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17.02.2017

12:30 Uhr

ZDF-Politbarometer

Schulz in Kanzlerpräferenz weit vor Merkel

Der Bundestagswahlkampf scheint derzeit völlig offen zu sein. Der SPD-Kanzlerkandidat gilt als sympathisch und hat seine Partei auf die Überholspur gesteuert. Aber halten die Leute ihn auch für den besseren Kanzler?

Der SPD-Kanzlerkandidat zieht in puncto Beliebtheit deutlich an Bundeskanzlerin Merkel vorbei. dpa

Martin Schulz

Der SPD-Kanzlerkandidat zieht in puncto Beliebtheit deutlich an Bundeskanzlerin Merkel vorbei.

BerlinDer SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz zieht in der Kanzlerpräferenz der Wahlberechtigten rasant an Amtsinhaberin Angela Merkel vorbei. Nur noch 38 Prozent wollen lieber Merkel als Regierungschefin, 49 Prozent bevorzugen Schulz - ein Vorsprung von elf Punkten, wie das am Freitag veröffentlichte ZDF-„Politbarometer“ ergab. Ende Januar hatte Merkel noch vier Punkte vor ihrem kurz zuvor ernannten Herausforderer gelegen (44 zu 40 Prozent).

Auch in puncto Sympathie führt Schulz nach der Erhebung der Forschungsgruppe Wahlen mit 36 zu 22 Prozent (kein Unterschied: 33). Bei anderen wichtigen Kriterien dagegen bekommt Merkel den größeren Zuspruch: Den größeren Sachverstand sehen 34 Prozent bei ihr und nur 10 Prozent bei dem SPD-Mann (kein Unterschied: 38); für glaubwürdiger halten 23 Prozent Merkel und 20 Prozent Schulz (kein Unterschied: 46). Und obwohl Schulz bei der K-Frage klar führt, finden annähernd konstant 71 Prozent, dass Merkel ihre Arbeit als Bundeskanzlerin eher gut macht (Eher schlecht: 24 Prozent).

Dafür steht SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz

Präsenz

Schulz verdankt seinen Aufstieg in Brüssel Eigenschaften, die ihm Freunde und Gegner gleichermaßen zuschreiben: Ehrgeiz, Arbeitseifer, klare Sprache, Machtbewusstsein. Vor allem als EU-Parlamentspräsident und als Spitzenkandidat der Sozialdemokraten bei der Europawahl 2014 schärfte er nicht nur sein eigenes Profil, sondern gab Europa eine starke Stimme. Der Christsoziale Manfred Weber würdigte Schulz zum Abschied aus Brüssel als kraftvollen und durchsetzungsstarken Europäer.

Klare Botschaften

Der designierte SPD-Kanzlerkandidat gilt als Politiker, der Streit nicht aus dem Weg geht. Zuletzt übte er zum Beispiel heftige Kritik am EU-Mitgliedsland Ungarn und dessen Referendum zur Flüchtlingspolitik. Wachsenden Nationalismus und Rechtspopulismus verurteilte er scharf und verlangte Einsatz für das europäische Gesellschaftsmodell gegen die „Feinde der Freiheit“. Seine eigene Partei mahnt er, normalen Menschen zuzuhören und auf ihre Nöte einzugehen. Die Krise der EU trieb ihn um – wobei er gerne die Brüsseler Perspektive einnahm und vor allem den Streit der Mitgliedsstaaten kritisierte.

Anpacken

Obwohl das Amt als EU-Parlamentspräsident eher zeremoniell angelegt ist, präsentierte sich Schulz als Macher. Ein Beispiel: der Handelspakt Ceta mit Kanada. Im Herbst überzeugte er die vom Streit mit der Wallonie völlig entnervte kanadische Ministerin Chrystia Freeland, ihre Abreise zu verschieben und sich noch ein letztes Mal mit ihm zu treffen. Fernsehkameras standen bereit, das Überraschungsgespräch im Morgengrauen zu dokumentieren. Letztlich wartete Kanada die europäischen Kapriolen dann geduldig ab, und das Abkommen kam doch noch zustande.

Allianzen

In Brüssel und Straßburg stand Schulz für die informelle große Koalition mit der Europäischen Volkspartei und deren Vorsitzendem Weber. 2014 unterzeichneten beide einen Pakt, der Schulz bei der Wiederwahl zum Parlamentspräsidenten EVP-Stimmen sicherte. Dafür sollte er im Januar 2017 seinen Posten für einen EVP-Kandidaten räumen. Es ging aber nicht nur um Personal: Die beiden größten Fraktionen sahen den Pakt als Mittel, in Europa stabil und effizient Politik zu machen und der EU-Kommission zu Mehrheiten zu verhelfen.

