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26.02.2015

14:08 Uhr

Zentralrat der Juden

Warnung vor Tragen der Kippa in Problemvierteln

Die Zahl antisemitischer Straftaten hat in Deutschland zuletzt stark zugenommen. Der Präsident des Zentralrats der Juden rät deshalb vom Tragen der Kippa in Problemvierteln ab. Verstecken sollten sich Juden aber nicht.

Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden, hält die meisten jüdischen Einrichtungen für gut gesichert. dpa

Gut gesichert

Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden, hält die meisten jüdischen Einrichtungen für gut gesichert.

BerlinDer Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, hält es für gefährlich, in überwiegend von Muslimen bewohnten Vierteln einiger Städte die Kippa zu tragen. Juden sollten sich zwar nicht aus Angst verstecken, und die meisten jüdischen Einrichtungen seien gut gesichert, sagte Schuster am Donnerstag im Inforadio des rbb. Die Frage sei aber, „ob es tatsächlich sinnvoll ist, sich in Problemvierteln, in Vierteln mit einem hohen muslimischen Anteil, als Jude durch das Tragen der Kippa zu erkennen zu geben – oder ob man da besser eine andere Kopfbedeckung trägt“. Es sei eine Entwicklung, die er so vor fünf Jahren nicht erwartet habe, und die schon auch ein wenig erschreckend sei, meinte Schuster.

Die Zahl antisemitischer Straftaten hat im vergangenen Jahr in Deutschland stark zugenommen. Wurden 2013 noch 788 Fälle registriert, waren es im vergangenen 1076 – ein Anstieg um mehr als ein Drittel. Das teilte die Amadeu Antonio Stiftung der „Heilbronner Stimme“ (Donnerstag) mit. Die Stiftung beruft sich auf Zahlen der Bundesregierung, die bislang noch nicht veröffentlicht wurden.

Zahl der Juden in Europa

Juden in Europa

Wie viele Menschen jüdischen Glaubens leben in den europäischen Staaten? Das Institute for Jewish Policy Research hat Einwohnerstatistiken ausgewertet – und die Zahlen im Internet veröffentlicht.

Quelle: www.jpr.org.uk/map

Portugal

In Portugal leben laut Institute for Jewish Policy Research rund 1000 Juden. Gesamtbevölkerung: etwa 10,602 Millionen.

Spanien

Unter den rund 46,464 Millionen Einwohnern Spaniens leben rund 18.000 Menschen mit jüdischem Glauben.

Frankreich

In Frankreich leben rund 65,821 Millionen Menschen. Etwa 600.000 von ihnen sind Juden.

Italien

In Italien leben etwa 37.000 Juden, Gesamtbevölkerung: rund 60,783 Millionen.

Großbritannien

Von den rund 60,46 Millionen Einwohnern Großbritanniens sind etwa 360.000 jüdischen Glaubens.

Irland

Etwa 4,581 Millionen Menschen leben auf der irischen Insel, darunter rund 1.600 Menschen jüdischen Glaubens.

Deutschland

In Deutschland leben rund 250.000 Juden. Die Gesamtbevölkerung liegt derzeit bei rund 80,767 Millionen Einwohnern.

Niederlande

Die Niederlande haben etwa 16,83 Millionen Einwohner, rund 50.000 davon sind Juden.

Belgien

Von den rund 11,1 Millionen Einwohnern Belgiens sind etwa 40.000 Menschen jüdischen Glaubens.

Polen

Schätzungsweise 7500 Juden leben in Polen, die Gesamteinwohnerzahl beträgt rund 38,49 Millionen.

Russland

Russland hat rund 143,6 Millionen Einwohner. Jüdischen Glaubens sind etwa 380.000 Menschen.

Ukraine

Von den rund 45,426 Millionen Einwohnern der Ukraine gibt es etwa 130.000 Juden.

Weißrussland

In Weißrussland leben rund 9,457 Millionen Menschen. Etwa 23.000 von ihnen sind jüdischen Glaubens.

Norwegen

Von den rund 5,156 Millionen Menschen in Norwegen gehören etwa 2.000 dem jüdischen Glauben an.

Schweden

Knapp 9,645 Millionen Einwohner hat Schweden. Rund 25.000 von ihnen sind Juden.

Finnland

Rund 1.800 Menschen jüdischen Glaubens leben in Finnland. Gesamtbevölkerung: 5,43 Millionen.

Türkei

Die Türkei hat rund 76,668 Millionen Einwohner. Die Zahl der Menschen jüdischen Glaubens liegt bei etwa 21.000.

Griechenland

Von den rund 10,815 Millionen Einwohnern Griechenlands gehören etwa 6.000 dem jüdischen Glauben an.

Eine ähnlich hohe Zahl antisemitischer Taten gab es demnach zuletzt 2008. Der Projektleiter der Stiftung, Jan Riebe, verwies auf eine hohe Dunkelziffer. „Viele Straftaten werden nicht angezeigt, was auch an der sehr niedrigen Aufklärungsquote liegt.“

Von

dpa

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