Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

17.01.2011

14:29 Uhr

Winter-Chaos

Ramsauer stellt Bahn verheerendes Zeugnis aus

ExklusivDieser Winter hat der Deutschen Bahn schwer zu schaffen gemacht: Zahlreiche Zugausfälle und Verspätungen haben allerdings nicht nur bei Fahrgästen für erheblichen Unmut gesorgt. Auch die Politik zeigte sich ungehalten. Und sagt dem Konzern nun in einem Bericht, wie verheerend er die Folgen des Wetterchaos gemanagt hat.

Ramsauer stellt der Bahn ein schlechtes Zeugnis aus. Reuters

Ramsauer stellt der Bahn ein schlechtes Zeugnis aus.

dhs/HB BERLIN. Das Bundesverkehrsministerium stellt der Deutschen Bahn AG eine verheerende Bilanz der letzten Winterwochen aus. In einem Bericht an den Verkehrsausschuss des Bundestages, der dem Handelsblatt vorliegt, heißt es: "Die Pünktlichkeit im Nahverkehr lag im Monat Dezember bei 77,2 Prozent. Im Fernverkehr sank die Pünktlichkeit im Dezember sogar teilweise unter 70 Prozent." Zugleich sei aber die Nachfrage wegen der schlechten Witterungsverhältnisse auf den Straßen sprunghaft angestiegen.

Im Dezember habe es eine halbe Million zusätzliche Zugbuchungen gegeben, auf den Hauptstrecken seien ein Drittel mehr Fahrgäste unterwegs gewesen als sonst, berichtet Minister Peter Ramsauer (CSU) den Abgeordneten. Dafür fuhren die ICE-Züge aber nur noch gedrosselt mit maximal 200 Stundenkilometern und zudem "fehlten zeitweise über zehn Prozent der Fahrzeuge". Im Güterverkehr fuhren im Dezember 67,5 Prozent aller Züge zu spät ab, nur 49,1 Prozent der Züge kam pünktlich an.

Das Ministerium fordert in seinem Bericht die Bahn auf, verstärkt zu investieren, "vor allem beim rollenden Material". Zudem sollen die Kapazitäten in den Werkstätten aufgestockt werden, um den anfälligen Fuhrpark schneller instand setzen zu können. "Um langfristig die Einhaltung des Fahrplans auch bei widrigen Wetterverhältnissen sicherzustellen, ist jedoch die Bestellung weiterer Zuggarnituren unumgänglich", heißt es.

Zufrieden zeigte sich Ramsauer hingegen mit der Binnenschifffahrt, dem Hauptkonkurrenten der Bahn im Massengütergeschäft. Dort seien die Verhältnisse in diesem Jahr "weitgehend normal" gewesen. Daher "dürften auch die volkswirtschaftlichen Verluste relativ gering ausfallen". Auch der Luftverkehr habe den "kältesten Dezember in Deutschland seit über 40 Jahren" gut überstanden.

Wegen des harten Winters rechnet Ramsauer mit hohen Folgekosten für die deutsche Volkswirtschaft. Diese seien derzeit "der Höhe nach von niemandem bezifferbar", zitierte die "Bild"-Zeitung aus dem selben Bericht des Ministers für den Verkehrsausschuss des Bundestages. Der CSU-Politiker schlussfolgere daraus: "Ein auch bei extremen Wetterbedingungen weitgehend reibungslos funktionierendes Verkehrssystem gibt es nicht zum Nulltarif." In diesem Winter war es beispielsweise bei der Bahn zu zahlreichen Zugausfällen und Verspätungen gekommen.

Kommentare (7)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Ingenieur

17.01.2011, 15:45 Uhr

instandhaltung kostet Geld, daher haben die Db Manager viele der Wartungstechniker entlassen und reagieren verstärkt "im bedarfsfall", also wenn der Zug eine Panne hat. Dabei verliert die bahn auch kaum nennenswerte Einnahmen, im Gegenteil, die wartenden Menschen kaufen wahrscheinlich noch einen Extrakaffee am bahnhof. Der Volkswirtschaft als Ganzes schadet es natürlich erheblich, wenn jeden Tag Millionen von Menschen auf irgendwelchen bahnhöfen die Zeit totschlagen müssen. Da sich das aber nicht auf die bilanz der Db auswirkt, wird sich auch nichts ändern.

norbert

17.01.2011, 16:30 Uhr

Dann überlegt euch mal, WER die bahn ruiniert hat, und wer das gedeckt hat, und wer der Eigentümer der bahn ist,
statt rumzumeckern !

hansgoldmann

17.01.2011, 17:27 Uhr

Man muss hier wirklich noch einmal ausdrücklich erinnern, das die Politik Herrn Medohrn auf den Stuhl gehoben hat und dann jahrelang mit Sicht auf den börsengang die Kostenschreibe gedreht wurde.

Eine bahn, die die Weichenheizungen nur mit halber Kraft im Winter betreiben kann, weil an der Wartung gespart wurde, ist einfach lächerlcih.

Der Fall "Db" macht klar, das in Politik UND oberem Managment aufgeräumt werden muss.

Verantwortung übernehmen heisst: Den Hut nehmen, und zwar in die Rente, und den Schaden bezahlen, den man anrichtet - und nicht auf Aufsichtsratsposten rutschen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×