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18.04.2012

07:09 Uhr

Wohlfühl-Wahlkampf mit Hannelore

Wie Kraft den Sieg einfährt

VonAndreas Niesmann

Geht es nach den Demoskopen, ist die NRW-Wahl schon gelaufen – gegen Hannelore Kraft wirkt Norbert Röttgen chancenlos. Doch was ist das Erfolgsgeheimnis der Ministerpräsidentin? Eine Spurensuche im Wahlkampf.

Hannelore Kraft (SPD) vor ihrem Wahlkampfbus: Auf Ergebnis spielen. Reuters

Hannelore Kraft (SPD) vor ihrem Wahlkampfbus: Auf Ergebnis spielen.

Mülheim/Gelsenkirchen/MünsterEin negatives Wort über Borussia Mönchengladbach wird man von Hannelore Kraft nicht hören, die NRW-Ministerpräsidentin liebt ihren Fußballverein mit Haut und Haar. Nur eine Sache gibt es, die sie an den Fohlen-Kickern wirklich stört: „Was die nicht können, ist mal den Ball zu halten und auf Ergebnis zu spielen.“ Wegen dieser Schwäche wurde in der laufenden Saison schon so mancher Vorsprung leichtfertig wieder hergegeben. Gladbach spielt deshalb nicht um die Meisterschaft, sondern nur um die Europapokal-Plätze.

Auch wenn Hannelore Kraft es niemals zugeben würde: Ihre derzeit größte Angst ist es, genauso zu enden, wie ihre „wahre Borussia“.

Der Vorsprung, den Krafts SPD in Umfragen genießt, ist märchenhaft. Bei 40 Prozent sehen die Meinungsforscher die Sozialdemokraten inzwischen, die CDU liegt abgeschlagen bei 29 Prozent. Kraft schwimmt auf einer Welle des Erfolges, ihr CDU-Herausforderer Norbert Röttgen kommt dagegen kaum vom Start weg. Was der SPD-Frau zusätzlichen Auftrieb beschert: Ihr Wunschpartner, die Grünen, liegen bei zehn Prozent. Würde es am Wahlabend so kommen, hätte Kraft ihre Minderheitsregierung in ein stabiles Regierungsbündnis überführt. Es wäre ihr persönlicher Meisterschaftsgewinn.

Allerdings muss sie dafür ihren Vorsprung in den kommenden vier Wochen verteidigen. Das heißt, sie muss aufmerksam bleiben, den Ball in den eigenen Reihen halten und darf selbst keine Fehler mehr machen. Die 50-Jährige muss auf Ergebnis spielen. Kann sie das?

Es ist sechs Grad kalt, als Kraft an einem Samstagmorgen im dünnen Hosenanzug durch die noch etwas verschlafene Fußgängerzone ihrer Heimatstadt Mülheim marschiert. In einer halben Stunde will sie die heiße Phase des Straßenwahlkampfs eröffnen, doch um kurz vor zehn sind nur wenige Mülheimer in der Stadt unterwegs. „Es ist noch ein bisschen leer hier“, sagt sie fast entschuldigend zu Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit, der als Unterstützer angereist ist.

Doch Kraft ist Profi – und geht umso entschlossener auf die wenigen Passanten zu. „Nicht erschrecken, wir tun nichts“, sagt sie, wenn jemand angesichts der mehreren dutzend Journalisten im Schlepptau der Spitzenpolitiker Reißaus nehmen will. Ein Händeschütteln, ein paar nette Sätze, zum Abschied eine kurze Umarmung – Kraft gibt die Landesmutter zum Anfassen.

Kommentare (23)

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muunoy

18.04.2012, 07:36 Uhr

Schon komisch, mit denjenigen, die den ganzen Spaß finanzieren, sprechen unsere Straßenwahlkämpfer nicht. Aber der Steuersklave soll ja auch buckeln, schaffen und ansonsten die Klappe halten. Vermutlich werden also nach der Landtagswahl die Schikanen durch Finanzämter und weitere Berhörden weiter zunehmen. Der dazu erforderliche Personalaufbau wurde ja schon betrieben. Wer schützt uns vor der gierigen Politiker-Kaste?

smarty_32

18.04.2012, 07:40 Uhr

Eins muss man ihr hochanrechnen, sie ist ein Quereinsteigerin und hat erfolgreich in der Wirtschaft gearbeitet und deutlich mehr verdient. Deshalb ist sie für mich zig mal glaubwürdiger, als ein hochschleimender Parteifunktionär ala Röttgen oder schlimmer als Pleite-Lindner.

NRWWaehler

18.04.2012, 08:04 Uhr

Die Karriere in der "Wirtschaft" ist doch ein Mythos. Frau Kraft war nach 12 Berufsjahren schlappe Projektleiterin bei der Zenit GmbH, einer u.a. auf Subventionsberatung spezialisierten Gesellschaft mit dem Land NRW und der landeseigenen NRW.Bank als Miteigentümern. Mehr verdient hat sie dort garantiert nicht, "Karriere" und "Wirtschaft" sehen anders aus. Ihr selbst ist der Arbeitgeber mittlerweile so peinlich, dass sie ihn in ihrem offiziellen Lebenslauf nicht mehr erwähnt. Zum Hintergrund: http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,633281,00.html

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