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18.02.2015

10:44 Uhr

Wladimir Putin in ZDF-Doku

„Depressiv ... fett, faul und desillusioniert?“

VonChristian Bartels

Mit großer Enthüllungsgeste und unermüdlich aus allen Rohren des Sensationsjournalismus feuernd präsentierte das ZDF Kleinigkeiten und bekannte Klischees über Wladimir Putin. Damit tat sich der Sender keinen Gefallen.

Kämpfe in der Ostukraine

Putin: Die Gewalt ist deutlich zurückgegangen

Kämpfe in der Ostukraine: Putin: Die Gewalt ist deutlich zurückgegangen

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BerlinDie Lage ist ernst. Dem kaum eingehaltenen Waffenstillstand in der Ostukraine galt die erste Meldung der 20.00 Uhr-„Tagesschau“, dem Staatsbesuch des russischen Präsidenten in Ungarn die zweite. Im Anschluss, zur besten Sendezeit um 20.15 Uhr, zeigte das ZDF eine „Dokumentation mit exklusiven Geheimdienstinformationen“ über Wladimir Putin.

Spektakulär an „Mensch Putin!“ war vor allem, dass das ZDF unermüdlich aus allen Rohren des Sensationsjournalismus feuerte und dass sich der 45-Minüter als der Lage grob unangemessen erwies.

Zu sehen gab es zu dröhnender Untermalung überwiegend Fotos und Filmaufnahmen Putins aus unterschiedlichen Lebensphasen – natürlich mit nacktem Oberkörper, aber auch mal mit Badekappe im Pool. Am liebsten nahm Filmautor Michael Renz enervierend suggestiv Putins Augen in den Blick, wo immer sie gefährlich undurchschaubar erscheinen konnten.

Russlands Wirtschaft

Einwohner

143,3 Millionen (Stand: 2013).

Gasproduktion

2012: 654,5 Milliarden Kubikmeter.

Erdölproduktion

2012: 517,9 Millionen Tonnen.

Bruttoinlandsprodukt

2014: ~ 2215,4 Milliarden US-Dollar

Inflationsrate

2012: 5,1 Prozent

2013: 6,7 Prozent*

2014: 5,7 Prozent*

*) Schätzung bzw. Prognose

Arbeitslosenquote

2010: 7,5 Prozent.

2011: 6,6 Prozent.

2012: 5,6 Prozent.

Haushaltssaldo

2010: -4,0 Prozent des BIP

2011: 0,8 Prozent des BIP

2012: -0,1 Prozent des BIP

Leistungsbilanzsaldo

2010: 4,4 Prozent des BIP, brutto.

2011: 5,1 Prozent des BIP, brutto.

2012: 3,7 Prozent des BIP, brutto.

2013: 2,9 Prozent des BIP, brutto.*

2014: 2,3 Prozent des BIP, brutto.*

*) Schätzung bzw. Prognose

Währungsreserven

2010: 432,95 Milliarden US-Dollar.

2011: 441,16 Milliarden US-Dollar.

2012: 473,11 Milliarden US-Dollar.

So trieb er jene Verrätselung und Personalisierung voran, die Talkshows unter Titeln wie „Auf wen hört Putin noch?“ und „Putins Machtspiele“ schon lange üben – um am Ende mit der Redundanz, die die gesamte Dreiviertelstunde lang schon genervt hat, mitzuteilen, dass Putin „ein Anführer, dessen Weg schwer vorauszusagen ist“, bleibe.

Etappen auf dem Weg zu dieser Erkenntnis waren Fragen wie die, ob Putin schon „sein ganzes Leben lang Probleme in der Kommunikation mit Frauen“ hat, ob er in Wahrheit einsam ist und „Angst vor dem Alter“ hat. Einer „kosmetischen Gesichtskorrektur“ habe er sich 2010 unterzogen, lautete eine der neuen Geheimdiensterkenntnisse über ältere Ereignisse. Das ZDF illustrierte sie mit einem Vorher-Nachher-Fotovergleich, der sich selbst im Standbild nicht erschloss.

Nicht chronologisch im Verlauf psychologisierte der Film zwischen Putins Gegenwart, in der er Staatsgäste stundenlang warten lasse, seiner Zeit als KGB-Offizier in der DDR und kurz seiner Kindheit in den Hinterhöfen Leningrads hin und her.

Kommentare (64)

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Beo Bachter

18.02.2015, 09:58 Uhr

Diese Doku wohl die postmoderne ZDF-Version des russischen Untermenschen. Wer diesen mit atlantischer Weltherrschaft unterwanderten Kriegstreibersender sieht, liebt seine Kinder nicht. Abschalten den ganzen Mist(...)

Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich. 

Frau Maria Taxis

18.02.2015, 10:07 Uhr

Der Deutsche Nationalsport: Kritisieren ! Das Programm bietet einen recht tiefen und recht beunruhigenden Einblick in ein Machtrevier mit der absoluten Möglichkeit diese Erde noch vorzeitig zu zerstören. Da gibt es keine demokratischen Hindernisse, wie etwa in den USA. Also ist die Person Putin sehr relevant. Wenn auch nicht, nach Deutschen Vorstellungen 1000% "Perfekt", ist das Programm lobenswert.

Account gelöscht!

18.02.2015, 10:08 Uhr

armer putin. also das mit dem huettenkaese ist ja ein florierendes geruecht, das so kaesig ist das es auch von der rockband nirvana stammen koennte (noch aus den zeiten mit dem original saenger). ansonsten kann man nicht viel sagen: man hat in letzter zeit den eindruck das diese berichte auf leute abzielen die sich halt nicht dagegen wehren koennen, weil sie mehr oder weniger gezwungener massen im oeffentlichen rampenlicht stehen (muessen). ich weiss warum ich daran nicht mehr teilhabe und dito nicht ehr einschalte - aber vielelicht mal (erkundungs)urlaub in russland mache wenn wieder geld da ist. na ja, auch das koennte ja vom geheimdienst fapsi stammen: russland sagt man ist ein mancherorts ein schoenes land fuer touristen, wenn, ja wenn, dort nicht ueberall die russen rumlaufen wuerden. ich kann mir das merkwuerdig grinsende gesicht des reporters gut vorstellen, der sich tierisch darueber freut ein grosswild beschossen zu haben.

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