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27.03.2011

22:19 Uhr

Winfried Kretschmann

Vom Grünen-Urgestein zum Landesvater

In Baden-Württemberg haben die Grünen Geschichte geschrieben: Winfried Kretschmann dürfte nach der Landtagswahl wohl der erste grüne Ministerpräsident in Deutschland werden - eine historische Wende.

Winfried Kretschmann. Quelle: dpa

Winfried Kretschmann.

StuttgartDer 62-jährige Politiker mit dem silbergrauen Bürstenschnitt hat zwar mit den Grünen nicht so viele Stimmen eingefahren wie Amtsinhaber Stefan Mappus mit der CDU. Aber das angepeilte Bündnis mit der SPD und die höhere Zahl der Landtagsmandate der grünen dürften Kretschmann auf den Chefposten im Ländle hieven. „Nach 57 Jahren ist es Zeit für einen Wechsel“, hatte Kretschmann schon vor der Wahl verkündet. Am Sonntag sprach er von einer „historischen Wende“.

Kretschmann zählt zum Urgestein der ökologischen Bewegung in Deutschland. Schon Ende der 70er Jahre protestierte er gegen die Atompolitik. 1980 pausierte er als Gymnasiallehrer für Biologie, Chemie und Ethik und zog mit fünf Parteifreunden in den Stuttgarter Landtag ein. Sechs Jahre später holte ihn Joschka Fischer ins hessische Umweltministerium. Nach vier Jahren Arbeit als Lehrer saß Kretschmann seit 1996 wieder im Stuttgarter Landtag, seit 2002 als Fraktionschef der Grünen.

Vor allem der Proteststurm gegen das Milliarden-Projekt Stuttgart 21 trieb den Grünen zunächst Wähler zu, zuletzt aber die Atomkatastrophe in Japan. Beide Themen dürften nun auch die großen Herausforderungen für Kretschmann werden: Immerhin hatten die Grünen angekündigt, vier Atommeiler in Baden-Württemberg so schnell wie möglich abschalten. Er wolle den Atomausstieg beschleunigen, sagte Kretschmann am Wahlabend.

Zugleich gab er sich versöhnlich. „Im Wahlkampf ist viel polarisiert worden, und jetzt geht es darum, alle wieder zusammenzubringen“, kommentierte er das Ergebnis - und lobte sich dann für sein Durchhaltevermögen. „Wir haben 30 Jahre lang dicke harte Bretter gebohrt. Irgendwann kommt man dann durch.“

Was Grün-Rot für das umstrittene Bahnhofsprojekt genau bedeutet, ist aber noch fraglich. „Wir sind die einzigen S-21-Gegner“, hatte Kretschmann, der auf der Schwäbischen Alb aufwuchs, vor der Wahl gesagt. Die Grünen seien die einzige Partei, die sich gegen das insgesamt sieben Milliarden Euro teure Bahn-Projekt ausgesprochen habe. „Wir haben keinen Partner.“ Nun muss das Vorgehen in Koalitionsgesprächen geklärt werden. Denn SPD-Spitzenkandidat Nils Schmid ist für Stuttgart 21 und wollte einen Volksentscheid durchsetzen.

Bei der Frage, wen die Baden-Württemberger lieber als neuen Regierungschef hätten, hatte Kretschmann laut Umfragen übrigens meist gleichauf mit Mappus gelegen. Ein Grund dafür dürfte sein, dass die Grünen in den vergangenen Jahrzehnten seien die Grünen weit ins Bürgertum vorgedrungen, wie Kretschmann anmerkte. Viele Selbstständige seien unter ihren Anhängern, die sich beispielsweise im Maschinen- und Automobilbau für „grüne Produktlinien“ starkmachten.

Kretschmann dürfte froh sein, dass er nicht auf die Linkspartei angewiesen ist. Denn von diesen hatte er sich schon vor der Wahl distanziert: „Ich bin aufgrund meiner linksradikalen Ausflüge während meines Studiums dagegen gefeit.

Von

rtr

Kommentare (1)

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Juraschka

28.03.2011, 13:29 Uhr

Das, was die Grünen und die SPD mit den Bürgern machen, ist einfach kriminell. Nicht nur sie durch Lügen (Nils Frau ist eine Türkin, wovon vor der Wahl niemand etwas wußte) und Falschaussagen (siehe zukünftige Energie-Politik) den Wähler getäuscht haben, verweigern sie auch der stärksten Fraktion der CDU die Regierungsbildung, was ungeheuerlich ist.

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