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23.03.2012

01:13 Uhr

Wutrede

Rockmusiker Regener rechnet mit Piratenpartei ab

VonBernd Kupilas

Sven Regener („Element of Crime“) hat in einem Hörfunk-Interview eine atemlose Wutrede gehalten. Er wettert gegen Kostenlos-Kultur, Raubkopiererei, Youtube-Deppen und schimpft über die Verlogenheit der Piratenpartei.

Bestseller-Autor Sven Regener bei der Vergabe des Deutschen Hörbuchpreises 2012. dapd

Bestseller-Autor Sven Regener bei der Vergabe des Deutschen Hörbuchpreises 2012.

KölnIn dem fünfminütigen Interview-Ausschnitt, den der Bayerische Rundfunk ins Netz gestellt hat, bricht der erfolgreiche Musiker und Bestseller-Autor („Herr Lehmann“, „Neue Vahr Süd“) eine Lanze für das Urheberrecht – und wehrt sich gegen einen Zeitgeist, der Urhebern ihre Rechte abspricht und für die Leistung von Musikern nicht bezahlen möchte. Wenn Musiker auf ihren Rechten beharrten, würde auf ihnen herumgetrampelt. „Man pinkelt uns ins Gesicht“, schimpft Regener.

Er mache Verträge mit Plattenfirmen, „weil wir sonst unsere Musik nicht machen können“. Es werde aber so getan „als machten wir Kunst als exzentrisches Hobby“. Die Urheberrechts-Verweigerer würden damit aber zum Ausdruck bringen: „Euer Kram ist nichts wert, und wir scheißen darauf, was Du willst oder nicht.“ Regener: „Eine Gesellschaft, die so mit ihren Künstlern umgeht, ist nichts wert.“

Rock’n’Roll-Musiker würden „jede Mark, die wir bekommen, selber verdienen“, sagt Regener, „alles andere ist Subventionstheater, alles andere ist Straßenmusik. Aber ich möchte kein Straßenmusiker sein.“ Für Musik zu bezahlen sei eine Frage des Respekts und des Anstands. „So wie es eine Frage des Anstands und Respekts ist, nichts im Supermarkt zu klauen, selbst wenn man wüsste, dass man nicht erwischt würde.“

Man gelte als uncool, wenn man auf dem Urheberrecht beharre, sagt Regener. „Und das letzte, was man als Rockmusiker gebrauchen kann, ist, als uncool zu gelten.“ Also, so Regener, „halten alle schön die Schnauze und schauen weiter zu, wie alles den Bach runter geht“. Längst seien die kleinen, unabhängigen Platten-Labels „alle tot“, schimpft Regener.

Regener rechnet auch mit der Video-Plattform Youtube und dessen Mutter Google ab, einem „milliardenschweren Konzern“, der nicht bereit sei, den Künstler etwas zu bezahlen. Weder Google noch Youtube „haben uns irgendetwas zu bieten – außer, was andere Leute geschaffen haben.“ Die großen Internetkonzerne seien als Lobbygruppe viel stärker als die Plattenindustrie, und wenn Künstler sich verweigerten und ihre Videos nicht zur Verfügung stellten, brächten die Konzerne „als Hilfstruppen dann die ganzen Deppen mit, die jammern: „Warum kann ich denn das Video nicht auf Youtube gucken?’“

Weil sich Regner gerade so schön in Rage geredet hat, bekommt auch die Piratenpartei gleich einen Hieb ab. „Der örtliche Chef hier von der Piratenpartei, der hat eine Firma, die machen Apps fürs iPhone – das ist ein geschlossenes System, das ist hundert Prozent Copyright, mit Anwälten, mit allem Drum und Dran.“ Und solche Typen sprächen dann von Freiheit im Internet, echauffiert sich Regener. Die „ganze Verlogenheit“ sei ihm „höchstgradig unangenehm“.

Im Internet verbreitet sich Regeners Rede gerade wie ein Lauffeuer. In den sozialen Netzwerken wird der Link zu der Audioaufnahme vielfach geteilt und kommentiert. „Nehmt das, ihr verdammten Piraten und Anti-Acta-Bewegten“, kommentiert ein Facebook-Nutzer süffisant. Regeners wütende Worte dürften auch in den kommenden Tagen noch Reaktionen hervorrufen. Sein „Instant-Pamphlet“ (Bayerischer Rundfunk) hat sogar das Zeug, eine grundsätzliche Debatte über das Thema Urheberrecht anzustoßen.

Schließlich ist er nicht irgendwer, sondern einer der bekanntesten deutschen Indie-Musiker mit einer großen und treuen Fangemeinde. Erste Gelegenheit für eine Diskussion hätten die Angesprochenen schon dieses Wochenende. Da versammelt sich die nordrhein-westfälische Piratenpartei zu ihrem Landesparteitag in Münster. Mal sehen, wie Regeners Wutrede dort aufgenommen wird.

Kommentare (72)

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PeteB.

23.03.2012, 02:47 Uhr

Nett,
er verwechselt Martenrecht mit dem Urheberrecht
("Wenn ich jetzt ne Piratenpartei gründe, dann steht nachher deren Anwalt vor meiner Tür"),
er verwechselt Diebstahl mit dem Urheberrecht
("Ich kann doch nicht einfach in Laden gehen und was klauen"),
und er hat keinen Ahnung von Youtube, denn
... dann wüsste er, das Youtube keine schwarzen Zahlen schreibt
... dann wüsste er, das Nachwuchskünstler sehr wohl neben Covers sehr wohl eigene Musik schreiben und diese auch kostenlos bei Youtube hochladen
... dann wüsste er, das Nachwuchskünstler von ihren Leistungen und 'klicks' auch (anscheinend gut) von den Ausschüttungen von Youtube leben können.

Diese Nachwuchskünstler heißen dann u.a. Tyler Ward (TylerWardMusic), Peter irgendwas (nicepeter / ERB) und Freddy Wong (freddyw).
Anders Künstler wie z.B. The collective Racket (thecollectiveracket) und Savannah Weaver (SavannahWeaversMusic) probieren es noch.

Dass der Herr Schmitz zum Zeitpunkt des Zugriffs eine Verwertungsplattform für Künstler bereits in der Beta-Phase hatte, scheint dem Herrn Regener auch entgangen zu sein.

dau

23.03.2012, 02:53 Uhr

die piraten weden die mitnahmepartei der feiglinge bleiben.

so haben sie das aufgebaut: und so wirds!
kann man so doof sein?
Ja man kann nicht nur so doof sein: man wird so doof bleiben.
Den CCC wirds auch ohne die doofen von den Piraten geben.
Warum?
Weil die Piraten viel zu bekloppt wirken auf den CCC.
Mit allem Recht!

Account gelöscht!

23.03.2012, 03:06 Uhr

Ich sag nur RESPEKT.
Es wird zwar von Kuenstlerseite auf die "peinlichen" Trends eingegangen, aber im Kern treffen sie.
1.) Im Leben gibt es nix umsonst. diese Kostenlos Kultur geht auf Dauer einfach nicht und das besonders, weil auch niemand etwas mehr kostenlos machen moechte.

2.) Leben ist nicht fair - gewoehnt euch endlich dran.

3.) Dann das UrHR und Datenschutz...lachhaft, da diese Leute, die so dagegen schimpfen, auf der anderen Seite jedem auf Facebook /Twitter usw erzaehlen wie oft sie auf Toilette gehen...

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