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16.06.2016

11:23 Uhr

Wohnungseinbrüche in Deutschland

SPD kritisiert de Maizières „Hilfssheriff-Vorschlag“

Im Kampf gegen Einbrecherbanden schlägt der Innenminister eine bewaffnete „Wachpolizei“ vor. Der Vorstoß trifft bei der SPD auf heftigen Widerstand. Die Partei fordert stattdessen mehr Personal für BKA und Polizei.

So oder so ähnlich fanden viele Menschen in Deutschland 2015 ihre Wohnung vor. Das Innenministerium will nun vermehrt gegen Wohnungseinbrüche vorgehen. dpa

Wohnungseinbrüche

So oder so ähnlich fanden viele Menschen in Deutschland 2015 ihre Wohnung vor. Das Innenministerium will nun vermehrt gegen Wohnungseinbrüche vorgehen.

Berlin, Düsseldorf Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) stößt mit seinem Vorschlag, „Hilfspolizisten“ im Kampf gegen Einbruchsdiebstähle einzusetzen, auf heftige Kritik der SPD. „Wir brauchen im Kampf gegen gut organisierte und international operierende Einbrecherbanden nicht schlecht bezahlte und unzureichend ausgebildete Hilfssheriffs, sondern gut ausgestattete Sicherheitsbehörden, sagte der innenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Burghard Lischka, dem Handelsblatt.

De Maizière plädiert angesichts steigender Einbrüche für schnell ausgebildete Polizisten, die „als Wache in besonders belasteten Vierteln eingesetzt werden.“ Die Angehörigen einer sogenannten „Wachpolizei“ sollten über eine Kurzausbildung verfügen, begrenzte Befugnisse haben, aber Uniform und Waffe tragen, sagte der Minister der „Rheinischen Post“. „Sie würden die Präsenz der Polizei erhöhen und können Meldungen machen.“ Sachsen habe die Wachpolizei bereits eingeführt, es sei ein „zukunftsweisendes Modell“.

Lischka sagte, es sei „lachhaft“, dass die Koordinierungsstelle Organisierte Kriminalität beim Bundeskriminalamt (BKA) nach wie vor nur mit einer Handvoll Leuten besetzt sei. Diese Einrichtung müsse dringend gestärkt werden und auf mindesten 50 Mitarbeiter aufgestockt werden. Außerdem werde sich die SPD in den anstehenden Haushaltsberatungen dafür einsetzen, dass die Bundespolizei nicht nur 3.000, sondern 6.000 zusätzliche Stellen erhält. Einen Personalaufbau bei der Polizei in ähnlicher Größenordnung erwarte er auch von den Ländern, sagte Lischka.

Statt unausgegorene Vorschläge zu machen, solle de Maizière sich bei Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) lieber für eine ausreichende Personalausstattung stark machen. Wenn er das mit den „Hilfssheriffs“ intendierte „Sparprogramm für die innere Sicherheit“ ernst meine, dann sei de Maizière im Finanzministerium sicher besser aufgehoben als im Innenministerium, sagte der SPD-Experte.

SPD-Vizechef Ralf Stegner stieß ins gleiche Horn: „Herr de Maizière will billige Hilfssheriffs für Kriminalitätsbekämpfung“, twitterte er. „Wir brauchen aber gut ausgebildete ordentlich bezahlte Polizisten!“

Die Zahl der Einbrüche in Deutschland hatte sich zuletzt deutlich erhöht. Laut der polizeilichen Kriminalstatistik gab es im vergangenen Jahr 167.136 Einbrüche mit Diebstählen. Viele dieser Einbrüche werden Tätern zugeschrieben, die bandenmäßig organisiert sind.

Wie man sich vor Wohnungseinbrüchen schützen kann

Zugang erschweren

Polizeistatistiken belegen, dass Einbrecher keine Zeit vergeuden und Aufsehen vermeiden. Sind sie nicht binnen fünf Minuten in der Wohnung, wird ihnen die Entdeckungsgefahr meist zu groß und sie suchen sich andere Ziele. Empfehlenswert sind daher massive Türblätter, Türschlösser mit Schutzbelag und mehrfach im Mauerwerk verankerte Schließbleche. Polizei und andere Experten raten zu qualitätsgeprüften sogenannten einbruchhemmenden Türen. Die staatliche Förderbank KfW etwa fördert den Einbau solcher Türen und die Nachrüstung mit Rollläden und Zusatzschlössern sogar.

