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27.05.2012

11:26 Uhr

Wird Strom teurer?

Koalition sorgt sich um Kosten der Energiewende

Der neue Bundesumweltminister Peter Altmaier will mehr Tempo bei der Energiewende. Es ist eine Herkulesaufgabe. Nun drohen auch noch die Kosten auszuufern. Ein Zurück zur Atomkraft soll es aber nicht geben.

Der neue Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU). dapd

Der neue Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU).

BerlinIn der schwarz-gelben Koalition wächst die Sorge um die Kosten der Energiewende. „Es wird teurer für den Bürger“, sagte FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle der „Welt“. „Wir brauchen über 4000 Kilometer neue Stromleitungen, wir brauchen Gaskraftwerke. Schon jetzt merken die Leute, dass die Stromrechnung nach oben geht.“

Deshalb gehe es nicht so weiter, dass „auf Teufel komm raus“ die Solarenergie gefördert werde, sagte Brüderle. „Wir geben gut sieben Milliarden aus für knapp drei Prozent der Stromerzeugung.“ Die Kosten für die Förderung zahlen die Verbraucher automatisch über ihre Stromrechnung mit.

Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) forderte daher eine Senkung der Stromsteuer. „Um das Schlimmste abzuwenden, schlage ich vor, die Stromsteuer künftig flexibel zu handhaben“, schrieb Zeil in einem Gastbeitrag für die „Bild am Sonntag“. Nach seinem Modell würde die Stromsteuer gesenkt, wenn die Kosten durch die Umlage für erneuerbare Energien steigen. Zeil nannte dies die „perfekte Strompreisbremse“: Wie bei einer Waage könne so die Belastung für Unternehmen und Bürger in erträglicheren Grenzen gehalten werden.

Brüderle sprach von einem überaus ehrgeizigen Ziel, den Anteil erneuerbarer Energien am Strommix bis zur Abschaltung der letzten Atomkraftwerke 2022 auf rund 40 Prozent zu steigern. „Wir werden eine ganze Reihe von Gas- und Kohlekraftwerken bauen müssen, möglicherweise mehr, als wir zunächst dachten“, sagte er der „Welt am Sonntag“. Bisher gibt es zu wenig Anreize für den Bau konventioneller Kraftwerke als Ersatz für die Atommeiler. Denn es ist unklar, ob sie bei immer mehr Solar- und Windenergie genug Betriebsstunden bekommen.

Kürzungsvorschläge der Regierung bei der Solarförderung um bis zu 30 Prozent hatten die Länder mit Rücksicht auf bei ihnen beheimatete Solarfirmen abgelehnt. Nun muss im Vermittlungsausschuss von Bund und Ländern eine Lösung gefunden werden. Brüderle betonte mit Blick auf die Förderung der Ökoenergien, es sei das Fatale an Subventionen, dass sie zu Fehlsteuerungen führten, gegen die dann neue Subventionen gefordert werden. „Aus dieser Teufelsspirale müssen wir raus.“

Kommentare (10)

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27.05.2012, 11:41 Uhr

Wir werden eine ganze Reihe von Gas- und Kohlekraftwerken bauen müssen - möglicherweise mehr, als wir zunächst dachten." Es könne nicht sein, dass Deutschland die Kernkraftwerke abschalte und dann Atomstrom aus Frankreich oder Tschechien importiere.
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Genau das ist das Problem !
Deutsche anlagen , die sehr viel besser gewartet wurden als es von Tschechischen oder künftigen Polnischen zu erwarten ist haben,und wollen wir abschalten , während wir unsern Nachbarn eine Steilvorlage geben die Atomenergie auszubauen .

Das Risiko eines Unfalls ist damit nicht gedämmt , im gegenteil !!!
Wir brauchen die Atomenergie , auch und gerade in Deutschland !!!

Jens

27.05.2012, 13:01 Uhr

Wir brauchen in erster Linie ein "Netz auf neustem Stand"! Dezentrale Enerieerzeugung und mit möglichst hohem regenerativen Energieanteil. Es gibt doch noch Atomkraftwerke in Deutschland, bis zum Abschalten der Mailer ist noch genug Zeit. Das(vernachlässigte)Netz muss endlich auf aktuellen Stand gebracht werden. Ferner muss gerade auch im Hinblick auf zukünftige Generationen der Mehrpreis heute Wert sein, von Fossiler Energie unabhängig zu werden. Die Nutzung von Atomstrom aus dem In-/ Ausland ist hierzu keine Lösung sondern ein Auslaufmodel. Überflüssige Strom aus regenerativer Energie, muss unseren Nachbarlänern einfach günstiger angeboten werden, als Ihr eigener Atomstrom, dann sieht das Thema -langfristig- schon ganz anders aus.

cleanthinking

27.05.2012, 14:27 Uhr

Die Energiewende kostet nicht nur, sie bringt auch Rendite. Gesamtwirtschaftlich betrachtet. "Die zweite Rendite der Energiewende" sozusagen: http://www.cleanthinking.de/die-zweite-rendite-der-energiewende-wieso-deutschland-vorreiter-fur-die-welt-sein-muss/27175/


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