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25.07.2014

06:15 Uhr

Zerstörung des Great Barrier Reef

„Gabriel macht Deutschland zur Lachnummer“

VonDietmar Neuerer

ExklusivDie staatliche KfW-Bank finanziert einen Kohlehafen in Australien, der als Gefahr für das zum Weltnaturerbe zählende Great-Barrier-Riff gesehen wird. Trotz lauter Kritik schreitet die Bundesregierung nicht ein.

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD): Wegen umstrittener KfW-Projekte in der Kritik. dpa

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD): Wegen umstrittener KfW-Projekte in der Kritik.

BerlinDie Grünen haben Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) scharf dafür kritisiert, dass er eine Entscheidung über die Finanzierung von Kohleprojekten im Ausland der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) weiter verzögert. Im April habe die Bundesregierung „großspurig verkündet“, die Exportförderung für Kohlekraftwerke ernsthaft zu überprüfen. „Nach massivem Druck aus der Kohlelobby hat Gabriel das Thema jetzt auf eine unendliche Warteschleife geschickt“, sagte Grünen-Fraktionsvize Oliver Krischer Handelsblatt Online.

„Das ist eine faktische Beerdigung der bisher einzigen, substanziellen Klimaschutzmaßnahme dieser Bundesregierung.“ Damit führe der Wirtschaftsminister wieder einmal vor, dass Klimaschutz für diese Bundesregierung ein nachrangiges Thema sei.

Das Bundeswirtschaftsministerium will den Bundestag erst im Herbst darüber informieren, wie sie zur Förderung von Kohlekraftwerken im Ausland  über die KfW steht. Das geht aus einer Handelsblatt Online vorliegenden Antwort des Ministeriums auf eine entsprechende Frage Krischers hervor.

Steckbrief Great Barrier Reef

Lage

Das Great Barrier Reef erstreckt sich über 2000 Kilometer entlang der Nordostküste Australiens. An seiner schmalsten Stelle ist es rund 40 Kilometer breit, an der breitesten rund 370 Kilometer. Insgesamt bedeckt das Riff eine Fläche von knapp 350.000 Quadratkilometern.

Aufbau

Das Riff besteht aus einer Kette von rund 3000 Einzelriffen und mehreren hundert Inseln, die zwischen 30 und 250 Kilometer vom australischen Festland entfernt sind.

Artenreichtum

Das Riff ist einer der wichtigsten marinen Lebensräume weltweit. Unter anderem beherbergt es etwa 1500 Fischarten, bis zu 8000 Weichtierarten, mehrere hundert Vogelarten und natürlich einen riesigen Bestand an unterschiedlichen Korallen. Zu den vom Aussterben bedrohten Arten, die im Great Barrier Reef leben, gehören Seekühe (Dugongs) sowie Meeresschildkröten wie die Unechte Karettschildkröte.

Gefahren

Seit 1985 hat das Riff etwa die Hälfte seines Korallenbestandes verloren. Schuld daran ist zum einen der globale Klimawandel, der sich in steigenden Wassertemperaturen und Übersäuerung des Meerwassers manifestiert. Zum anderen sorgt das massenhafte Auftreten giftiger Dornenkronenseesterne für erhebliche Schäden. Auch die aufgrund der Klimaveränderung zunehmend heftiger wütenden Stürme schädigen das Riff.

Schutz

1981 wurde das Great Barier Reef von der Unesco zum Weltnaturerbe erklärt. Zudem stehen große Teile des Riffs als „Great Barrier Reef Marine Park“ unter besonderem Schutz. Durch Pläne der australischen Regierung, im Gebiet des Riffs neue Häfen zum Verschiffen von Kohle und anderen Rohstoffen zu bauen, ist der Welterbestatus aktuell gefährdet. Eine Entscheidung über eine mögliche Aberkennung will die UN-Behörde im kommenden Jahr treffen.

Wirtschaftliche Bedeutung

Das Great Barrier Reef ist eines der wichtigsten touristischen Ziele in Australien. Bis zu zwei Millionen Urlauber besuchen pro Jahr den Great Barrier Reef Marine Park. Ein weiterer wichtiger Wirtschaftsfaktor ist der Fischfang, der in dem geschützten Gebiet allerdings nur unter strengen Auflagen erlaubt ist. So ist das Fischen mit Schleppnetzen etwa verboten.

Das Thema ist brisant, nachdem  jüngst die Grünen und Umweltschützer von Gabriel verlangt hatten, er solle sich als Vorsitzender des KfW-Verwaltungsrats dafür einsetzen, dass die KfW-Bank die Mitfinanzierung eines Hafens zur Kohleverladung nahe dem geschützten Great Barrier Reef in Australien unterlassen solle. Die KfW-Tochter Ipex-Bank ist mit 110 Millionen Euro am Ausbau des Kohlehafens Wiggins Island beteiligt.

Krischer hält eine Vertagung der Entscheidung für inakzeptabel.  „So wird Deutschland international vom Vorreiter zur Lachnummer“, sagte er. Immer wenn es konkret werde, hat in dieser Bundesregierung Kohle Vorrang vor Klimaschutz. Die Arbeitsteilung sehe so aus: Umweltminister Barbara Hendricks (SPD) mache Klimaschutzappelle und Gabriel schaffe Kohle-Fakten.

Kommentare (11)

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Frau Helga Trauen

25.07.2014, 07:44 Uhr

Dieser Artikel zeigt nur, wie entsetzlich dumm die Deutschen sind. Am deutschen Ökowesen soll die Welt genesen! Ekelhaft!

Herr Uwe Hans

25.07.2014, 07:59 Uhr

Und immer wieder diese Klimawandel Lüge.... wann hört der Schwachsinn endlich auf ?
"Unsere" Politiker sind alle korrupt - oder Lachnummern !
Und der tumbe deutsche Michel schläft weiter seinem Untergang entgegen ...
Mit dem jetz kommenden FALSE FLAG Terror ändert sich vieles. Wenigstens fliegen all die jetzigen amtierenden Politnasen aus dem Fenster....

Herr W. H.

25.07.2014, 08:37 Uhr

Wir haben halt nur Lachnummern auf diesem Posten.
Da darf sich jeder einmal üben. Kompetenz ist wohl nicht notwendig. Wichtige Sachen macht sowieso Mutti.

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