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10.10.2015

10:37 Uhr

Winteranfang

Länder ringen um wetterfeste Flüchtlingsquartiere

So langsam wird das Wetter in Deutschland ungemütlich. Doch viele Flüchtlinge haben noch keinen warmen, trockenen Schlafplatz. In einigen Bundesländern dürfte sich das auch vorerst nicht ändern.

Arbeiter arbeiten in Neubiberg (Bayern) vor einer neuen Traglufthalle, die als Notunterkunft genutzt werden soll – zumindest bis zum Winter. dpa

Traglufthalle

Arbeiter arbeiten in Neubiberg (Bayern) vor einer neuen Traglufthalle, die als Notunterkunft genutzt werden soll – zumindest bis zum Winter.

BerlinDer Winter naht - und noch immer sind Tausende Plätze in Flüchtlingsunterkünften nicht winterfest. Während Asylbewerber in Berlin, Hessen, Bayern oder Mecklenburg-Vorpommern in der kalten Jahreszeit auf ein festes Dach über dem Kopf hoffen können, werden sie in Bremen oder Niedersachsen womöglich in nachgerüsteten Zelten wohnen müssen. Das ergab eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur in den Ländern.

„Wir müssen unsere Standards ständig weiter absenken, um den Menschen überhaupt noch ein Dach über dem Kopf zu bieten“, sagte die Bremer Sozialsenatorin Anja Stahmann (Grüne). 1000 der fast 5000 Plätze in Notunterkünften seien nicht wintertauglich. Bremen will auf isolierte und mit Fenstern ausgestattete Zelte ausweichen. Das Sozialressort könne aber nicht ausschließen, dass normale Zelte für die kalte Jahreszeit nachgerüstet werden müssten.

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Denn die Zeit drängt – auch in Niedersachsen, wo noch 4000 Flüchtlinge in Zelten wohnen. Diese sollen laut Innenministerium bis Ende Oktober entweder beheizt oder durch Schnellbauhütten ersetzt werden. Ein als Notunterkunft genutztes Ferienzeltlager an der Nordseeküste wird in Kürze geräumt, die 650 Flüchtlinge ziehen in Unterkünfte im Kreis Cuxhaven. Schleswig-Holsteins Innenminister Stefan Studt (SPD) schloss eine Unterbringung von Flüchtlingen in wintertauglichen Zelten als letzte Lösung nicht aus. Das Land müsse sich auf alle Eventualitäten vorbereiten.

Auch in Nordrhein-Westfalen und Hamburg ist noch einiges zu tun: 2000 Plätze in – auch als Zeltstädte bezeichneten – Leichtbauhallen müssen laut NRW-Innenministerium geprüft und gegebenenfalls winterfest gemacht werden. In der Hansestadt müssen der Innenbehörde zufolge 3150 Plätze in beheizbare Gebäude oder Bundeswehrzelte umgelegt werden. Außerdem sollen Holzhäuser Zeltplätze ersetzen.

In Brandenburg werden ab sofort keine Flüchtlinge mehr in nicht winterfesten Unterkünften untergebracht. Rund 200 Menschen hielten sich noch in nicht beheizbaren Zelten auf, sie sollten alle noch am Freitag umziehen, wie das Innenministerium mitteilte. Ab Samstag früh würden die Zelte abgebaut. Innenstaatssekretär Matthias Kahl sagte, angesichts der sinkenden Temperaturen sei eine Unterbringung in diesen Zelten nicht länger zumutbar.

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