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13.04.2015

14:23 Uhr

Windows XP

Datenschützer fordert Abschaltung von Behörden-PCs

Microsoft hat Kunden Jahre Zeit gegeben, sich vom veralteten Windows XP zu verabschieden. Der Berliner Verwaltung reichte diese Zeit nicht aus. Der Berliner Datenschutzbeauftragte fordert nun einen radikalen Schnitt.

Der Datenschutzbeauftragte Dix sagte, er wisse nicht genau, wie viele PCs noch betroffen seien. dpa

Der Datenschutzbeauftragte Dix sagte, er wisse nicht genau, wie viele PCs noch betroffen seien.

BerlinDie unsicheren PCs in der Berliner Verwaltung mit dem veralteten Betriebssystem Windows XP sollen nach einer Forderung des Berliner Datenschutzbeauftragte Alexander Dix noch am Dienstag abgeschaltet werden. Die persönlichen Daten der Bürger seien sonst einem unverantwortlichen Risiko durch mögliche Hacker-Angriffe ausgesetzt, sagte Dix am Montag im Inforadio vom RBB.

Microsoft hatte die technische Unterstützung für das 13 Jahre alte Betriebssystem vor einem Jahr (8. April 2014) nach langer Vorlaufphase eingestellt. Danach hat Microsoft keine Sicherheitsupdates und Aktualisierungen mehr für XP veröffentlicht. Der Fahrplan für das Support-Ende war von dem Konzern bereits im Jahr 2002 erstmals angekündigt worden.

Da die Berliner Verwaltung die Ablösung der betagten PCs nicht rechtzeitig umsetzen konnte, hatte das IT-Dienstleistungszentrum Berlin (ITDZ) für 300 000 Euro einen verlängerten Support mit Microsoft vereinbart. Dieser läuft am Dienstag aus. Das ITDZ will ein Virenschutzprogramm für XP noch bis Ende 2015 zur Verfügung stellen.

Wie Windows wurde, was es ist

Windows 1.0

Der Urahn des inzwischen meistgenutzten PC-Betriebssystems kam im November 1985 auf den Markt. Damals war Microsoft noch ein Außenseiter, während der Platzhirsch IBM und der Aufsteiger Apple den Kampf um den PC-Markt auszufechten schienen. Anfangs arbeitete sich Windows nur mühsam ins Geschäft – denn Microsoft verzichtete zunächst angesichts eines jahrelangen Patentstreits mit Apple auf grafische Bedienungselemente.

Windows 3.1

Mit dieser Version lernte Windows 1992, Videos abzuspielen, bekam die ersten integrierten Spiele und neue Schriften. Die Grundansicht mit den überlappenden Fenstern und einem Desktop für Programm-Symbole blieb – mit einigen Design-Änderungen – lange erhalten.

Windows NT

Parallel zu den Consumer-Versionen von Windows entwickelte Microsoft nach dem Scheitern des OS/2-Projektes mit IBM eine Windows-Version mit einem neuen Programm-Kern („Windows New Technology“). NT wurde mit Windows 2000 fortgeführt und ging später in Windows XP auf.

Windows 95

Die radikale Erneuerung von 1995 brachte in Grundzügen das Windows, das heute praktisch jeder kennt. Unter anderem wurde der „Start“-Knopf mit dem Balken am unteren Bildschirmrand eingeführt. Nachdem nachträglich der Web-Browser Internet Explorer zum Windows-Grundpaket hinzugefügt wurde, setzte sich Microsoft zum Ärger der Wettbewerbshüter in diesem Bereich gegen den Pionier Netscape durch. Auf die Version folgten die kleineren Aktualisierungen Windows 98 und ME.

Windows XP

2001 brachte Microsoft die bisher langlebigste Version seines Betriebssystems auf den Markt, die immer noch auf vielen Rechnern läuft. Mit Windows XP wurden viele visuelle Effekte hinzugefügt, ebenso wie wichtige Funktionen wie etwa schneller Benutzerwechsel, eine integrierte Firewall für mehr Sicherheit und verbesserter Medienwiedergabe.

Windows 7

Das Betriebssystem Windows Vista sollte XP verdrängen, wurde von den Nutzern aber weitgehend ignoriert. Die 2007 veröffentlichte Version bot zwar neue Bildschirmansichten, aber eine für viele Nutzer verwirrende Rechteverwaltung für Benutzerkonten. Erst mit der Vorstellung von Windows 7 im Oktober 2009 konnte Microsoft die Anwender wieder überzeugen.

Windows 8

Mit Windows 8 wollte sich Microsoft für den Wandel der Computer-Welt rüsten: Die neue Kacheloberfläche ist für Touchscreens ausgelegt und eignet sich damit auch für Tablet-Computer – äußerlich ähnelt das System damit dem Smartphone-Betriebssystem Windows Phone. Microsoft stellte Windows 8 im Oktober 2012 vor. Gerade an der neuen Bedienung wurde jedoch schnell viel Kritik laut.

Windows 8.1

Ein Update für Windows 8 kam im Oktober 2013 auf den Markt. Das kostenlose Windows 8.1 soll die größten Kritikpunkte an dem Vorgänger ausräumen. So können Nutzer direkt auf den Desktop starten und so die Kacheloberfläche umgehen. Zudem kehrt der Startknopf zurück, wenn auch nicht das klassische Startmenü.

Windows 10

Im Sommer 2015 hat Microsoft Windows 10 auf den Markt gebracht. Der Konzern verspricht so viele Neuerungen, dass die Produktbezeichnung „9“ mit Absicht übersprungen wurde. Das neue System soll auf allen Geräten laufen, vom Desktop-PC bis zum Smartphone. Der Konzern will die Version mit regelmäßigen Updates auf dem Stand der Technik halten. Eine optische Änderung: Das Startmenü kehrt zurück.

Der Datenschutzbeauftragte Dix sagte, er wisse nicht genau, wie viele PCs noch betroffen seien. Der Senat hatte die Zahl der XP-Rechner zuletzt im März 2015 in einer Antwort auf eine Anfrage der Piraten-Fraktion mit 28 477 angegeben (Stand 31. Oktober 2014). Am stärksten betroffen ist die Finanzverwaltung mit 9097 unsicheren PCs, gefolgt von der Justizbehörde (2146). Selbst in der Senatskanzlei konnte nicht flächendeckend auf sichere Computer umgestellt werden. Dort standen noch zwei XP-Rechner.

Die Innenbehörde hatte in Zusammenhang mit der XP-Ablösung darauf hingewiesen, dass der IT-Einsatz in der Berliner Verwaltung dezentral organisiert sei. „Aus dieser Organisations- und Verantwortungsstruktur folgt zwingend, dass es Aufgabe und Verantwortung der jeweiligen Senats- bzw. Bezirksverwaltung ist, in eigener Zuständigkeit auch die notwendigen Aktualisierungen von Hard- und Software durchzuführen.“ Das gelte auch für die Betriebssysteme. In der Senatsverwaltung für Inneres und Sport waren Ende Oktober noch 1 708 PCs mit dem unsicheren Windows-XP-System im Einsatz.

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dpa

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