Machtanspruch

Kleinere Parlamentsfraktionen wie die Grünen oder Linken fühlten sich in der Ära Schulz an den Rand gedrängt und ignoriert. Auch wurden Schulz Eigenmächtigkeiten vorgeworfen – sowohl inhaltlich, wenn er für das Parlament sprach, als auch bei der Besetzung von Spitzenposten im Haus. Etliche Abgeordnete zeigen sich nun erleichtert, dass neue Zeiten anbrechen.

Auf der „Politbarometer“-Skala der zehn beliebtesten Politiker rangiert Schulz - nach der üblichen Herausnahme von Frank-Walter Steinmeier als künftiger Bundespräsident - auf Platz eins (Wert 2,0 auf Skala von +5 bis -5). Er liegt damit gleichauf mit Baden-Württembergs grünem Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann (2,0) und vor der dann folgenden Merkel (1,7).

Die Trendwende bei der SPD geht einher mit einer sehr deutlichen Verbesserung ihrer Kompetenzzuweisung beim Thema Soziale Gerechtigkeit. Jetzt trauen 48 Prozent der SPD auf diesem Feld am meisten zu - gegenüber 29 Prozent im vergangenen November. Die Unionsparteien kommen hier nur noch auf 16 Prozent, die Linken auf 11, die Grünen auf 4 sowie FDP und AfD jeweils auf 1 Prozent.

Umfrage: Schulz überholt Merkel

Umfrage

Schulz überholt Merkel

Martin Schulz, der hoffnungsvolle Kanzlerkandidat der SPD, bringt seiner Partei weiter hervorragende Umfrage-Werte ein. Die Union büßt hingegen in der Gunst der Wähler ein. Am deutlichsten verliert wohl die Linkspartei.

In der Sonntagsfrage der zweiwöchentlichen Erhebung schießt Schulz' SPD auf 30 Prozent (plus sechs) hoch. Das ist der stärkste Zuwachs einer Partei im „Politbarometer“ überhaupt - allerdings hatten auch andere Institute in den vergangenen Tagen für die Sozialdemokraten schon einen vergleichbaren Zuwachs registriert. Die Union rutscht auf 34 Prozent (minus zwei). Die Grünen würden sich demnach derzeit leicht auf 9 Prozent verbessern (plus eins). Die Linke käme nur noch auf sieben Prozent (minus drei). Die AfD würde weiter auf 10 Prozent rutschen (minus eins). Die FDP bliebe unverändert bei 6 Prozent.

Damit gäbe es derzeit weiterhin eine klare Mehrheit für die Fortsetzung der großen Koalition von CDU/CSU und SPD. Eine ganz knappe Mehrheit gäbe es auch für eine sogenannte Jamaika-Koalition aus Union, Grünen und FDP. Für Rot-Rot-Grün reichte es ebenso wenig wie für ein Ampelbündnis von SPD, Grünen und FDP.

Von

dpa

Kommentare (1)

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Herr Old Harold

17.02.2017, 14:13 Uhr

Wohin will die SPD unter einem Bundeskanzler Schulz Deutschland steuern?

Die SPD-Vize Özgul hat im BR-Interview am vergangenen Samstag den schwarzen Tschador ein wenig gelüftet.

1) Kinder sollen von der Geburt bis zum Studium vom Staat finanziert werden.
2) Das Elterngeld (und damit Erziehung daheim) sei unsinnig und damit abzuschaffen.

Zu Punkt 1) wäre es völlig o.k., wenn Gebärenden, die als Alleinstehende bereits mit ihrem eigenen Leben nicht klar kommen, ohne ihre Eltern eigene Kinder gar nicht versorgen können, gleich nach der Geburt ihre Kinder weggenommen und in staatliche Obhut gegeben würden. Denn was sollte aus den Kindern solcher Kinder einmal werden, wenn diese selbst eigene Kinder großziehen sollen?

Punkt 2) hat jedoch weder im Nationalsozialismus, noch im Sozialismus funktioniert. Es gab dort zwar ebenfalls die staatliche Obhut, von Pimpfen, Hitlerjugend, Jungvolk, Jungen Pionieren, Freier Deutscher Jugend. Wie das letztlich geendet hat, mit 60 Millionen Toten, bzw. Zusammenbruch des Arbeiter- und Bauernstaates, haben wir erlebt.

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