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06.01.2012

06:21 Uhr

Wildbad Kreuth

Die CSU und ihre Hoffnung auf Wunderheilung

Eine brüllende Löwin ist Gerda Hasselfeldt nicht und so verläuft ihre erste Kreuth-Klausur als CSU-Landesgruppenchefin ruhig. Doch: Wird es unangenehm, lassen Alphatiere ihr gern den Vortritt. Das macht sie stark.

Die Vorsitzende der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Gerda Hasselfeldt, neben dem bayerischen Ministerpraesidenten Horst Seehofer. dapd

Die Vorsitzende der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Gerda Hasselfeldt, neben dem bayerischen Ministerpraesidenten Horst Seehofer.

Wildbad KreuthAlexander Dobrindt hat sich verändert. Der CSU- Generalsekretär hat nicht nur 20 Kilo abgenommen. Er hat auch eine neue Brille. Sie liegt voll im Trend der großen, schwarzen Sehhilfe- Gestelle, die inzwischen die Gesichter vieler Politiker verdecken. Ganz im Gegensatz zum langjährigen Brillenträger und Ex- Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg. Der 2011 über seine weitgehend abgeschriebene Doktorarbeit gestürzte CSU-Politiker tat jüngst kund, eine bezaubernde indische Ärztin habe ihm erklärt, er brauche gar keine Brille. Seitdem geht er ohne. Dobrindt bedauerte nun während der Winterklausur der CSU-Bundestagsabgeordneten in Wildbad Kreuth, ihm sei noch keine indische Wunderheilerin begegnet.

Dennoch geht es um Wunder und Heilung und damit auch um Guttenberg für die CSU in diesem Jahr. Deren Landesgruppe im Bundestag zieht sich traditionell zum Jahresauftakt für drei Tage in die heilklimatischen Berge am oberbayerischen Tegernsee zur Klausur zurück, wo einst Schwindsucht und Asthma behandelt wurden. Parteichef Horst Seehofer will den in zahlreichen Medien zunächst zum Polit-Star hochgejubelten und dann als Hochstapler gebrandmarkten Mann wiederhaben. Er will ihn einreihen, ihm eine Chance geben, in die Politik zurückzukehren.

Sieht Seehofer wirklich so wenige Talente in der CSU, dass er dem gern freischwebenden und angeblich beratungsresistenten Guttenberg wieder die große Bühne anbietet? Man darf sich über Seehofers Comeback-Call wundern, denn er hatte sich maßlos über Guttenbergs jüngste CSU-Schelte geärgert, die Partei sei keine Volkspartei.

Doch es kann auch schlicht Kalkül des bayerischen Ministerpräsidenten sein. Guttenberg habe immer noch und trotz allem Rückhalt in der Bevölkerung, sagen CSU-Mitglieder mit einer Mischung aus Ver- und Bewunderung. Er habe das Potenzial, Menschen an sich zu binden. Und wenn das auch nur zehn Prozent seien, könne das die Lage der CSU optimieren - oder schwächen, wäre er nicht in ihren Reihen. Die große Frage aber sei, ob Guttenberg es ertragen könne, nicht im Rampenlicht zu stehen, ob er zu Teamgeist überhaupt fähig sei.

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