Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

05.01.2017

14:10 Uhr

Winterkorn-Debatte

FDP schlägt Gehaltskorridor für Top-Manager vor

VonDietmar Neuerer

Die hohen Rentenbezüge für Ex-VW-Chef Winterkorn haben eine neue Debatte über die Vergütung von Top-Managern ausgelöst. FDP-Wirtschaftsminister Wissing fordert schärfere Regeln. Auch SPD und Grüne sehen Handlungsbedarf.

Erhält auch als Rentner sehr hohe Bezüge: Ex-VW-Chef Martin Winterkorn. dpa

Martin Winterkorn

Erhält auch als Rentner sehr hohe Bezüge: Ex-VW-Chef Martin Winterkorn.

BerlinDass der frühere Vorstandschef von Volkswagen, Martin Winterkorn, nach seinem vertragsgemäßen Ausscheiden bei dem Autobauer satte Rentenbezüge erhält, ist eigentlich wenig verwunderlich. Denn Volkswagen hatte für Winterkorns Pensionsansprüche bereits im Frühjahr 2015 eine Rückstellung von knapp 29 Millionen Euro gebildet.

Das sogenannte Ruhegehalt für Winterkorn – festgesetzt als Anteil von 70 Prozent an der letzten Grundvergütung – beläuft sich demnach auf rund 1,2 Millionen Euro oder umgerechnet knapp 3100 Euro pro Tag. Die Rechnung ist rechtlich nicht zu beanstanden. Dennoch ist die Empörung nun groß, zumal Winterkorn als ehemaligem VW-Chef eine große Mitverantwortung für den Abgasskandal angelastet wird.

Deutschlands oberster Aktionärsschützer, DSW-Präsident Ulrich Hocker, nannte den Vorgang eine „Riesensauerei“. Er forderte in „Bild“ eine Kündigungsklausel für Konzerne: „Wenn Top-Manager einem Unternehmen nachhaltig geschadet haben, müssen die Unternehmen die Rente deutlich reduzieren oder sogar vollständig einfrieren können.“

SPD will Regelverschärfung: Manager-Boni werden Wahlkampfthema

SPD will Regelverschärfung

Premium Manager-Boni werden Wahlkampfthema

Strengere Regeln für Manager: Die SPD will an die steuerliche Absetzungsfähigkeit von Gehältern, Boni und Abfindungen herangehen. Bei der CDU hält man dagegen wenig von geplanten Gesetzesverschärfungen.

Dass der Dieselskandal VW und seinen Aktionären massiv geschadet hat, sei unstrittig, so Hocker. Eine Mitschuld hat Winterkorn aber immer bestritten. „Ich tue dies im Interesse des Unternehmens, obwohl ich mir keines Fehlverhaltens bewusst bin“, ließ er im Herbst 2015 nach seinem Rücktritt verlesen. Sein Fall wirft dennoch ein Schlaglicht auf die Vergütung von Managern. Das Thema hat die Politik schon länger auf dem Schirm. Durch Winterkorn erhält die Debatte nun neue Nahrung.

Der Wirtschaftsminister von Rheinland-Pfalz, Volker Wissing (FDP), sprach sich für mehr Transparenz bei der Vergütung von Top-Managern aus. „Ich bin für eine Publizitätspflicht. Aktiengesellschaften sollten verpflichtet werden, im Aufsichtsrat für jede Führungsposition einen Gehaltskorridor festzulegen und dies zu veröffentlichen“, sagte Wissing dem Handelsblatt. „Das hat den Vorteil, dass das Gehalt abstrakt mit der Position verknüpft wird und nicht mit einer bestimmten Person.“

Eine Abweichung von diesem Gehaltskorridor sollte nach Wissings Vorstellung einen Beschluss der Aktionärsversammlung erfordern. „Dann wird öffentlich und transparent über das Gehalt gesprochen und Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertreter können ihre Positionen dazu darstellen“, sagte der FDP-Politiker.

Kommentare (11)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

05.01.2017, 14:17 Uhr

Mit dem Thema wird die FDP wohl kaum aus ihren Umfragetief herauskommen...die FDP vergisst wohl immer wieder, dass diese sich mit solchen Themen besonders Unglaubwürdig macht. FDP ist in der Wahrnehmung vieler Bürger nämlich immer noch eine Klientelpartei der besser Verdiender bzw. Spitzenverdiener.

Herr Günter Meyer

05.01.2017, 14:24 Uhr

Die Politik sitzt bei diesem Thema selbst im Glashaus. Sie sollte sich mal überlegen wie hoch die Rentenzahlungen für Politiker oder Beamte sind, selbst wenn sie nur kurz im Amt bzw. im Parlament waren.

Herr Markus Gerle

05.01.2017, 14:42 Uhr

Herr Hoffmann, das sehe ich nicht so. Den Vorschlag der FDP finde ich aus Sicht des Aktionärs (bin einer) durchaus interessant. Mich würde da durchaus interessiert, mit welchen Summen die verschiedenen Positionen im Vorstand beglückt werden. Es hat sich nämlich gezeigt, dass hier teilweise eine umgekehrte Proportionalität zur Performance der Aktie vorliegt.
Herr Meyer, das dachte ich auch. Die Selbstbedienungsmentalität unserer Politiker wäre eigentlich auch mal ein Thema. Nach meinen Informationen sind die Bezüge der BT-Abgeordneten seit 2006 um 26% gestiegen, und die steuerfreie Kostenpauschale (=legalisierte Steuerhinterziehung) um 20%.
Es würde mich freuen, wenn man in der Presse die Beamten- und Politikerpensionen veröffentlicht würde, wobei man dann mal den Rentenfaktor meiner Rürup-Rente nehme, um den Kapitalstock auszurechnen, den man den überversorgten Beamten und Politikern schenkt.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×