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10.04.2014

19:54 Uhr

Zentralafrika

Bundestag billigt Bundeswehr-Einsatz

Bis zu 80 deutsche Soldaten sollen an der Blauhelm-Mission in Zentralafrika teilnehmen. Mit Lazarett-Flugzeugen sollen Verwundete transportiert werden. Im Kampfgebiet sollen die Soldaten aber nicht eingesetzt werden.

Entwicklungsminister Gerd Müller Mitte März bei einem Besuch in Zentralafrika: Müller hat sich bei seinem Besuch in der vom Bürgerkrieg zerrütteten Zentralafrikanischen Republik ein Bild von der humanitären Lage gemacht. dpa

Entwicklungsminister Gerd Müller Mitte März bei einem Besuch in Zentralafrika: Müller hat sich bei seinem Besuch in der vom Bürgerkrieg zerrütteten Zentralafrikanischen Republik ein Bild von der humanitären Lage gemacht.

Berlin/New YorkDeutschland beteiligt sich am EU-Militäreinsatz zur Stabilisierung der Zentralafrikanischen Republik. Der Bundestag billigte am Donnerstag mit großer Mehrheit die Entsendung von bis zu 80 Soldaten und Lazarett-Flugzeugen zum Transport Verwundeter. Zudem soll ein ziviles Unternehmen im Auftrag der Bundesregierung weitere Flüge übernehmen. Die Deutschen sollen nicht im Kampfgebiet zum Einsatz kommen.

Der UN-Sicherheitsrat beschloss unterdessen die Entsendung einer Friedenstruppe ab Mitte September, um die Gewalt zwischen Christen und Muslimen zu stoppen und einen Völkermord zu verhindern. Die Blauhelm-Truppe soll bis zu 10.000 Soldaten und 1.800 Polizisten umfassen und von französischen Einsatzkräften unterstützt werden.

Die EU und Afrika

Bildung, Gesundheit und Zivilgesellschaft

Die EU fördert afrikanische Staaten bei der Ausbildung. Mehr als zwölf Millionen Menschen hat sie nach eigenen Angaben zwischen 2007 und 2013 bei ihrer Schul- oder Berufsausbildung unterstützt. Tausende Studenten erhielten Stipendien oder nahmen am Erasmus-Austauschprogramm teil. 178 Millionen Euro flossen in den vergangenen sieben Jahren in mehr als 600 afrikanische Forschungsprojekte zu Ernährungssicherheit, Klimawandel, Gesundheit und Energie. Auch zur Förderung von Demokratie und Menschenrechten und für den Kampf gegen den Klimawandel stellt die EU Geld bereit.

Wachstum und Handel

Europa ist der wichtigste Partner Afrikas in der Entwicklungshilfe. Zwischen 2007 und 2013 unterstützten die EU und ihre Staaten Afrikas Entwicklung mit rund 141 Milliarden Euro. Der Handel zwischen Europa und Afrika wächst seit Jahren – in beide Richtungen. 2013 exportierten die EU-Staaten Waren im Wert von 153 Milliarden Euro auf den afrikanischen Kontinent. Das war ein Rekord, wie die EU-Statistikbehörde Eurostat meldete. Frankreich, Deutschland und Italien waren die größten Exporteure. Deutschlands Ausfuhren nach Afrika summierten sich 2013 auf 22 Milliarden Euro. Umgekehrt ist die EU für Afrika der größte Handelspartner, dorthin gehen 40 Prozent aller afrikanischen Ausfuhren. Die afrikanischen Staaten verkauften im vergangenen Jahr Waren für 168 Milliarden Euro nach Europa.

Friedenssicherung

Im vergangenen Jahrzehnt hat die EU 16 EU-Missionen nach Afrika geschickt, um Krisen zu bewältigen und den Frieden zu sichern. Darunter waren nach Angaben des EU-Rates sieben Militäroperationen etwa im Kongo, Somalia und Mali sowie 9 zivile Missionen wie in Kinshasa oder im Sudan/Darfur. Derzeit sind mehr als 2300 Männer und Frauen unter der EU-Flagge bei EU-Friedensmissionen in Afrika im Einsatz. Seit 2004 hat die EU 1,2 Milliarden Euro zur Unterstützung afrikanischer Operationen zur Friedenssicherung bereitgestellt.

Das völlig verarmte afrikanische Land versinkt seit dem Putsch muslimischer Rebellen im vergangenen Jahr im Chaos. Morde und Plünderungen der Aufständischen haben zu Vergeltungsaktionen christlicher Milizen geführt. Tausende Muslime sind nach UN-Angaben vom Tod bedroht. Über die Hälfte der 4,6 Millionen Bewohner des Landes benötigen danach humanitäre Hilfe. Im Land sind nach UN-Angaben mehr als 600.000 Menschen auf der Flucht, weitere gut 300.000 Menschen sollen ins Ausland geflohen sein.

Einer 5.600 Mann starken Schutztruppe der Afrikanischen Union ist es trotz Unterstützung durch 2.000 französische Soldaten bisher nicht gelungen, die Gewalt zu beenden. Der EU-Einsatz soll die Zeit überbrücken, bis die UN-Blauhelmmission gut läuft.

Von

rtr

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

11.04.2014, 10:34 Uhr

Wieder Kriegseinsatz! Warum lernen deutsche Politiker?? Gibt es Krieg irgendwo, muss Deutschland aktiv dabei sein. Geht es Schulen, Kinder usw.: Wir haben kein Geld!!! Heute wieder Aufschrei in Berlin der Jugendämter. Sie machen zwar nichts, abher haben Recht. Es sind ja keine kriminellen Ausländr, die uns erpressen. Leider können Kinder unseren Staat noch nicht erpressen!

Account gelöscht!

11.04.2014, 10:42 Uhr

Die Perversion des Denkens
---------
Bei der Luftraumüberwachung in Libyen durften deutsche Soldaten nicht teilnehmen; obwohl sie nur an Bord der AWACS sein sollten.
Aber im Krieg in der Zentralafrikanischen Republik sollen sie mitkämpfen. "La Grand Nation" hat Deutschland um "Hilfe" gebeten. Es geht um Bodenschätze.

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