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27.01.2004

20:44 Uhr

Wirtschaftsminister Clement steht in Kontakt mit Pariser Regierung

Politik will im Fusionsstreit zwischen Sanofi und Aventis vermitteln

Gegen die Übernahme des deutsch-französischen Pharmakonzerns Aventis durch den französischen Konkurrenten Sanofi-Synthélabo formiert sich Widerstand auf politischer Ebene.

shf/HB FRANKFURT/M. Der hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU) sagte, es drohe der Verlust von mehreren Tausend Arbeitsplätzen in der Rhein-Main-Region. Die Bundesregierung müsse gegen die Fusion intervenieren. Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) betonte, die Bundesregierung habe ein „hohes Interesse daran, dass der Standort Aventis in Deutschland nicht geschwächt, sondern sogar gestärkt wird“. Berlin stehe in Kontakt mit der Regierung in Paris, sagte Clement. Der deutsche Aventis-Gesamtbetriebsratschef Friedhelm Conradi befürchtet für den Fall einer Fusion eine „Katastrophe“.

Synergien könnten nur zu Lasten der Beschäftigten erzielt werden, sagte Conradi. „Für uns ist das völlig inakzeptabel.“ Es werde über Protestaktionen beraten. Die von Sanofi genannten Synergie-Effekte von rund 1,6 Mrd. Euro im Falle einer Fusion gehen nach Schätzungen aus Aventis- Kreisen mit 10 000 bis 12 000 Stellenstreichungen in beiden Unternehmen einher. In Deutschland arbeiten 9 000 Menschen für Aventis. Koch kritisierte, die Übernahmepläne seien „offensichtlich ein mit der französischen Regierung koordiniertes Projekt“. Dabei spiele auch das Interesse eine Rolle, einen großen Teil des Biotechnologie-Wissens aus Deutschland zu übernehmen.

Die Vereinigung der MitarbeiterAktionäre von Aventis, ASAVE, lehnte das Übernahmeangebot ab. Es werde dem Wert von Aventis nicht gerecht. ASAVE repräsentiert nach eigenen Angaben 4 % des Kapitals.

Aventis-Chef Igor Landau wies das Übernahmeangebot gestern zurück: „Wir brauchen Sanofi nicht.“ Sanofi habe die Offerte vorgelegt, weil das Unternehmen Angst habe, selbst übernommen zu werden. Heute berät der Aventis-Aufsichtsrat über Abwehrmaßnahmen. Sanofi hatte am Montag angekündigt, Aventis übernehmen zu wollen. Sanofi-Chef Jean-François Dehecq legte den Aktionären ein Angebot mit einem Volumen von 47,8 Mrd. Euro vor.

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