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06.02.2012

17:02 Uhr

Wirtschaftsstruktur

Saarland leidet unter der ostdeutschen Krankheit

VonDaniel Delhaes

Jobs wandern ab und mit ihnen die Fachkräfte, die Geburtenrate sinkt und der Landeshaushalt steht auf der Kippe: Das Saarland leidet unter ostdeutschen Problemen - auch ohne Regierungswechsel sind neue Strategien nötig.

Kampf den Strukturproblemen: Saarlands Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) will sich die Strategien der ostdeutschen Länder anschauen. dapd

Kampf den Strukturproblemen: Saarlands Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) will sich die Strategien der ostdeutschen Länder anschauen.

BerlinVergangene Woche erschütterte eine Wirtschaftsnachricht das Saarland, die auch im beginnenden Landtagswahlkampf eine Rolle spielen dürfte: die Baumarktkette Praktiker verlegt den Firmensitz nach Hamburg. Die Ortschaft Kirkel verliert 220 Jobs.

„Wir haben zwar viele herausragende Produktionsstätten im Land, aber leider relativ wenige Konzernzentralen“, klagt Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU). Das einstige Land von Kohle und Stahl dient vielen nur noch als verlängerte Werkbank. Ford etwa beschäftigt 6500 Menschen und steuert 30 Prozent des saarländischen Exports bei - die Zentrale aber residiert in Köln. Der Automobilzulieferer ZF kommt auf 6000 Beschäftigte, firmiert aber in Friedrichshafen (Baden-Württemberg). Sieben der zehn größten Industrieunternehmen des Landes produzieren lediglich an der Saar.

Am 25. März wählt das Saarland frühzeitig einen neuen Landtag. Kramp-Karrenbauer strebt eine Koalition mit der SPD an, nachdem sie der FDP in der ersten schwarz-gelb-grünen Koalition den Laufpass gegeben hat. Es gehe um die Zukunft des Landes, sagt nicht nur sie, sondern auch der ewige SPD-Kontrahent Heiko Maas.

Ganz gleich, wer demnächst die knapp eine Million Menschen im kleinsten Flächenland der Republik regiert: Das Saarland krankt an strukturellen Problemen, die in dieser gehäuften Form nur in Ostdeutschland auftreten. „Verlängerte Werkbank“, „Entvölkerung“, „Haushaltsnotland“, alle diese Umstände belasten das Bundesland. „Das Saarland ist das erste westdeutsche Bundesland, das Entwicklungen wie in den ostdeutschen Bundesländern durchläuft“, gesteht Kramp-Karrenbauer.

Seit Jahren kommen im Saarland am wenigsten Kinder zur Welt: 1,25 je Frau waren es 2008 (Bundesdurchschnitt: 1,37). Bis 2030 wird die Zahl der Geburten in Westdeutschland an der Saar mit vermutlich 16 Prozent am stärksten sinken. Die Zahl der unter 25-Jährigen schrumpft dort sogar um 37 Prozent. Mit den Konzernzentralen fehlen die Topjobs, weshalb es die gut ausgebildeten, jungen Menschen in die Ferne zieht. Dagegen verdoppelt sich die Zahl der Alten fast. „Bei den alten Flächenländern wird das Saarland ein besonders hohes Geburtendefizit in Relation zur Bevölkerung haben“, urteilt das Statistische Bundesamt.

Kommentare (8)

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Die_Linke

06.02.2012, 17:21 Uhr

Die Sozialisten unter Lafontaine haben ja lange genug im Saarland gewirtschaftet. Das sind die Früchte der Arbeit der Genossen. Ein dreifaches HOCH HOCH HOCH!

Rene

06.02.2012, 18:17 Uhr

Jahrelang die solzialistischen Augen verschließen und dann die typischen sozialistischen Forderungen stellen. Nix an Kompetenz. Diäten einstreichen und das Geld anderer fordern. So sieht saarländische Politik aus. Für des Steuerzahlersgeld zum Haareraufen...Einfach die Sachlage akzeptieren und das Licht ausmachen als permanent weiter Geld verbrennen.

Nachwuchs

06.02.2012, 18:39 Uhr

Ostdeutsche Krankheit? Nein die Politiker machen nichts für ihre eigenen Bürger. Diese werden vernachlässigt. Es sind ja auch keine Ausländer oder Griechen, die man fördern muss. Wo bleiben die Steuergewinne? Warum hat der eigene Bürger nichts davon?

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