Wertsachen sicher verwahren

Nicht ständig benötigte Wertsachen sollten wenn möglich nicht zu Hause, sondern besser in einem sicheren Bankschließfach aufbewahrt werden. Andernfalls ist eventuell auch die Anschaffung eines fest verankerten Tresors eine Möglichkeit. Wertsachen sollten zudem samt einer genauer Beschreibung oder einem Foto in einem eigenen Verzeichnis katalogisiert werden, um im Fall von Diebstähle eine mögliche Wiederbeschaffung zu erleichtern und den Schaden besser regulieren zu können

Mit Nachbarn zusammentun

Nachbarn und Freunde sollten wissen, wann Bewohner zu einer Reise aufbrechen und wie sie im Notfall erreichbar sind. Die Erfahrungen der Polizei zeigen generell, dass eine aufmerksame Nachbarschaft entscheidend hilft, Einbrechern die Tour zu vermasseln. Sie ruft deshalb dazu auf, sich gegenseitig zu unterstützen und gemeinsam auf verdächtige Aktivitäten zu achten. Entgegen der weit verbreiteten Meinung schlagen viele Einbrecher auch tagsüber zu, etwa bei kurzen Abwesenheiten. Es gibt sogar professionelle Haushüter, die etwa in Urlaubszeiten engagiert werden können.

Auch Kleinigkeiten bedenken

Alltägliche Gewohnheiten und unscheinbare Details können Tätern mitunter ebenfalls das Leben erleichtern und sollten daher im Zweifelsfall neu überdacht werden. Haustüren sollten laut Polizei-Empfehlung selbst bei kurzzeitigem Verlassen abgeschlossen und nicht nur zugezogen werden. Profi-Einbrecher öffnen sie sonst innerhalb von Sekunden. Fenster sollten nie offenbleiben. Selbst Mülltonnen oder Pflanzenrankgitter können Dieben als Leiterersatz dienen und Einbrüche über die oberen Etagen erleichtern. Anrufbeantworter sollten niemals Hinweise auf Abwesenheit liefern.

Anwesenheit vortäuschen

Überquellende Briefkästen, geschlossene Rollläden und ein ungemähter Rasen signalisieren, dass niemand zu Hause ist und die Bewohner zum Beispiel länger im Urlaub weilen. Daher sollte zum Beispiel die Zeitung abbestellt oder nachgesendet werden. Anwesenheit vorgetäuscht werden kann auch, indem Licht per Zeitschaltuhr regelmäßig an- und ausgeht. Es gibt inzwischen sogar kleine Fernseh-Simulatoren. Das sind kleine LED-Projektoren, die in einem Raum ein möglichst realistisches Fernsehlicht erzeugen. Sie schalten sich dabei zu zufälligen Zeiten ein.

Alarmanlangen

Eine Alarmanlage verhindert zwei von drei Einbrüchen. Bei einer sogenannten Fallenüberwachung werden bestimmte Bereiche im Gebäude-Inneren durch Bewegungsmelder überwacht. Der Alarm wird dabei allerdings erst dann ausgelöst, wenn Einbrecher bereits eingedrungen sind. Eine andere Möglichkeit ist die sogenannte Außenhautüberwachung, bei der die Fenster und Türen mit Kontakten überwacht werden. Diese ist aber in der Regel relativ teuer. Abschreckend wirken können außerdem auch Lichtalarmanlagen, bei denen Bewegungssensoren eine Außenbeleuchtung anschalten.

Der Bundesinnenminister will neben der Wachpolizei mehr Videoüberwachung zur Abwehr von Einbrechern einsetzen. Dies sei „ein wichtiges Element gegen Einbruchskriminalität“, führte er aus. „Ich möchte aber nicht, dass sich Bürger gegenseitig überwachen.“ Es sei indes möglich, auch Kreuzungen in Einfamilienhaussiedlungen zum Kriminalitätsschwerpunkt zu erklären und dort öffentliche Kameras zu installieren.

Von

afp

/ HB

Kommentare (2)

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Herr mostly harmless

16.06.2016, 13:25 Uhr

Aushilfspolizisten bekämpfen also die Kriminalität, damit die "richtigen" Polizeibeamten weiterhin mit der Radarpistole hinter irgendwelchen Büschen auf der Lauer liegen können.
Da soll noch mal jemannd behaupten, dass unsere Politiker keine guten Ideen haben.

Herr Old Harold

16.06.2016, 13:27 Uhr


Was soll der arme Kerl denn machen?

Als er vorschlug, die Maut-Video-Überwachung auch zur Verbrechensbekämpfung einzusetzen, stellte sich Unionskollege Seehofer vehement dagegen (damals war gerade "Datenschutz" das große Thema).

Jetzt fordert Seehofer´s CSU eine bundesweite Schleierfahndung (heute ist gerade "Einbrecherbanden" das große Thema).

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