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03.10.2015

15:18 Uhr

Yousef aus Syrien

„Als ob man in der Hölle gebraten wird“

VonDustin Volz, Yahya Al Aous

Yousef ist vor dem Krieg in Syrien geflohen. In seiner Heimatstadt Darayya richtete Baschar al-Assad ein Massaker an. In Deutschland sucht er nun Frieden für sich und seine Familie.

Yousef kommt aus Darayya, ein Vorort von Damaskus. Kevin O'Brien

Das ist Yousef

Yousef kommt aus Darayya, ein Vorort von Damaskus.

Ich heiße Yousef. Ich bin ein 49-jähriger Bauingenieur und komme aus Darayya, ein Vorort von Damaskus, dem Ort, der die schlimmsten Seiten des syrischen Kriegs erlebt hat.

Am 25. August 2012, haben Baschar al-Assads Streitkräfte meine Stadt gestürmt und nach einigen Tagen, in denen die Stadt zerstört wurde fingen sie an, jede Frau und jedes Kind zu töten, das sie fanden. Hunderte starben und bis heute werden tausende vermisst. In der Welt wurden diese Geschehnisse als Darayya Massaker bekannt.

Das Ziel des Massakers war es eine leere Stadt zu kreieren. Sie wollten uns alle verjagen, was sie schlussendlich auch getan haben.

Heute sind noch ungefähr 5.000 Menschen in Darayya gefangen. Viele von ihnen sind in der Stadt geboren und aufgewachsen.

Rekordzahlen zur Flüchtlingskrise

500.000

Mehr als 500.000 Menschen haben nach Angaben der EU-Grenzschutzagentur Frontex zwischen Januar und August dieses Jahres bereits die Europäische Union erreicht. Zum Vergleich: Im gesamten vergangenen Jahr waren es 280.000 Menschen.


Von den in der EU angekommenen Flüchtlingen haben dem UN-Hochkommissariat für Flüchtlinge (UNHCR) zufolge mehr als 411.000 das Mittelmeer überquert. Die Internationale Organisation für Migration (IOM) nannte sogar die Zahl von mehr als 600.000 Bootsflüchtlingen. Mehr als 3100 kamen demnach bei der gefährlichen Überfahrt ums Leben.

466.000

So viele Flüchtlinge kamen der IOM zufolge in diesem Jahr bereits in Griechenland an.

137.000

Rund 137.000 Menschen landeten nach einer Überfahrt über das Mittelmeer in Italien.

200.000

Die ungarischen Behörden gaben die Zahl der seit Jahresbeginn in Ungarn angekommenen Flüchtlinge zuletzt mit 200.000 an. Die Schutzsuchenden kamen vor allem über die sogenannte Balkanroute ins Land.

160.000

EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker hat vorgeschlagen, 160.000 Asylsuchende aus den Haupt-Ankunftsländern Griechenland, Ungarn und Italien auf die 28 EU-Mitgliedstaaten umzuverteilen. Juncker fordert eine verbindliche Quotenregelung für die künftige Flüchtlingsverteilung.

63.000

Rund 63.000 Flüchtlinge trafen seit Ende August am Münchner Hauptbahnhof ein - davon jeweils 20.000 an den beiden vergangenen Wochenenden.

1.000.000

Eine Million Flüchtlinge könnte Deutschland nach Aussage von Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) in diesem Jahr aufnehmen. Das Bundesinnenministerium geht offiziell weiterhin von 800.000 Asylbewerbern aus.

12.000.000

Offiziellen Schätzungen zufolge sind zwölf Millionen Syrer auf der Flucht vor dem Bürgerkrieg in ihrer Heimat. Davon gelten acht Millionen als im eigenen Land vertrieben, weitere vier Millionen flüchteten ins Ausland. Mehr als 250.000 Menschen wurden seit Ausbruch des Konflikts 2011 getötet.

Dem UNHCR zufolge sind die Hälfte der über das Mittelmeer kommenden Flüchtlinge Syrer. Die zweitgrößte Gruppe sind demnach Afghanen mit 13 Prozent, gefolgt von Eritreern mit acht Prozent. In Griechenland sind 70 Prozent der ankommenden Flüchtlinge Syrer und 19 Prozent Afghanen.

Sie sind komplett von Assads Streitkräften umzingelt, welche den Zugang zum Rest der Welt unmöglich gemacht haben. Bewohner haben Schwierigkeiten Essen oder Wasser zu bekommen. Sie essen die Blätter der Bäume, weil sie hungrig sind.

Ich fühle mich wie ein Verräter, weil ich Darayya verlassen habe. Ich hätte die Stadt nicht verlassen dürfen. Ich hätte da bleiben und kämpfen sollen. Aber ich musste meine Familie beschützen.

Sie sind jetzt in Ägypten – meine Frau und meine drei Kinder. Ich hoffe, sie hierher bringen zu können. Ich habe jetzt ungefähr vier Wochen in Berlin gewartet, um zu erfahren ob ich Asyl bekomme oder nicht.

Bevor ich aus Syrien geflohen bin habe ich Jahrzehnte als Bauingenieur in Syrien gearbeitet. Dort hatte ich mein eigenes Büro. Aber ich musste all dies verlassen, als ich geflohen bin.

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Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner verschärft den Ton in der Flüchtlingsdebatte. Sie warnt vor einer Überforderung Deutschlands und fordert internationale Anstrengungen, um den Flüchtlingsstrom zu stoppen.

Mehrere Gebäude in Darayya sind von mir gebaut worden und ich habe gesehen, wie viele von ihnen zerstört oder von Raketen oder Patronen zerbombt wurden. Aber das Wichtigste sind nicht die Gebäude, sondern die Menschen, die in ihnen lebten. Auch sie wurden getötet.

In Deutschland habe ich viel schöne Architektur gesehen und die Gebäude sind großartig. Ich würde gerne meine beruflichen Fähigkeiten erweitern solange ich hier bin. Diese Art von Gebäude würde ich gerne in meiner Stadt Darayya sehen, wenn ich zurückkehre.

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