Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

30.05.2016

17:25 Uhr

Wirbel um Gauland-Äußerung

„Es ist erbärmlich, wie er sich da präsentiert“

VonDietmar Neuerer

Eben noch wollten sich die etablierten Parteien mit der AfD inhaltlich auseinandersetzen. Doch nun gefährdet Parteivize Gauland mit fremdenfeindlichen Äußerungen über Nationalspieler Boateng diese wichtige Debatte.

Der AfD-Vize hat mit fremdenfeindlichen Äußerungen einen politischen Wirbel ausgelöst. Jetzt versucht er, die Wogen zu glätten. dpa

Alexander Gauland

Der AfD-Vize hat mit fremdenfeindlichen Äußerungen einen politischen Wirbel ausgelöst. Jetzt versucht er, die Wogen zu glätten.

BerlinAlexander Gauland überlässt nichts dem Zufall. Bevor er das Wort ergreift, überlegt der AfD-Vizechef genau, was er sagt. Und wie er es sagt. Medienvertreter schätzen die grenzenlose Offenheit des 75-Jährigen. Und dass er Gesagtes stehen lässt – und nichts davon zurücknimmt. Warum sollte er auch?

Mit seinen 40 Jahren CDU-Erfahrung ist Gauland Politprofi genug, um zu wissen, welche Wirkung Worte entfalten können. Und als jemand, der in seinem früheren Leben kurzzeitig Herausgeber einer Tageszeitung war, weiß er auch, wie Medien ticken. So dürfte ihn die aktuelle Aufregung um eine Äußerung von ihm über den deutschen Fußball-Weltmeister Jérôme Boateng eigentlich kaum überrascht haben.

AfD-Programm: Das fordert die Partei

Mindestlohn

Die AfD ist für den gesetzlichen Mindestlohn. Damit liegt sie auf einer Linie mit SPD, Grünen, der Linkspartei und Teilen der Union.

Erbschaftssteuer

Geht es nach der AfD soll die Erbschaftssteuer abgeschafft werden. Dafür setzt sich aktuell auch die FDP ein.

Bundespräsident

Die AfD möchte, dass der Bundespräsident künftig direkt vom Volk gewählt wird. Dieser Vorschlag kam 2009 auch vom damaligen Bundespräsidenten Horst Köhler. Zustimmung erhielt er dafür nur aus der FDP.

Volksentscheid

Die AfD will mehr direkte Demokratie durch Volksentscheide. Auch die SPD, die Linke und die Grünen wollen, dass die Hürden für Volksentscheide abgesenkt werden. Ihre Vorschläge gehen aber nicht so weit wie die Ideen der AfD.

Familie

Die traditionelle Familie gilt der AfD als Keimzelle der Gesellschaft. Das Loblied auf die traditionelle Vater-Mutter-Kind-Familie taucht in dieser Form auch im Parteiprogramm der CSU auf. 

Freihandelsabkommen

Die AfD lehnt die Freihandelskommen TTIP und CETA ab. Auch die Linke und die Grünen sind dagegen.

Doch das Gegenteil ist der Fall. Der Politik-Haudegen, den die „Zeit“ einst als „ausgesprochen höflich und sehr gebildet“ beschrieb, fühlt sich plötzlich falsch verstanden. Die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ hatte Gauland mit der Aussage über Boateng zitiert: „Die Leute finden ihn als Fußballspieler gut. Aber sie wollen einen Boateng nicht als Nachbarn haben.“

Schnell macht die Meldung von einer Beleidigung des Innenverteidigers von Bayern München die Runde. Und Gauland steht von allen Seiten unter Beschuss. Selbst Kanzlerin Angela Merkel (CDU) schaltet sich ein. „Dieser Satz, der gefallen ist, der ist ein niederträchtiger und ein trauriger Satz“, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag in Berlin.

Die AfD-Vizechefin Beatrix von Storch weist die Kritik von Merkel an Gauland scharf zurück: Von Storch wandte sich auf Ihrer Facebook-Seite an die „sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin“ und erklärte, niederträchtig sei vielmehr „eine Politik, die ein Land ruiniert, die den Amtseid mit Füßen tritt und der Versuch, vom eigenen Versagen abzulenken, indem Sie ein falsches Zitat ventilieren“.  Zugleich betonte die AfD-Politikerin, dass ihre Partei die deutsche Nationalmannschaft „uneingeschränkt“ unterstütze. 

 

Anders die AfD-Chefin Frauke Petry – sie geht auf Distanz. Mehr noch: Petry soll mächtig verärgert gewesen sein. „Frau Petry hat mich angerufen und sich sehr kritisch über die Berichterstattung geäußert“, sagte Gauland der „Bild“-Zeitung. Der Unmut ist nachvollziehbar. Denn Gauland gilt mit einem Mal als größtes Hindernis für die AfD, den etablierten Parteien auf Augenhöhe zu begegnen.

Entsprechend deutlich sind die Ansagen von führenden Politikern der Koalition, dass für sie eine inhaltliche Debatte mit der AfD nur noch ohne Gauland infrage komme.

Kommentare (83)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Jens Großer

30.05.2016, 14:01 Uhr

Ich halte diese mutmaßliche Äußerung über Boateng auch für Blödsinn.

Aber der ganze mediale Aufschrei, der Shitstorm im Netz, all die Verurteilungen der politischen Elite wird der AfD nicht schaden. Im Gegenteil ist es doch diese "Einer gegen Alle"-Mentalität die diese Partei so erfolgreich macht.

Account gelöscht!

30.05.2016, 14:05 Uhr

Ich verstehe die ganze Aufregung in Deutschland überhaupt nicht.
Anscheinend darf man in Deutschland nur noch seine Meinung äußern, wenn diese der Grün-Sozialistischen Medienpolitik nicht widerspricht.
Ich will nämlich auch nicht unbedingt eine Merkel, einen Gabriel oder eine Roth oder einen Özdemir neben mir wohnen haben.
Auch Doktoren oder Promis wären mir in meiner Nachbarschaft nicht recht. Die bringen nur ärger und stress mit sich.
Meine Meinung...aber vielleicht werden wir in Deutschland jetzt in Zukunft von der Grün-Sozialistischen Moralpolitik dazu gezwungen einen Promi, einen Doktor oder einen Politiker als etwas "Gutes" in unsere Nachbarschaft zu sehen.

Account gelöscht!

30.05.2016, 14:05 Uhr

Die Presse jagt wieder einmal eine "Sau durchs Dorf".

Keiner -auch ich nicht- haben es persönlich gehört. Und wenn doch.....

aber....

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×