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04.04.2011

06:45 Uhr

Will-Talk zur FDP

Westerwelle - eine Tragödie in fünf Akten

VonChristina Otten

Was Westerwelle mit Shakespeare gemeinsam hat und warum seine Tragödie noch längst nicht beendet ist, versuchte der „Anne Will“-Talk zu beantworten. Herauskam die beunruhigende Analyse eines liberalen Schauspiels.

Anne Will - fünf Mal noch am Sonntagabend.. Quelle: NDR/Sandra Schuck

Anne Will - fünf Mal noch am Sonntagabend..

BerlinGuido Westerwelle – das waren zehn Jahre politische und persönliche Neuerfindung an der Spitze der FDP. Hätte auch die Politik ihre Oscars zu vergeben, die Nominierung für die wandelbarste Rolle wäre dem scheidenden Liberalenchef sicher.

Westerwelle, das bedeutet Spaß-Guido, der im Guido-Mobil durch die Republik zieht, Big Brother mit einer Stippvisite beehrt und einer 18-Prozent-Schuhsohlen-Kampagne nervt. Das ist der laute „Steuersenkungs“-Provokateur der Opposition - seine wahrscheinlich beste Rolle. Oder der strahlende Sieger, der sich nicht lange sonnen darf in seinem Triumph. Der Verunsicherte, der hadert mit dem Spagat zwischen Stammtischplauderei und Seriosität im Außenamt. Und schließlich der gereifte Staatsmann, der von den freiheitskämpfenden Ägyptern gefeiert wird auf dem Tahir-Platz in Kairo, aber in der Libyen-Frage den Politikversager gibt.

Fünf Rollen in zehn Jahren. Geduldet, geliebt, gehasst. Dass Westerwelle ausgerechnet auf der Höhe seiner Macht vom Thron gestoßen wird, ist der Stoff aus dem Tragödien sind. Schon der Shakespeare-Schüler lernt: Das Scheitern des Helden ist unausweichlich. Er gerät durch eigene Verfehlung in Gefahr und stürzt nach dem Wendepunkt.

Der Wendepunkt, das ist im Fall Westerwelle ein außer Kontrolle geratener Atommeiler in Japan und eine Wahl in Baden-Württemberg. Der FDP-Chef erklärt nach langem Zögern ("Ich verlasse das Deck nicht, wenn es stürmt") nun doch seinen Rücktritt – und die Partei sucht den Ausweg aus dem liberalen Untergang.

„Störfall FDP – Westerwelle weg, Problem gelöst?“, fragt Anne Will am Sonntagabend, nur wenige Stunden nachdem der FDP-Chef offiziell vor laufenden Kameras sein Schicksal besiegelt hat. Es ist die Analyse eines gefallenen Helden. Nur eins unterscheidet dieses Schauspiel vom Shakespeare-Klassiker: Der Protagonist, er ist am Ende immer noch da - zumindest ein bisschen. 

Sein Amt als Außenminister will Westerwelle nicht abgeben. Aber darf er das überhaupt? Eigentlich nicht, entlockt es die gut gelaunte Diskussionsleiterin ihren fünf Gästen in der ARD-Runde. Darunter sind auch zwei Vertreter der FDP: Gerhart Baum, FDP-Minister a.D., der sich sogleich dafür entschuldigt, dass sich heute kaum jemand an ihn erinnert. Und Martin Lindner, Namensvetter des gelben Generals Christian Lindner, aber ansonsten nur wenigen bekannt (Will: „Man lernt plötzlich FDP-Mitglieder kennen, die man sonst noch nie gesehen hat“).

Kommentare (5)

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04.04.2011, 07:40 Uhr

Ich bin dafür, dass Herr Westerwelle auch als Außenminister zurück tritt, den auch auf diesem Posten glänzte er nur durch nicht wissen und verstehen.
Wenn ich meinen Gedanken freien Raum einräume, wäre es an der Zeit, dass die Koalition nach diesem Wahldebakel geschlossen zurück tritt, und Neuwahlen ausschreibt.
Es ist ein Trauerspiel, was sich die Parteien hier erlauben.
Alle Abgeordneten in Berlin, sind aalglatte Selbstbediener, ohne die Interessen ihrer Wähler zu vertreten, und sie auch umzusetzen versuchen.
Es kann nicht sein, dass Abgeordnete, 30 Jahre und länger im Bundestag sitzen, und nur mit Lobby-Politik beschäftigt sind.
Ich plädiere für Maximal zwei Amtsperioden, um anschließend wieder in ihre angestammten Berufe tätig zu werden.
Somit wird gewährleistet, dass das wirkliche reale Leben im Bundestag seinen Niederschlag findet.
Danke

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04.04.2011, 08:22 Uhr

Ich kann wirklich Frau Will (ARD) nicht mehr sehen.

Diese liknke Rottweiler-Mentalität, wie sich da ständig auf konservative Themen gestürtzt wird, schlimmer als der Schwarze Kanal zu DDR-Zeiten mit Karl-Theodor von Schnitzler.

Und dazu dieses ständige zynische Grinsen, auch bei Marietta Slomka (ZDF). Pfui GEZ-Sender.

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04.04.2011, 09:21 Uhr

Absolut richtig, das würde ich voll unterstützen. Vielleicht sollten Parlamentsmitglieder auch, wie der Bundespräsident, ihr Parteibuch abgeben, damit sie wirklich das Land und nicht die Parteikarriere in den Vordergrund stellen.

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