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05.01.2018

12:07 Uhr

ZDF-Interview

Wie Dobrindt „geslomkat“ wird

VonAlexander Becker
Quelle:Meedia.de

Auf die linke Revolution der Eliten folgt eine konservative Revolution der Bürger? Mit dieser These hatte CSU-Politiker Dobrindt reichlich provoziert. Im Interview mit ZDF-Moderatorin Slomka ringt er um Antworten.

ZDF-Interview: Alexander Dobrindt von Marietta Slomka entlarvt screenshot/Meedia

Slomka und Dobrindt

Konservative Revolution?

Wie schon Sigmar Gabriel, Horst Seehofer und einige andere zuvor wird sich nun auch Alexander Dobrindt „geslomkat“ fühlen. In einem siebenminütigen Interview im „heute journal“ hatte die Moderatorin den CSU-Politiker „gegrillt“. Vor den Sondierungsgesprächen mit der SPD ging es dabei um Dobrindts steile These: „Auf die linke Revolution der Eliten folgt eine konservative Revolution der Bürger“.

In einem Gastbeitrag in der Welt hatte der Landesgruppenchef der CSU zuvor eine „linke Meinungsvorherrschaft in Deutschland” konstatiert und gegen die 68er gewettert, die in den Medien und in den Institutionen Schlüsselpositionen besetzen würden. „Wir brauchen den Aufbruch in eine neue, konservative Bürgerlichkeit, die unser Land zusammenführt, unsere Wertegemeinschaft stärkt und unsere Freiheit verteidigt”, schreibt der Politiker.

Der Debattenbeitrag zeigt Wirkung. Er löste tatsächlich eine Diskussion aus. Allerdings eine, bei der Dobrindt bereits im Laufe des gestrigen Tages nicht sonderlich gut aussah. So stellte beispielsweise „Monitor”-Chef Georg Restle in einem Brief an Dobrindt die Frage, von welcher „linken Revolution“ Dobrindt denn spreche, wenn in den vergangenen 35 Jahren 28 Jahre lang die CSU in der Bundesregierung saß – und in Bayern ja ohnehin seit Jahrzehnten regiert.

Am Abend stellte sich der Ex-Minister den Fragen von Marietta Slomka im „heute journal” und machte alles andere als eine gute Figur. Auf die Einwände der Journalistin, ob beispielsweise Helmut Kohl in seinen 16-Regierungsjahren und der damals ausgerufenen „geistig-moralischen Wende” denn nichts erreicht hätte, hatte Dobrindt keine Antwort, wie auch auf die simple Definitions-Frage, warum er von einer „Revolution” spreche. Das Interview wurde zum Duell, in dem der Minister keinen Punkt machen konnte.

Die folgenden Reaktionen im Social-Web ließen ebenfalls kein gutes Haar an dem Auftritt. Bei Twitter war schnell von „vorführen”, „entlarven” und „irre” die Rede.

Kommentare (12)

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Herr Tomas Maidan

05.01.2018, 13:44 Uhr

Kinders, ist das schön! "Die linke Revolution der Eliten..." Wenn Rudi Dutschke oder Che Guevara das noch hören könnten! Die Eliten werden links, nach Dobrindt, ergreifen die Macht und unterdrücken die (reichen) Wohlstandsbürger...

Wie krank muss man sein, um sich in solche politische Schaumbilder zu vernarren?

Und Leute wie Donald Trump (aus dem Milliradärs-Tower) und Alice Weidel (von der Heuschrecken Abteilung der Allianz Investment-Bank) sind nun die neuen Trotzkisten, die den Eliten die Revolution bieten... So sieht der neue politische Kampf in Dobrindts Kopf aus.

Gott, laß Hirn regnen, aber bitte schnell.

Herr Tomas Maidan

05.01.2018, 13:57 Uhr

Helmut Schmidt.
Helmut Kohl.
Gerhard Schröder.
Angela Merkel.

Wer das als "linke Vorherrschaft" charakterisiert ist komplett rechts außen. Bewirbt Dobrindt sich für einen Job bei Breitbart?

Herr Marcel Europaeer

05.01.2018, 15:03 Uhr

Denke ich "Völliges Versagen" bei der Regierungsarbeit der vergangenen Legislaturperiode, fällt mir als erstes Alexander Dobrindt ein. Jetzt weiß ich auch, warum das so ist.

Der arbeitet immer noch an der geistig-moralischen Erneuerung, an der sich schon Kohl 16 Jahre mit illegaler Parteienfinanzierung, anschließend Schröder als "Genosse der Bosse" und jetzt Angela "welches Thema kann ich Konkurrenzparteien noch streitig machen" Merkel die Zähne ausgebissen haben.

Ob Alexander Dobrindt weiß, dass in Bayern seit 60 Jahren CSU-geführte Regierungen das Sagen haben und eine in seinem Kopf manifestierte "linke Revolution der Eliten" nicht zu verhindern wussten? Sollte er mal gurgeln.

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