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26.07.2012

15:34 Uhr

Winfried Kretschmann

„Die Debatte um die Strompreise ist Hysterie“

VonBarbara Gillmann, Martin-W. Buchenau

Baden-Württembergs Ministerpräsident wirft der Kanzlerin Versagen beim Management der Energiewende vor. Im Interview spricht Winfried Kretschmann außerdem über den Kauf der EnBW-Aktien und eine schwarz-grüne Zukunft.

Winfried Kretschmann wirft Kanzlerin Merkel Versagen bei der Umsetzung der Energiewende vor. dpa

Winfried Kretschmann wirft Kanzlerin Merkel Versagen bei der Umsetzung der Energiewende vor.

Handelsblatt: Herr Kretschmann, in Kürze haben wir im trüben Deutschland mehr Kapazität für Solarstrom als für Windkraft. Absurd?

Winfried Kretschmann: Warum? Wir wollen alle 100 Prozent regenerative Energie, jetzt boomt sie endlich, und eigentlich könnten sich alle darüber freuen.

Wollen Sie der Industrie im Ländle höhere Strompreise zumuten?

Ich halte nichts von der Panikmache bei den Energiepreisen. Sie steigen nach unseren Erkenntnissen weniger als vor der Energiewende und werden nicht durch die Decke schießen. Das beste Mittel dagegen ist Energieeffizienz. Unsere Wirtschaft hier im Land ist in puncto Energieeffizienz heute schon vielfach vorbildlich - und wird so wettbewerbsfähiger.

Unternehmen im Ausland haben weniger Druck.

Energiepolitik ist auch Wirtschaftspolitik, denn Effizienz wird zum weltweiten Markt. Die Chancen sind doch viel größer als die Risiken, die hier von interessierter Seite beschworen werden. Ein Problem sind die vielen Ausnahmen von der Netzumlage und der EEG-Umlage. Diese rund 700 Stromverbraucher müssen wir zumindest teilweise beteiligen. Wie soll ich einem Bäcker mit sechs Prozent Energiekosten erklären, dass er für Konzerne mitbezahlt?

Aber auch Sie fordern für die Bürger „bezahlbare Preise“.

Es geht nicht um Preissenkung, es geht um Energieeffizienz. Haushalte mit geringem Einkommen brauchen Beratung beim Stromsparen. So bildet etwa die Caritas Hartz IV-Empfänger zu Energieberatern aus. Helfen können auch Prämien für effiziente Geräte.

Energiekonzerne wollen mehr Strom verkaufen, nicht weniger.

Die Energiewende ist nicht nur ein bisschen mehr Öko, sondern in ihrer Dimension mit der ersten industriellen Revolution vergleichbar. Die großen Energieversorger können und wollen nicht einfache Stromverkäufer bleiben, sondern Dienstleister werden, die Energie-Handling anbieten. Die EnBW wird sich hier mit unserer Unterstützung zu einem Vorzeigeunternehmen entwickeln.

Kommentare (29)

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vandale

26.07.2012, 15:59 Uhr

Kretschmann ist wie Trittin ein ehemaliger KBW Funktionär. Teils wischt er die Realität wie das steigen der Strompreise vom Tisch. Teils sind seine Aussagen sehr interessant. Interessant ist beispielsweise die Menschen beim "Energiesparen zu beraten". Praktisch könnte dann entweder ein ökologisch vorbildlicher Bewohner (Blockwart) kontrollieren ob beispielsweise sündige Glühbirnen verwendet werden. Technisch kann man auch mit einem sehr intelligentem Stromzähler feststellen ob ein sündiger Heizlüfter bei Windstille betrieben wird.

Vandale

Account gelöscht!

26.07.2012, 16:13 Uhr

"Es geht nicht um Preissenkung, es geht um Energieeffizienz. Haushalte mit geringem Einkommen brauchen Beratung beim Stromsparen. So bildet etwa die Caritas Hartz IV-Empfänger zu Energieberatern aus. Helfen können auch Prämien für effiziente Geräte"

Mein Kühlschrank ist 12 Jahre alt, mein Auto ebenfalls. Wie lange brauche ich um die Kosten für einen sparsameren Kühlschrank über die steigenden Energiepreise wieder herein zu holen?

oeflingen

26.07.2012, 16:21 Uhr

Auch ein grüner Realo wie Kretschmann ist in Sachen Solarstrom ein Traumtänzer. Es gilt nach wie vor, dass Photovoltaik die teuerste Form von Strom in Deutschland ist. Die Strompreise werden für den Endverbraucher weiter massiv steigen, weil völlig überzogene Einspeisevergütungen gezahlt werden und davon nur die Chinesen und die Finanzinvestoren profitieren.

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