Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

17.08.2012

14:12 Uhr

Zapp-Gruppe

Nachhilfe im Werksunterricht

VonMaike Freund

Die Zapp-Gruppe sorgt sich um den Fachkräftemangel, weil immer weniger geeignete Schulabgänger eine Ausbildung machen wollen. Deshalb geht das Familienunternehmen nun einen offensiven Weg.

Auszubildender zum Verfahrensmechaniker in der Stabproduktion bei der Zapp-Gruppe.

Auszubildender zum Verfahrensmechaniker in der Stabproduktion bei der Zapp-Gruppe.

Düsseldorf/SchwerteNormalerweise stapeln sich auf ihrem Schreibtisch die Bewerbungen für die Ausbildungsplätze. Nur nicht gerade jetzt. Nicht, dass sich niemand bewerben würde. Im Gegenteil: Bei Zapp, einer Unternehmensgruppe der Kaltumformung und Werkstofftechnik mit Sitz in Ratinigen, ist die Ausbildungswelt noch in Ordnung: Die Plätze für 2012 sind schon längst besetzt. Meist sind die 20 Stellen – 7 kaufmännische Ausbildungsplätze, 13 technische – ohnehin schon zu Weihnachten vergeben. Seit ein paar Tagen trudeln die ersten Bewerbungen für das Ausbildungsjahr 2013 ein. Aber noch ist der Stapel hier in der in der Personalabteilung in Schwerte bei Carolin Vohla überschaubar. Diese Woche gibt es erst einmal eine Einführungsveranstaltung für den Jahrgang 2012. Ja, die Welt ist soweit in Ordnung.

Und doch hat sich in Sachen Ausbildung beim Familienunternehmen Zapp einiges verändert – mehr schleichend als offensichtlich. „Ich bin manchmal schon fast überrascht, wenn ich eine völlig fehlerfreie Bewerbung auf dem Tisch liegen habe“, sagt Vohla, sie scheint selbst etwas verwundert über ihre Aussage. Nach wie vor gebe es sehr gute Bewerbungen: Teilweise hätten die Bewerber jedoch massive Probleme mit der Rechtschreibung, von der Kommasetzung ganz zu schweigen. Fehler, die sie auch in den Bewerbungen von Abiturienten finden würde. Woher die Defizite kommen? „Fehlendes Können, das in der Schule nicht vermittelt wurde“, ist die Einschätzung der Personalerin, die seit fünf Jahren bei Zapp ist, „sicher auch verbunden mit mangelnder Sorgfalt“.

Ein K.O.-Kriterium beim Rennen um einen Ausbildungsplatz sind die Fehler in den Bewerbungen trotzdem nicht immer, wenigstens nicht, wenn es um den technischen Bereich geht. Vohla: „Wenn die Fehler nicht zu gravierend sind, alles andere aber stimmt, lade ich die Bewerber trotzdem ein.“ Dann weist sie die Schulabgänger allerdings auf ihre Fehler hin. Wer jedoch mit solch einer Bewerbung auf ein Vorstellungsgespräch für eine kaufmännische Ausbildung oder ein Verbundstudium hofft, der wartet vergeblich. Das sind Bewerbungen, die Vohla sofort aussortiert. Und so schafft es nur weniger als ein Zehntel von rund 950 Bewerbern zu einem Vorstellungsgespräch.

Tipps für Bewerbung und Einstieg

Keine zweite Chance für einen ersten Eindruck

Wer beim ersten Gespräch unangenehm auffällt, für den gibt es keine zweite Chance. Wir beurteilen Menschen in den ersten drei bis fünf Sekunden- dieser Eindruck bleibt haften. Personalreferenten wissen: Wer schon beim Vorstellungsgespräch ein Gespür dafür hat, was angemessen ist, der wird auch im Job Situationen richtig einschätzen.

Wer ruft wen an?

Das Bewerbungsgespräch ist gut überstanden. Jetzt beginnt die nächste Zitterpartie: Habe ich das Rennen gemacht? Soll ich nachfragen oder abwarten? Wer nicht tagelang das Telefon fixieren möchte, sollte dies schon beim Gespräch klären. Sagen Sie, dass Sie interessiert sind und fragen Sie, wie es weiter geht.

Bewerbungs-Outfit

Wenn Sie nicht gerade in einer Kinderkrippe oder für eine Rockband vorstellen, gilt für die meisten Branchen: Männer tragen Anzug und Frauen ein Kostüm. Bis Sie ein Gefühl dafür haben, wie Ihre Kollegen erscheinen, sollten Sie das beibehalten.

Die ersten Wochen

Nachwuchskräfte aufgepasst! Unsicherheit mit Coolness zu überspielen klappt nicht. Fragen Sie erfahrene Kollegen, lernen Sie die Gepflogenheiten des Unternehmens kennen. Üben Sie sich in Bescheidenheit- das erste große Projekt kommt bestimmt, und dann können Sie Ihrem Übermut freie Fahrt gewähren.

