdringlich. Sollte die Resonanz aber so gut sein, wie es etwa Seehofer im Wahlkampf erwartet, dürften schnell wieder Rufe laut werden, Guttenberg ganz zurückzuholen.

Welche Strahlkraft nur der Name Guttenberg hat, zeigt sich auch an diesem Tag in Neufahrn. Fernsehkameras, Fotografen, Journalisten, alles steht bereit, wenn der charismatische Adelige aus den USA in die Heimat fliegt. Und selbst, wenn sein Name nicht auf einer Einladung steht, findet sich schnell etwas in der Zeitung wieder. So geschehen etwa im Januar, als sich Guttenberg in einem Münchner Edel-Restaurant mit CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer traf. Zufällig wurden beide dabei von einem Fotografen beobachtet.

Wirklich ein Zufall? Auch innerhalb der CSU kann sich der Freiherr mit Wohnsitz in Amerika noch immer einer großen Fan-Gemeinde sicher sein. Die Reaktionen aus der Partei auf Guttenbergs Engagement in der CSU seien sehr positiv und aus der Bevölkerung sogar noch stärker, betont Seehofer. Guttenberg sei für die CSU immer ein Gewinn, sagt im Januar auch der sonst verschlossene Innenminister Joachim Herrmann (CSU): „Wir können jeden brauchen, ihn auf jeden Fall.“

Welcher Posten ist für Guttenberg noch denkbar? Aus der CSU heißt es, das einzige, was in der Theorie vorstellbar, aber in der Praxis unmöglich wäre, wäre der Posten des Außenministers. Doch ob die CSU diesen im Falle eines Wahlsieges für sich vereinnahmen darf, ist mehr als fraglich. Es ist eines der begehrtesten Ämter in der Bundesregierung und zudem schielt die CSU seit mehr als eineinhalb Jahren schon auf das Innenministerium.

Guttenberg selbst gibt sich der Presse gegenüber wortkarg. Auf die Außenpolitik angesprochen, erklärt er nur, dass diese generell eine wachsende Rolle spiele. Er werde gerne einen „bescheidenen Beitrag“ für seine Familie, die CSU, beitragen. So oft wie an diesem Morgen das Wort Familie fällt, scheint die Rückkehr des verlorenen Sohns tatsächlich nur noch eine Frage der Zeit zu sein.

Dies dürfte nicht allen in der CSU gefallen, denn dadurch könnte Seehofer wirklich eine erfolgversprechende Alternative zu den ganz persönlichen Karriereplänen seines Finanzministers Markus Söder haben. Neben Guttenbergs bundespolitischen Erfahrungen kommt bei Seehofer auch gut an, dass Guttenberg angeblich keine egoistischen Motive hat, sondern als „junger Entscheidungsträger“ nur überlege, was er zum Nutzen „unserer politischen Richtung“ einbringen könne. „Das ist die richtige Einstellung zu dem Thema“, sagt Seehofer.

Gegen eine Rückkehr hatte sich in der Vergangenheit übrigens nur Guttenberg selbst ausgesprochen: Er fühle sich in den USA, wo er eine Beratungs- und Investmentfirma betreibt, beruflich und privat sehr wohl, sagte er im Februar 2016 der „Süddeutschen Zeitung“. „Unabhängig davon würden die berechtigten Gründe für meinen Rücktritt sowie mein lausiger Umgang damit eine Rückkehr nicht rechtfertigen“, sagte er weiter und schlug damit ein neues Kapitel in Sachen Selbstkritik auf. Doch Guttenberg ist eben Guttenberg. Und deshalb gehen die Spekulationen immer weiter.

Von

dpa

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