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20.06.2013

20:26 Uhr

Zentraler Aufgabenpool

Abitur soll bundesweit vergleichbarer werden

Schon zu Preußens Zeiten war das Abitur in den einzelnen Provinzen recht unterschiedlich – trotz der ersten Verordnung für die Reifeprüfung vor 225 Jahren. Das soll jetzt anders werden.

Abitur-Klausuren an einem Gymnasium in Halle. Die Prüfungen sollen bundesweit vergleichbarer werden. dapd

Abitur-Klausuren an einem Gymnasium in Halle. Die Prüfungen sollen bundesweit vergleichbarer werden.

Wittenberg/BerlinDas Abitur wird zwischen den 16 Bundesländern vergleichbarer. Dazu beschlossen die Kultusminister am Donnerstag in Wittenberg, einen zentralen Pool mit Abituraufgaben aufzubauen. Auch sollen die Prüfkriterien bundesweit standardisiert werden. Für einige Bundesländer bedeutet der Beschluss die Aufgabe spezieller, oft seit Jahrzehnten gepflegter Eigenarten bei der Reifeprüfung. Für die erste Abiturprüfung nach den neuen Regelungen wird das Jahr 2016 angestrebt.

Basis für den Aufgabenpool bilden die neuen bundesweiten Bildungsstandards für die gymnasiale Oberstufe in den Fächern Deutsch, Mathematik, Englisch und Französisch. Die Länder können Aufgaben für den Pool vorschlagen, die dann von Wissenschaftlern des ländereigenen Instituts zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) überprüft werden. Anschließend können sich die Länder aus diesem Pool die Aufgaben für ihre Reifeprüfung heraussuchen. Aufgaben für die Naturwissenschaften sollen bald folgen.

Chancen durch Veränderung der Schulstruktur

Verlängerung der Grundschule

33 Prozent der Lehrer und 27 Prozent der Eltern meinen mit einer Verlängerung der Grundschule auf sechs Jahre kann man benachteiligte Kinder am besten fördern.

Quelle: Allensbach

Einzelunterricht in der Schule

26 Prozent der Lehrer und 33 Prozent der Eltern meinen, der Einzelunterricht in der Schule verbessere die Situation der Kinder.

Bildung von Klassen mit ähnlich leistungsstarken Schülern

Die Bildung von Klassen mit ähnlich leistungsstarken Schülern ist für 21 Prozent der Lehrer und 40 Prozent der Eltern maßgeblich für eine verbesserte Förderung.

Abschaffung des mehrgliedrigen Schulsystems

21 Prozent sowohl der Lehrer als auch Eltern meinen, die Abschaffung des mehrgliedrigen Schulsystems ist die beste Lösung.

Abschaffung der Noten

Lediglich sieben Prozent der Lehrer und acht Prozent der Eltern würden die Abschaffung der Noten als eine verbessere Förderung benachteiligter Kinder betrachten.

Abschaffung des Sitzenbleibens

Zehn Prozent der Lehrer und zwölf Prozent der Eltern denken, die Abschaffung des Sitzenbleibens ist am besten.

Zu den einheitlichen Prüfungskriterien gehört unter anderem auch die Frage, wie weit Taschenrechner bei Mathematik-Klausuren eingesetzt werden dürfen. Auch werde der Einsatz von Literaturlisten geregelt und ob Gedichtinterpretationen mit oder ohne vorliegendem Text gefordert würden, sagte der Präsident der Kultusministerkonferenz (KMK), Stephan Dorgerloh (Sachsen-Anhalt/SPD) der Nachrichtenagentur dpa.

Die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Doris Ahnen (SPD) sprach von einem „weiteren wichtigen Schritt zur Qualitätssicherung der gymnasialen Bildung“ und zu mehr Vergleichbarkeit über die Ländergrenzen hinweg. „Die Qualität der Bildung in der Oberstufe muss gesichert werden und das Abitur soll bundesweit besser vergleichbar sein“, sagte sie.

Nordrhein-Westfalens Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) unterstrich: „Es geht um Gleichwertigkeit, aber nicht um Text-identische Aufgaben.“ Ihr Bundesland werde die einschlägigen Erfahrungen mit dem Landes-Zentralabitur einbringen. „Im Interesse der Abiturienten sind Schnellschüsse und Aktionismus fehl am Platz.“

Auch Hessens Kultusministerin Nicola Beer (FDP) begrüßte das Zusammenrücken der Länder beim Abitur. Die Kultusminister wollten zudem künftig einen regelmäßigen Bericht über die Entwicklung des Aufgabenpools, sagte Beer.

Das von Bayerns Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) vorgeschlagene Konzept für einen Länder-Staatsvertrag über ein bundesweit vergleichbares Abitur stand in Wittenberg nicht auf der Tagesordnung.

Von

dpa

Kommentare (5)

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Account gelöscht!

20.06.2013, 20:45 Uhr

Alles Schwachsinn. Warum gibt es nicht ein bundesweit einheitliches Abitur? Gleiche Chancen für alle.

Man hätte mal ausnahmsweise das Schulsystem aus dem Osten übernehmen sollen. Zehn Klassen alle zusammen und wer danach noch Lust auf lernen hat, Abitur bis zur 12. Klasse.

Ich bin überzeugt, das Allgemeinbildungsniveau in Deutschland würde wieder steigende Tendenzen aufweisen.

Account gelöscht!

21.06.2013, 06:54 Uhr

Und wonach richten sich dann die Anforderungen?

Nach dem von "Sozen" geführten Norden ohne Leistungsprofil oder nach dem des Südens, wobei der Norden dann nicht mehr mit kommt, weil dort nichts gelernt wird?

Account gelöscht!

21.06.2013, 09:30 Uhr

Oh- ha ... Das Deutsche Abitur macht man also vergleichbar , eine Maus macht kleine schritte .... Ich hätte eher erwartet das man das Europäische Abitur auf ein Level setzt .
Aber in 100 Jahren ist das sicher auch soweit .....

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