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19.02.2012

22:31 Uhr

Wulff-Nachfolge

Merkel macht Gauck den Weg frei

Nachdem die Union ihren Widerstand aufgegeben hat, steht nun eine breite Mehrheit hinter Joachim Gauck. Damit wird der frühere DDR-Bürgerrechtler neuer Bundespräsident. Gauck selbst reagierte überwältigt und bescheiden.

Joachim Gauck wird neuer Bundespräsident. dapd

Joachim Gauck wird neuer Bundespräsident.

BerlinJoachim Gauck wird neuer Bundespräsident. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) gab ihren Widerstand gegen den Favoriten von SPD und Grünen auf. Die Koalition habe sich mit Rot-Grün auf den früheren DDR-Bürgerrechtler geeinigt, um einen überparteilichen Kandidaten zu finden, sagte Merkel am Sonntagabend bei einer gemeinsamen Pressekonferenz der Parteichefs.

Der sichtlich bewegte Gauck kündigte dort an, er wolle den Deutschen vermitteln, dass sie „in einem guten Land leben, das sie lieben können“. Merkel bezeichnete Gauck als „wahren Demokratielehrer“, der wichtige Impulse für Globalisierung, die Lösung der Schuldenkrise und mehr Demokratie geben könne. Damit werden bald zwei Ostdeutsche an der Spitze des Staates stehen.

Gauck sagte auf der Pressekonferenz, er sei kein „Supermann“ und müsse sich die Vorschußlorbeeren erst verdienen. Die Bevölkerung müsse „politisch wieder Vertrauen gewinnen“. Gauck gestand offen ein, von der Nominierung „verwirrt zu sein. Er komme soeben aus dem Flieger, habe erst im Taxi Merkels Anruf bekommen und sei „nicht mal gewaschen“.

Bei der Annahme der Kandidatur für das Staatsoberhaupt habe ihm unglaublich geholfen, dass die Koalition, SPD und Grüne sich zusammengefunden hätten. An Merkel persönlich gerichtet sagte Gauck, das Wichtigste für ihn sei immer gewesen, dass sie ihm Vertrauen und Hochachtung gezollt habe.

Merkel betonte, Gaucks Lebensthema sei die „Idee der Freiheit in Verantwortung“. Dies verbinde sie als Ostdeutsche - „bei aller Verschiedenheit“ - mit Gauck. „Unsere Sehnsucht nach Freiheit hat sich 1989/90 erfüllt.“

SPD-Chef Gabriel dankte Merkel für die „offenen und fairen Gespräche“ während der Kandidatensuche. Er wertschätze das Bemühen der Koalition, zu einem gemeinsamen Kandidaten zu kommen. Nach dem gescheiterten Anlauf mit Gauck 2010 laute nun das Motto: „Ende gut, alles gut“. Gauck könne die Kluft zwischen Bürgern und politischer Klasse schließen. CSU-Chef Horst Seehofer bezeichnete die Kür Gaucks als „gute Entscheidung für Deutschland. „Sie haben das Vertrauen der CSU und der Bayern.“ FDP-Chef Philipp Rösler betonte, Gauck könne verlorenes Vertrauen in das Bundespräsidentenamt zurückgeben.

Grünen-Chefin Claudia Roth sprach von einem historischen Moment. Gauck zeichne „eine moralische Autorität und große Unabhängigkeit aus“, sagte sie in Anspielung auf dessen Amtsvorgänger Wulff, dem eine zu große Nähe zu reichen Unternehmerfreunden zum Verhängnis wurde. Sie lobte, Gauck könne „der Demokratie wieder Glanz verleihen“. Der frühere Bürgerrechtler liebe den Dialog und habe eine Leidenschaft für die gesellschaftspolitische Kontroverse.

Kommentare (69)

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19.02.2012, 16:55 Uhr

Es ist völlig egal wer da im Amt sitzt, das ist Fakt. Dieses politische Verbrecherkartell ernennt und säbelt seine eigenen Leute ab und keine Sorge. Wir haben noch 600 Wulffs im Bundestag sitzen. Was schert es mich wer da nun Präsident von diesem ganzen Affenhaufen ist den man nicht mehr ernst nehmen kann?

Wenn eine grosse Revolte kommt, kann ich diesen Quatsch eines Tages vielleicht wieder ernst nehmen.

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19.02.2012, 16:59 Uhr

@Andreas: Jippijayeah! Stimme voll zu!

Koslowski

19.02.2012, 17:17 Uhr

Dieses Land hat drei Riesenprobleme: Merkel, Merkel und nochmals Merkel

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