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15.07.2013

13:15 Uhr

Wissenschaftler

„Chaos und politische Stümperei prägen Bild der AfD“

Die Alternative für Deutschland hat bislang viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Der Sozialwissenschaftler Alexander Häusler findet sie gefährlich. Doch bei der Wahl in Hessen traut er ihr ein respektables Ergebnis zu.

Alexander Häusler, Sozialwissenschaftler vom Forschungsschwerpunkt Rechtsextremismus der Fachhochschule Düsseldorf. dpa

Alexander Häusler, Sozialwissenschaftler vom Forschungsschwerpunkt Rechtsextremismus der Fachhochschule Düsseldorf.

Frankfurt/DüsseldorfSeit ihrer Gründung im Februar hat die Alternative für Deutschland (AfD) Zulauf aus anderen Parteien bekommen. In Hessen etwa wechselte ein Landtagsabgeordneter von der FDP zu ihr. Doch zuletzt machte die Partei mit Personalquerelen Schlagzeilen. Umfragen sehen sie bei drei Prozent. Im dpa-Interview: Der Sozialwissenschaftler Alexander Häusler vom Forschungsschwerpunkt Rechtsextremismus der Fachhochschule Düsseldorf.

Herr Häusler, wie bewerten Sie die ersten Schritte der neu gegründeten Partei auf dem politischen Parkett?

In der Phase der Parteiformierung erfuhr die AfD zunächst hohe mediale Aufmerksamkeit. Der Parteiführer Bernd Lucke war in vielen Talkshows zu sehen und gab dort ein respektables Bild ab. Mit den beginnenden innerparteilichen Querelen, Posten-Streitereien und der öffentlichen Debatte über die Offenheit der Partei gegenüber rechtslastigen Mitgliedern sanken die Umfragewerte und das mediale Interesse. Aktuell prägen Chaos und politische Stümperei das öffentliche Bild der AfD, welches auch durch einen offensichtlich autoritären Führungsstil nicht verbessert werden kann. Dies zeigen Rücktritte und Neugründungen ganzer Landesverbände wie in Berlin oder dilettantische Fehler, die etwa in Bayern zur Ablehnung der Landesliste durch den Wahlleiter geführt haben. Aktuell droht der AfD die Entwicklung eines innerparteilichen Zerfalls, den vergleichbar vor zehn Jahren die Schill-Partei als anfänglich rechtspopulistischen Senkrechtstarter ereilt hatte.

Umfrage: Zwei Drittel erwarten kaum Änderung nach der Wahl

Umfrage

Zwei Drittel erwarten kaum Änderung nach der Wahl

Wie die Bundestagswahl auch ausgeht, die Deutschen glauben nicht, dass sich danach etwas ändert. Stattdessen verlangen sie Fachwissen und Ehrlichkeit von den Kandidaten – sofern diese überhaupt wichtig für sie sind.

Dennoch peilt die Partei in einigen Bundesländern zehn Prozent Wählerstimmen an. Ist das realistisch und welche Partei muss da am meisten um Stimmen fürchten?

Ein solch hohes Ergebnis erscheint angesichts aktueller Umfragewerte und dem innerparteilichen Zustand völlig unrealistisch. Bei einer Teilnahme an der Bundestagswahl könnte die AfD aber der schwarz-gelben Regierungskoalition entscheidende Prozentpunkte zum Weiterregieren entreißen. Zugleich weisen Umfragen darauf hin, dass auch die Partei Die Linke Protestwähler an die AfD verlieren kann.

Halten Sie die AfD für gefährlich?

Ja. Einerseits kandidieren dort Personen mit rückwärtsgewandten Positionen, die eine homophobe Familienpolitik und reaktionäre Forderungen hinsichtlich ostdeutscher Bodenenteignungen vertreten. In solchen Forderungen offenbart sich ein nationalkonservatives und rückwärtsgewandtes Milieu. Gefährlich ist zugleich die mögliche Etablierung als Partei, die auch offen ist für Leute aus Splitterparteien vom rechten Rand. Darauf weisen Mitgliedschaften von ehemaligen Funktionsträgern der Republikaner und der Partei Die Freiheit hin. In der Führungsriege der AfD sind Personen, die vor etlichen Jahren den rechtspopulistischen und europafeindlichen Bund freier Bürger aufgebaut hatten. In neurechten Kampfblättern wie der Zeitschrift „Sezession“ wird die AfD zur Hoffnungsträgerin stilisiert. AfD-Mitglieder scheuen nicht davor zurück, sich in solchen Organen mit rechten Sprüchen zu profilieren. Das führt möglicherweise dazu, dass diese Partei ein Anziehungspunkt wird für die hierzulande existenten rechtspopulistischen Einstellungen.

Wie schätzen Sie die Chancen der Partei bei der Landtagswahl in Hessen ein?

Sollte der Landesverband sich nicht weiter zerstreiten, könnte es der AfD gelingen, bei der in Hessen tief verwurzelten nationalkonservativen CDU-Basis Stimmen abzugreifen. Dann könnte die AfD bei der Wahl ein Ergebnis erzielen, das für eine erstmals zur Wahl antretende Partei respektabel ist.

Von

dpa

Kommentare (141)

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Gast

15.07.2013, 13:26 Uhr

Alle Parteien werden von "Chaos und politische Stümperei" geprägt. Das war schon immer so. Die AfD ist allerdings gegen den weiteren Schuldenausbau zu Lasten deutscher Steuerzahler. Das alleine macht sie dann doch wählbar.

Taxeater

15.07.2013, 13:30 Uhr

"Der Sozialwissenschaftler Alexander Häusler vom Forschungsschwerpunkt Rechtsextremismus der Fachhochschule Düsseldorf."

Ist ja wohl selbsterkärend !

Angelika

15.07.2013, 13:35 Uhr

Wen hat Herr Häusler wohl bewegt, diesen Kommentar zu veröffentlichen?

Ich finde es entsetzlich, dass in D jeder, der nicht pro Regierung und amtierenden Politikern spricht oder denkt jedes mal diffamiert wird.

Ich kann logisch denken und unterstütze die Alternative für Deutschland und verbitte mir auch von den Medien eine ständige Abdriftung! .- Ich fühle mich beleidigt. Wo ist Ihre Nettikette??

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