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11.09.2013

12:47 Uhr

Zukunft der SPD

Gabriels Chefsessel beginnt zu wanken

Noch ist alles drin für die SPD im Wahlkampf. Aber hinter den Kulissen werden auch Szenarien gewälzt, falls es für Rot-Grün und einen Kanzler Steinbrück nicht reichen sollte. Besonders Sigmar Gabriel steht unter Druck.

Der SPD-Bundesvorsitzende Sigmar Gabriel. dpa

Der SPD-Bundesvorsitzende Sigmar Gabriel.

BerlinWenn ein Politiker einer Frage ausweichen möchte, lautet die Antwort gerne: „Diese Frage stellt sich nicht.“ So hat es in dieser Woche die stellvertretende SPD-Vorsitzende Hannelore Kraft bei der Frage nach einer Jobgarantie für Parteichef Sigmar Gabriel im Falle einer Niederlage bei der Bundestagswahl getan.

Angesprochen auf mögliche Absprachen zwischen Kraft und Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz über denkbare Nachfolgeoptionen spricht Generalsekretärin Andrea Nahles von „Spekulationen, die jeglicher Grundlage entbehren“.

Während Kanzlerkandidat Peer Steinbrück neuen Mut schöpft und die Umfragen besser werden, laufen bei einflussreichen Ländervertretern auch Was-wäre-wenn-Überlegungen. Reicht es nicht für Rot-Grün, aber auch nicht für Schwarz-Gelb, könnte Steinbrück bei möglichen Verhandlungen über eine große Koalition noch mitmischen, er will aber nicht nochmal Minister unter Kanzlerin Angela Merkel (CDU) werden. Frank-Walter Steinmeier, der Steinbrück weit näher als Gabriel steht, könnte Bundestagsfraktionschef bleiben oder erneut Minister werden.

Klappt es mit Rot-Grün nicht und Steinbrück scheidet bis Herbst aus der „Troika“ aus, bliebe eine fragile Achse Gabriel-Steinmeier. Gut vernetzte Genossen berichten jedoch von Unmut über Gabriel und räumen Scholz im Falle einer Ablösung Chancen ein. Wenn nicht die beliebtere Kraft den Finger hebt.

Aber mit Blick auf Scholz sagt ein führender Sozialdemokrat auch: „Er fährt da gerade einen ziemlich riskanten Kurs.“ So sei seine jüngste Empfehlung für ein stärkeres wirtschaftspolitisches Profil („Ich finde, die SPD sollte das sozialliberale Erbe antreten“) zum jetzigen Zeitpunkt unpassend - will sich da einer für mögliche Neubesetzungen in Stellung bringen?

Das Interview in der „Welt am Sonntag“ wurde in der Partei aufmerksam gelesen. Scholz lässt viele Dinge offen. Auf die Frage „wie stark muss die SPD am 22. September werden, damit Gabriel Parteichef bleiben darf“, antwortet er lapidar: „Das Wahlergebnis wird besser sein als das, was uns zugetraut wird.“ Und wenn nicht?

Letztlich haben sowohl Kraft als auch Nahles Recht: Bis zum 22. September, 18 Uhr, wird sich diese Frage öffentlich nicht stellen - bis dahin sind alles nur Spekulationen. Fakt ist aber: Gabriel hat Gegner in Vorstand, Fraktion und Ländern, während die Basis seine Bastion ist. 2009 wurde er nach dem 23-Prozent-Debakel auch deshalb zwölfter SPD-Chef seit 1949, weil er mit seinem Kampf gegen längere Atomlaufzeiten der einzige Gewinner des SPD-Wahlkampfes war.

Kommentare (9)

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11.09.2013, 13:00 Uhr

Ähnliche Töne hörten wir nach der vorigen Wahl.
Diese Partei ist so verkrustet und so stark vom Seeheimer Kreis dominiert, dass sie eher auf Wahlerfolge verzichtet als wieder zu dem zu werden, was sie vor Schröder war.
Im Grunde ist es auch heute noch so, wie es Kurt Tucholsky einst schilderte:
„Es ist ein Unglück, dass die SPD „Sozialdemokratische Partei Deutschlands“ heißt. Hieße sie seit dem 1. August 1914 Reformistische Partei oder Partei des kleinern Übels oder Hier können Familien Kaffee kochen oder so etwas –: vielen Arbeitern hätte der neue Name die Augen geöffnet, und sie wären dahingegangen, wohin sie gehören: zu einer Arbeiterpartei. So aber macht der Laden seine schlechten Geschäfte unter einem ehemals guten Namen.“
Demokratie ist nur gesund, wenn der Wähler solide Alternativen hat. Die sPD hat dafür gesorgt, dass es sie nicht mehr gibt und wird das mit oder ohne Gabriel auch weiterhin tun.

Account gelöscht!

11.09.2013, 13:02 Uhr

Bei der SPD kommt nicht zuerst der Kanzlerkandidat Steinbrück, sondern der Ostdeutsche Sigmar Gabriel, der Kanzler werden wird, wenn es für die Macht nur mit der Linken reicht. Steinbrück hat bei seinem kategorischen Nein zur Linken nur für sich alleine gesprochen und nicht für seine Partei die SPD. Das sollte man bei der Bundestagswahl im Blick behalten!!!

otto936

11.09.2013, 13:25 Uhr

Warum posten Sie in jedem erreichbaren Forum denselben Blödsinn ?
Gabriel kommt aus Goslar - WESTdeutschland.
Wollen sie das nicht verstehen, oder vernebelt der Hass auf die SPD Ihr Hirn ?

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