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15.07.2014

15:22 Uhr

WM-Erfolg der Kanzlerin

„Jedes Selfie mit Poldi bringt ihr zwei Prozent mehr“

VonDietmar Neuerer

Merkel mit „Schland-Kette“, Fußball-Ahnung und beim Besuch in der Kabine? Nichts davon ist spontan – alles ist geplant. Die Kanzlerin will auf der Beliebtheits-Welle der deutschen Elf mitschwimmen – mit Erfolg.

Angela Merkel und Lukas Podolski: „Jeder Selfie mit Poldi bringt der Kanzlerin 2 Prozent mehr Zustimmung in der nächsten Umfrage zur persönlichen Beliebtheit der Politiker.“

Angela Merkel und Lukas Podolski: „Jeder Selfie mit Poldi bringt der Kanzlerin 2 Prozent mehr Zustimmung in der nächsten Umfrage zur persönlichen Beliebtheit der Politiker.“

BerlinDer Fußball ist ein gefundenes Fressen für die Politik-Strategen in den Parteizentralen. Längst wurde dort registriert, dass sich bei einem gesellschaftlichen Großereignis wie der Fußball-Weltmeisterschaft Punkte sammeln lassen – wenn es gelingt, die politischen Akteure parallel dazu geschickt in Szene zu setzen. Das gilt insbesondere für die Kanzler der Bundesrepublik.

Auch Angela Merkel wollte beim deutschen WM-Erfolg in Brasilien dabei sein. „In orangenem Sakko und weißer Hose erinnerte sie so gar nicht an die Wächterin über die goldene Drei-Prozent-Budgetregel, die den schlechten Schülern auf die Finger haut“, kommentierte die Tageszeitung „Libération“.

Und Merkel lieferte noch mehr positive und optimistisch stimmende Eindrücke. Nach dem Sieg der deutschen Mannschaft gegen Argentinien zeigte sie sich in ausgelassener Feierlaune. Bilder zeigen die gemeinsam mit Bundespräsident Joachim Gauck zum Finale nach gereiste Regierungschefin strahlend mit DFB-Team und WM-Pokal in der Kabine. Die CDU-Vorsitzende soll sogar mit einer Dose Bier auf den WM-Sieg angestoßen haben

Und Lukas Podolski nutzte die Gunst der Stunde, sein - nach dem Spiel gegen Portugal zweites - Selfie mit der Kanzlerin zu schießen. Ein Coup, vor allem für Merkel. „Jedes Selfie mit Poldi bringt ihr zwei Prozent mehr Zustimmung in der nächsten Umfrage zur persönlichen Beliebtheit der Politiker“, sagt Andrea Römmele, Professorin für Kommunikation in Politik und Zivilgesellschaft an der Hertie School of Governance in Berlin, im Gespräch mit Handelsblatt Online.

WM-Bilanz der deutschen Elf - Teil 1

Gesamtüberblick vom Tor bis zum Mittelfeld

Ein Golden Boy, ein WM-Rekordtorschütze, ein Super-Joker und ein Standardkönig: Auf dem Weg zum Weltmeister brachten die 23 deutschen Spieler viele Qualitäten ein. Die Bilanz der Brasilien-Fahrer im Überblick – vom Tor bis ins Mittelfeld, von Neuer bis Höwedes.

Quelle der Analyse: dpa.

Roman Weidenfeller

Null Minuten Einsatzzeit, 100 Prozent Trainingseifer. Die Nummer 2 stärkte Neuer jederzeit den Rücken.

Manuel Neuer

Ob auf der Linie oder als Torwart-Libero: Einfach Weltklasse. Keiner ist besser, nur vier Gegentore. Zurecht mit dem Goldenen Handschuh geehrt.

Erik Durm

Nicht eingesetzt, aber der Dortmunder hat viel gelernt. Der 22-jährige umgeschulte Verteidiger darf sich Weltmeister nennen.

Kevin Großkreutz

Im Trainingslager von Löw scharf verwarnt, in Brasilien mit Rolle als WM-Tourist. Fügte sich ins Team.

Matthias Ginter

Nimmt viel Erfahrung, aber keinen WM-Einsatz mit. Und hat sich für Spitzenclubs ins Gespräch gebracht.

Ron-Robert Zieler

Nicht gespielt, aber ein Topverdiener. Bekommt als Teilnehmer aller Quali-Spiele als WM-Champ eine halbe Million.

Jérome Boateng

Begann rechts hinten, dann wieder als Innenverteidiger. Schnell und robust. Im Finale ein Sieggarant.

Benedikt Höwedes

Die WM-Überraschung. Links in der Abwehr gewann er immer mehr Sicherheit. Spielte durch, im Finale traf er den Pfosten.

Auch modisch zeigte Merkel, wie viel Fanblut in ihr steckt: Beim Finale in Rio präsentierte sie sich mit einer Deutschland-Fußballtasche. Fotos zeigen die Regierungschefin mit der schwarz-rot-goldenen Handtasche, die einem Ball nachempfunden ist. Regierungssprecher Steffen Seibert sagte dazu, dass Merkel sie in Rio geschenkt bekommen habe und die Tasche bald im Kanzleramt ausgestellt werde.

Der Beutel passt sogar farblich zu der von Fußballfan Merkel getragenen Kette mit Steinen in den Nationalfarben. Dem Schmuckstück wurde deshalb der Beiname „Schland-Kette“ gegeben, die neue Tasche wurde im Netz sogleich „Schland-Tasche“ getauft. Nichts, so scheint es, ist dem Zufall überlassen.

Kommentare (20)

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Sergio Puntila

15.07.2014, 15:41 Uhr

Komparationsvorschlag:
Schland, schlander, schlandigst.

Wobei Mitnahmeeffekte als überschlandig durchgehen dürften: das mag berufsspezifisch zu Verorten sein.
(siehe homo politicus [heute ohne Komparationsvorschlag]).

Account gelöscht!

15.07.2014, 15:45 Uhr

Dieser Macht-Merkel ist alles Recht um ihr Mutti-Image bei den Wählern aufrecht zu halten.
Diese Merkel regiert nicht, sondern verwalt durch ein positives Imagegehabe ihre politische Machtstellung.

Mit dem ESM und dem EEG regiert diese Merkel unsere deutsche Gesellschaft in eine neue Armuts und Mangelzeit.
Dies alles wird von ihren Mutti-Image überlagert. Und dies ist auch bewusst so insziniert worden.
Dazu hat diese Mutti auch die Werte eine CDU verkauft. Das Mutti-Image zu bewahren steht über jede Wertevorstellung. Diese Frau legt sich sogar mit den Grünen und Sozialisten ins Bett, wenn es ihren persönlichen Machterhalt dient.
Das einzig was dabei verloren geht, ist die Seele (Werte) der Union. Aber die Unionsmitglieder haben diesen Seelenverkauf ihrer Partei immer voll unterstützt. Das Erwachen wird schmerzhaft sein, nach dieser Merkel-Union.

real. ist

15.07.2014, 15:54 Uhr

Wenn der Wähler tatsächlich so unbedarft ist, tauscht er bei der nächsten Wahl seine Stimme auch gegen ein Softeis ein.

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