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17.03.2012

01:00 Uhr

Zentralrat der Juden

Gauck soll sich für Sicherheit Israels einsetzen

ExklusivEr soll der elfte Präsident werden - ist aber auch schon das dritte Staatsoberhaupt binnen zwei Jahren. Die Erwartungen der Parteien an Gauck sind hoch. Der Zentralrat der Juden hat ganz konkrete Wünsche an ihn.

Joachim Gauck. dpa

Joachim Gauck.

BerlinAm Anfang schwebt er wirklich über den Parteien. Wenn die Bundesversammlung Joachim Gauck am Sonntag aller Voraussicht nach zum neuen Staatsoberhaupt wählt, sitzt der 72-Jährige zunächst oben auf der Tribüne, die im Reichstag über die Delegiertenreihen ragt. Der „Bürger Gauck“ steht zugleich außerhalb der Parteien, die ihm in einer ganz großen Koalition den Weg ins Schloss Bellevue ebneten. Er soll das Ansehen ins Präsidentenamt wiederherstellen, in der Krise moralischer Wegweiser sein, lauten die Erwartungen.

Der Zentralrat der Juden in Deutschland wird etwas konkreter und nennte zwei zentrale Themen, die auf den  neuen Bundespräsidenten zukommen werden. Zu Beginn seiner Amtszeit werde Joachim Gauck innenpolitisch die Debatte über die Neonazi-Morde und den Rechtsextremismus in Deutschland begleiten, außenpolitisch die angespannte Lage im Nahen Osten. „Ich bin zuversichtlich, dass sich der künftige Bundespräsident klar für die freiheitliche Demokratie, gegen Diskriminierung und Antisemitismus positionieren sowie ein Engagement des Herzens für das Existenzrecht und die Sicherheit Israels zeigen wird“, sagte Zentralratspräsident Dieter Graumann Handelsblatt Online.

Graumann geht davon aus, dass Gauck ein unbequemer Präsident werden wird. Schon vor seiner Wahl habe er lebhafte Debatten ausgelöst. „Ich rechne damit, dass Herr Gauck als Bundespräsident auch selbst Diskussionen anstoßen wird. Denn er wird kein bequemes Staatsoberhaupt sein, aber dafür frischen Wind in die deutsche Politik bringen“, sagte Graumann. „Dieser Wind mag dann manchmal denen ins Gesicht blasen, die ihn jetzt loben.“ Aber das müsse ja nicht verkehrt sein.

Das Leben des Joachim Gauck

Neuer Alltag

Joachim Gauck ist auf Empfängen, Eröffnungen und Benefizveranstaltungen ein gern gesehener Gast. Ein schnöder Alltag? Nein, denn der Bundespräsident interpretiert seine Rolle offensiv. Seine Äußerungen zum Islam, Deutschlands Rolle in der Welt und zur Linkspartei haben hitzige Debatten entfacht.

Neue Wohnung

Das Staatsoberhaupt Deutschlands wohnt in der Präsidentenvilla in Berlin-Dahlem. Im Schloss Bellevue gibt es keine Wohnung mehr. Dort ist nur der offizielle Amtssitz des Präsidenten. Zuvor lebte Gauck viele Jahre in einer Altbauwohnung in Berlin-Schöneberg.

Neuer Beruf für die Lebensgefährtin

Daniela Schadt arbeitet seit Gaucks Ernennung zum Bundespräsidenten nicht mehr. Die 52-Jährige war zuvor als Journalistin tätig und lebte in Nürnberg. Dort war sie Leitende Politikredakteurin bei der „Nürnberger Zeitung“. Als First Lady ist sie oft an Gaucks Seite zu sehen.

Scheidung und Heirat?

Dazu müsste sich Gauck erst einmal von seiner Frau Gerhild scheiden lassen, mit der er seit 1959 verheiratet ist und vier Kinder hat. Seit 1991 leben beide getrennt, seit dem Jahr 2000 ist Gauck mit Daniela Schadt zusammen. „Er macht sich Gedanken über eine Hochzeit, aber er hat wohl noch keine Entscheidung gefällt“, sagte sein Sohn Christian kürzlich der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. „Hierzulande dürfte seine Art des Zusammenlebens heute nun wirklich kein Problem mehr sein, aber als Präsident kommt er auch in Länder, in denen andere moralische Maßstäbe gelten.“

Wichtigster Mitarbeiter

David Gill ist Staatssekretär und Chef des Präsidialamtes. Damit ist er der wichtigste Mitarbeiter des Präsidenten. Der bisherige Oberkirchenrat im Dienst der Evangelischen Kirche ist seit seiner Zeit als erster Sprecher der Stasi-Unterlagenbehörde ein enger Vertrauter Gaucks. Gill ist SPD-Mitglied.

Neuer Bürgerpräsident

Mit dem Pastor ist ein neuer Stil im Schloss Bellevue eingezogen. Auch wenn das Korsett für das Staatsoberhaupt eng is, spiel Gauck seine Karte als „Bürgerpräsident“ aus. „Ich bin nicht mal gewaschen“, sagte der 72-Jährige, als er am Abend seiner überraschenden Nominierung mit der Kanzlerin vor die Kameras trat. Seinem Sohn Christian war das peinlich. „Aber so ist er, ungeschminkt, ungefiltert“, sagte der Hamburger Arzt der „FAS“.

Der harte Alltag wird auf Gauck in der Woche nach seiner Wahl einprasseln. Doch wie richtet sich der nicht-professionelle Politiker ein im harten Politbetrieb? Schon am Abend seiner Kür vor vier Wochen hatte Gauck umrahmt von den Vorsitzenden von CDU, CSU, FDP, SPD und Grünen gesagt: Er könne „nur bitten, die ersten Fehler gütig zu verzeihen, und von mir nicht zu erwarten, dass ich ein Supermann und ein fehlerloser Mensch bin“. Bei der folgenden Vorstellungstour durch Parteigremien und Fraktionen war es ihm ein wichtiges Anliegen, „Missverständnisse abzubauen“.

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