Auch wenn Sie privat andere berühren oder Gespräche aus nächster Nähe führen- kommen Sie Kollegen und Geschäftspartnern nicht zu nahe! Die Distanzzone liegt bei einigen bis zwei Metern.

Wer ist der Neue?

Neue Kollegen bedeuten Stress für alle, denn Ihre Mitarbeiter sorgen sich vielleicht, dass ihre Routine durcheinandergewirbelt wird oder dass ihr Job in Gefahr ist. Sympathiepunkte sammelt man jetzt durch Interesse und Respekt. Tipp: Schmeicheln Sie den neuen Kollegen, und machen Sie Bemerkungen über vergangene Projekte, die Ihnen gefallen haben.

Das gekonnte Selbstmarketing

Der erste Tag ist fast überstanden, dann soll man sich in großer Runde vor allen Kollegen vorstellen. Bereiten Sie sich gut vor. Wichtig ist, Berufserfahrung und Ausbildung sachlich und Knapp auf den Punkt zu bringen. Lenken Sie die Aufmerksamkeit dabei auf Ihre größten Erfolge. Verkaufen Sie nicht mehr, als Sie liefern können.

In der Ruhe liegt die Kraft

Nur wer in Stress- Situationen Höflichkeit und Respekt wahrt, beweist, dass er umgänglich ist. Auch wenn es schwerfällt, sollten Sie Verärgerung nicht offen zeigen. Eine wutverzerrte Miene wirkt nicht souverän. Hören Sie sich die Argumente Ihres Gegenübers ruhig an. Beschreiben Sie, was Ihnen Probleme macht, ohne Kollegen zu beschuldigen.

Richtiger Umgang mit Mails

Gerade wenn man seinen Ansprechpartner nicht kennt, verfällt man oft in gestelztes Briefdeutsch. Besser ist es, so zu formulieren, wie man es mündlich tun würde. Allerdings sollte ein guter Ton gewahrt bleiben: Verzichten Sie unbedingt auf saloppe Smileys und auf Abkürzungen („MFG“ statt „Mit freundlichen Grüßen“). So viel Zeit sollte sein.

Grundkurs Netikette

Nur weil es eine E-Mail ist, sollten Sie nicht automatisch "Hallo Frau Meyer" oder "Lieber Herr Müller" schreiben. Das "Sehr geehrte Frau Schulze" ist durchaus nicht altmodisch. E-Mails erreichen ihre Adressaten schnell- das heißt aber nicht, dass diese ebenso schnell antworten müssen. Geben Sie ihnen zwei bis drei Tage Zeit, oder vermerken Sie in der E-Mail, dass es eilt. Entgegen allen Gerüchten: Großbuchstaben sind noch nicht aus der Mode. Rechtschreibung und Grammatik sind auch bei E-Mails essenziell.

Ordnung muss sein! Vergessen sie nie eine aussagekräftige Betreffzeile, denn die hilft dem Empfänger, seine E-Mail-Flut zu ordnen. Anlagen sollten Sie in gängigen Dateitypen verschicken und darauf achten, dass Sie mit großen Datenmengen nicht das Postfach des Adressaten verstopfen.

Entspannungsphase

Im Meetingraum, beim Geschäftsessen oder bei offiziellen Anlässen dürfen Sie Ihr Jackett oder ihre Kostümjacke erst ablegen, wenn die Gastgeber Sie dazu auffordern oder es vormachen. Stoßen sie zu einer Gruppe, die sich bereits "entspannt", fragen Sie erst. Werden Ihnen Getränke angeboten, sollten Sie annehmen. So geben Sie Ihrem Gegenüber die Möglichkeit, ein guter Gastgeber zu sein. Mit exotischen Wünschen (Bananensaft, Brennnessel-Tee) bringen Sie Ihren Gastgeber allerdings in Verlegenheit.

Quelle: www.trust-wi.de

Die fehlende Bildung vieler Schulabgänger ist ein Aspekt, der die Sorge um den Fachkräftemangel nicht nur bei Zapp schürt. Gut 62 Prozent der Unternehmen im IHK Bezirk Dortmund (Dortmund, Hamm und Kreis Unna) sehen dadurch eine Gefährdung für ihr Unternehmen. Für die Ausbildungsplatzsituation heißt das: Noch immer sind 1.496 von 6.347 Ausbildungsplätzen für 2012 unbesetzt. Zum Vergleich: Deutschlandweit sind es noch 143.000 Stellen. Die Wirtschaft schaut auf den doppelten Jahrgang 2013. Dann, so die Hoffnung der IHK Dortmund, könnten sich mehr Abiturienten für eine Ausbildung im dualen System entscheiden.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×