Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

17.03.2017

12:57 Uhr

Zufriedenheit der Deutschen

Eigentlich ist doch alles tipptopp

Seit der Wiedervereinigung sind die Deutschen zunehmend zufriedener, wie aus einer aktuellen Studie hervorgeht. Geringere Unterschiede zwischen Osten und Westen, aber auch bewältigte Krisen sind entscheidende Gründe.

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) zeigt mit einer Langzeitstudie, dass die Deutschen so zufrieden wie schon lange nicht mehr sind. dpa

Lebenszufriedenheit

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) zeigt mit einer Langzeitstudie, dass die Deutschen so zufrieden wie schon lange nicht mehr sind.

BerlinDank der robusten Konjunktur sind die Deutschen einer Studie zufolge derzeit so zufrieden wie noch nie seit der Wiedervereinigung. Grund sei vor allem ein Aufholprozess in Ostdeutschland, teilte das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) am Freitag mit. Demnach sind die Menschen im Osten auch nach mehr als 25 Jahren nicht ganz so zufrieden wie im Westen. Es sei zwar ernüchternd, dass es immer noch Unterschiede gebe, sagte DIW-Experte Jürgen Schupp. "Der Abstand zwischen Ost und West hat sich aber über die Jahre maßgeblich verringert und ist so niedrig wie noch nie."

Den Grund für die relativ große Zufriedenheit sieht Schupp darin, dass Deutschland zuletzt viele Krisen erfolgreich bewältigt habe. So habe anders als in anderen Ländern etwa die Finanz- und Wirtschaftskrise nicht zu mehr Arbeitslosigkeit geführt und die Wirtschaft nicht aus dem Takt gebracht.

So verschieden sind Ost und West

Wirtschaft

„Blühende Landschaften“ gibt es im Osten eher wenige. Die Wirtschaftskraft liegt ein Drittel unter dem Niveau der westdeutschen Länder. Und: Die Lücke schließt sich seit einiger Zeit kaum noch. (Quelle: dpa)

Verdienst

Ostdeutsche verdienen viel weniger. So betrug der mittlere Bruttomonatslohn im Westen zuletzt 3094 Euro, im Osten nur 2317 Euro.

Arbeitslose

Die Kluft zwischen Ost und West wird immer kleiner. In Ostdeutschland ist die Arbeitslosenquote auf dem tiefsten Stand seit 1991. Trotzdem beträgt sie noch 9,1 Prozent, im Westen 5,8 Prozent.

Rente

Wegen des früheren Berufseinstiegs in der DDR sind Renten im Osten meist höher. Zuletzt bekamen Männer im Schnitt 1096 Euro, Frauen 755 Euro. Im Westen: Männer 1003 Euro, Frauen 512 Euro.

Vermögen

Ostdeutsche besitzen nicht einmal halb so viel. Während Erwachsene im Westen im Schnitt über 94 000 Euro verfügen, sind es im Osten nur 41 000 Euro. Der Durchschnittswert selbst genutzter Immobilien liegt im Westen bei 151 000, im Osten bei 88 000 Euro.

Kinderwunsch

In Westdeutschland ist der Kinderwunsch deutlich ausgeprägter. Nach einer Forsa-Umfrage möchten 63 Prozent der jungen Erwachsenen hier auf jeden Fall Kinder, im Osten nur 47 Prozent.

Kinderbetreuung

In der DDR gehörte die Krippe zum Alltag, das wirkt bis heute nach. 2013 war die Betreuungsquote im Osten mit 49,8 Prozent noch mehr als doppelt so hoch wie in den westdeutschen Ländern mit 24,2 Prozent.

Verkehrstote

Ostdeutsche Straßen sind gefährlicher - und besonders gefährlich sind die in Brandenburg. Bei Verkehrsunfällen starben 2013 dort 69 Menschen pro eine Million Einwohner, in Sachsen-Anhalt 61. Im Bundesdurchschnitt waren es gerade mal 41.

Musik

Ob Helene Fischer oder Tim Bendzko: Musik mit deutschem Text ist im ganzen Land beliebt, nach einer Umfrage im Osten (84 Prozent) aber noch deutlich stärker als im Westen (74 Prozent).

Sterbehilfe

Rund 82 Prozent der Ostdeutschen wünschen sich einer Forsa-Umfrage zufolge bei einer schweren Erkrankung Sterbehilfe. In Westdeutschland sind es nur 67 Prozent.

Studenten

Sie können sich im Osten wegen niedrigerer Mieten mehr leisten. Laut Umfrage zahlt jeder zweite weniger als 300 Euro Miete, im Westen nur jeder dritte. Für Ausgehen oder Hobbys geben Studenten im Osten im Schnitt 178 Euro aus, 16 Euro mehr als die Kommilitonen im Westen.

Kirche

Die historisch gewachsene Kluft bleibt groß: 2011 waren noch 25 Prozent der Menschen im Osten Mitglied der katholischen oder evangelischen Kirche, im Westen 70 Prozent.

Stimmung

Nach einer Umfrage von Infratest dimap bewerten etwa 75 Prozent der Ostdeutschen die Wiedervereinigung positiv. In Westdeutschland sieht dagegen nur rund die Hälfte der Befragten (48 Prozent) mehr Vor- als Nachteile.

In der Langzeitstudie SOEP befragt das DIW seit 1984 jährlich mehr als 10.000 Personen. Auf einer Skala von null ("ganz und gar unzufrieden") bis zehn ("ganz und gar zufrieden") geben diese an, wie zufrieden sie derzeit alles in allem mit ihrem Leben sind. Nach den aktuellsten, verfügbaren Daten von 2015 liegt die Zufriedenheit im Schnitt bei rund 7,5 Punkten. Der tiefste Stand seit der Wiedervereinigung betrug 2004 rund 6,9 Zähler. Damals wurden die Arbeitsmarktreformen der Agenda 2010 umgesetzt. Die Hartz-IV-Reformen trugen Fachleuten zufolge danach allerdings zu einem anhaltenden Aufschwung bei.

Von

rtr

Kommentare (6)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

17.03.2017, 13:21 Uhr


Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Herr Old Harold

17.03.2017, 13:29 Uhr

"Wenn es der Kuh zu gut geht, geht sie auf´s Eis!"
(Volksmund)

Bereits unser großer Bundeskanzler Konrad Adenauer musste in einem seiner Wahlkämpfe werben:

"Keine Experimente!"

Account gelöscht!

17.03.2017, 14:00 Uhr


Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×