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05.08.2013

13:46 Uhr

„Wunderbarer Tag zum Ausprobieren”

Grüne wollen fleischlosen Tag in Kantinen

Vegetarisch kochen sei mehr als nur Fleisch weg lassen, meinen die Grünen. Kantinen sollen einmal pro Woche auf Fleisch verzichten. Der Umweltverband BUND geht noch weiter. Die Linken sprechen von „Erziehungsdiktatur“.

Kekse gehen auch: Renate Künast, hier bei einer Protestaktion in Berlin. dpa

Kekse gehen auch: Renate Künast, hier bei einer Protestaktion in Berlin.

BerlinDie Grünen machen sich für einen fleischlosen Tag pro Woche in Deutschlands Kantinen stark. So sei gut vorstellbar, dass es jeden Donnerstag nur vegetarische Gerichte gebe, sagte Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt am Montag in Berlin. Dies werde bereits in mehreren Städten wie Bremen und in Unternehmen so gehandhabt. Bundesregierung und FDP warfen den Grünen Bevormundung der Bürger vor. Damit ist das Reizthema Ernährung im Bundestagswahlkampf angekommen.

„Man muss nicht jeden Tag zwei Burger essen“, sagte Göring-Eckardt. Dies entspreche ungefähr dem durchschnittlichen Fleischkonsum der Bundesbürger – nämlich rund 60 Kilogramm pro Kopf und Jahr. Weniger Fleisch zu essen sei gut für die Gesundheit, den Tier- und den Klimaschutz.

Zwang hin zum Veggie Day solle es keineswegs geben, betonte Göring-Eckardt. Allerdings könne sie sich vorstellen, dass die Politik es fördere, wenn der Speiseplan an diesen Tagen abwechslungsreich gestaltet werde. Früher habe es in vielen Familien mindestens freitags kein Fleisch gegeben; ein Veggie Day sei eine moderne Form dieser Tradition.

Bio - öko - fair

Ein Wirrwarr an Siegeln

Fair, bio, öko – und dazu mehrere Dutzend Gütesiegel: Viele Verbraucher verlieren da den Überblick. Dabei gibt es zwischen den Begriffen durchaus Unterschiede.

Fair

Eine faire Produktion soll gewährleisten, dass die Produzenten angemessene Löhne zahlen und die Mitarbeiter nicht unter gesundheitsgefährlichen Bedingungen arbeiten. Der gemeinnützige Verein Transfair verleiht sein Siegel beispielsweise für Produkte wie Kaffee, Bananen oder Blumen, aber auch Kleidung und Fußbälle. Inzwischen berücksichtigt die Organisation allerdings nicht nur ökonomische und soziale, sondern auch ökologische Kriterien – das sei im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung.

Bio

Bio-Siegel garantieren die ökologische Produktion von Lebensmitteln und anderen Produkten. Dabei dürfen beispielsweise weder Gentechnik noch chemische Pflanzenschutzmittel zum Einsatz kommen. Die Anforderungen der Siegel unterscheiden sich allerdings zum Teil erheblich. Besonders streng sind Demeter, Naturland und Bioland.

Öko

Bio ist jedoch nicht automatisch öko: Auch die Umweltbilanz von Bioprodukten kann schlecht sein, etwa wenn Äpfel aus Südafrika nach Deutschland transportiert werden. Weniger CO2 fällt an, wenn Verbraucher Produkte aus der Region kaufen.

Fraktionschefin Renate Künast sagte, als erstes solle es um die öffentlichen Kantinen gehen. So eine Initiative werde gut ankommen: 60 Prozent der Deutschen seien zu weniger Fleischkonsum bereit. „Es wird ja niemandem etwas verboten.“ Vegetarisch kochen sei mehr, „als nur das Fleisch weg lassen”, sagte Künast weiter. Es sei auch gut für das Klima und trage zu mehr Qualität sowie artgerechter Tierhaltung bei. Das Thema hatte zunächst die „Bild“-Zeitung aufgebracht.

Bereits im Ende April beschlossenen Programm für die Bundestagswahl betonten die Grünen, der hohe Fleischkonsum erzwinge Massentierhaltung. „Öffentliche Kantinen sollen Vorreiterfunktionen übernehmen. Angebote von vegetarischen und veganen Gerichten und ein Veggie Day sollen zum Standard werden.“

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland unterstützt das Vorhaben der Grünen. Der Verbandsvorsitzende Hubert Weiger sagte der Zeitung: „Wir fordern einen fleischfreien Tag und mindestens 20 Prozent Bio- und Neulandfleisch in öffentlichen Kantinen bis 2015.”

Kommentare (103)

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Wolfsfreund

05.08.2013, 08:56 Uhr

"An dem sogenannten Veggie Day solle einmal in der Woche ausschließlich vegetarisch und vegan gekocht werden, sagte die Vorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion, Renate Künast, der „Bild”-Zeitung vom Montag."
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Können diese grünsozialistischen Weltbesserer und Bevormunder eigentlich mal zu irgend etwas ihre unqualifizierte Klappe halten? Regulieren, schurigeln und sich bis in das *Privatleben* der Menschen einmischen.
ICH bestimme, was ICH esse und nicht diese Ökosektierer! Punkt! Ende der Durchsage!


PS.:
Idee: Wenn diese Ökologisten auf einem fleischlosen Tag pro Woche bestehen, bestehe ich darauf, daß Veganer und Co. einmal die Woche Fleisch essen müssen: Ein schönes, innen noch leicht blutiges 500 gr.-Steak. :-))
Dann sehen diese penetranten Weltverbesserer mal, wie das ist, wenn einem sogar das ökologisch-politisch korrekte Essen vorgeschrieben wird.

Account gelöscht!

05.08.2013, 09:08 Uhr

Eigentlich eine gute Idee, obwohl ich gerne Fleisch esse, entscheide ich mich seit längerem bewusst für die vegetarischen Gerichte in der Kantine. Insbesondere bei den gräulich-matschigen Kantinenhackbällchen bin ich mehr als skeptisch... Ich hätte prinzipiell kein Problem damit, allerdings bieten viele Kantinen ohnehin vegetarische Alternativen an und irgendwie nerven die Grünen ein bißchen mit ihrer Dauerbevormundung!

randolph99

05.08.2013, 09:12 Uhr

Nichts gegen vegetarisches Essen, das esse ich gerne, schmeckt auch gut. Ich esse aber auch gerne Fleisch und das ist auch mein gutes Recht. Aber selbst wenn ich eines Tages Vegetarier werden sollte aus eigenem freien Willen heraus, die Freiheit des Bürgers in einer Kantine zu entscheiden ob er ein vegetarisches Essen oder ein Essen mit Fleisch als Mittagessen bevorzugt ist für mich das höchste aller Gebote in einer freien Demokratie. Ich bin dafür, dass es immer eine vegetarische Alternative in einer Kantine gibt, aber eine Diktatur des Vegetariats wie vom Grünen und BUND gefordert, lehne ich entschieden ab. Jeder der freiheitlich demokratisch denkt,sollte an einem solchen Tag ein Zeichen für die Demokratie setzten und ein selbst mitgebrachtes Fleischgericht in der Kantine als Protest gegen die Bevormundung des Bürgers verzehren.

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