Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

14.04.2011

15:32 Uhr

Zukunft des RWE-Chefs

SPD trommelt für Ablösung von Jürgen Großmann

VonDietmar Neuerer

ExklusivRWE-Chef Jürgen Großmann gerät wegen seines strikten Atomkurses immer mehr ins Abseits. Die SPD macht nun massiv Front gegen ihn, weil sie in Großmann das Haupthindernis für eine schnelle Energiewende sieht.

RWE-Chef Jürgen Großmann

RWE-Chef Jürgen Großmann

DüsseldorfGroßmann habe RWE in eine "gesellschaftliche und wirtschaftliche Außenseiterrolle manövriert", sagte der Vize-Vorsitzender der SPD-Fraktion im Bundestag, Ulrich Kelber, Handelsblatt Online. "Mit seinem Festhalten an Atomenergie und Uralt-Kohlemeilern, die sich beide nicht mit dem Ausbau Erneuerbarer Energien vertragen, gefährdet er auch die wirtschaftliche Zukunft des Unternehmens und damit der Arbeitsplätze bei RWE." Die Zukunft gehöre vielmehr einer dezentralen und wettbewerblichen Energieerzeugung. Doch Großmann wolle immer noch "mit den alten Brachialmethoden sein zentralistisches Monopol" retten. "Diese Strategie ist sichtbar schon jetzt gescheitert."

Auch der energiepolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Rolf Hempelmann, kritisiert die aktuelle Positionierung des Unternehmens unter Führung von Jürgen Großmann in der Frage der Atompolitik deutlich. RWE müsse jetzt überlegen, wie es zu einem modernen Energie-Dienstleister werden wolle. "Dem Konzern würde deshalb eine Führungspersönlichkeit gut tun, die in der Lage ist, RWE zur treibenden Kraft zu machen beim Umstieg hin zu Erneuerbaren Energien und einem klugen und bezahlbaren Energiemix", sagte der Essener Abgeordneter Handelsblatt Online. Großmann handele nicht im langfristigen Interesse des Unternehmens und der Aktionäre - vor allem der Kommunen, betonte Hempelmann. "Sinnvoller wäre es, wenn sich grade ein Traditionskonzern wie RWE an die Spitze einer Energiewende stellen würde", sagte das Mitglied im Bundestagsausschuss für wirtschaft und Technologie.

Großmann kämpft er derzeit wie kein anderer der AKW-Bosse für den Erhalt der Meiler, die den Konzernen Milliardengewinne in die Kassen spülen. Statt auf Schmusekurs zur Bundesregierung zu gehen, hat der bullige Manager gegen das Atom-Moratorium von Bundeskanzlerin Angela Merkel Klage eingereicht - als einziger Betreiber. Auf der Hauptversammlung des Versorgers am Mittwoch kommender Woche in Essen dürfte es zum Schlagabtausch kommen.

Auch aus der NRW-SPD kommt harsche Kritik am Pro-Atom-Kurs des RWE-Chefs. Großmann habe kein Energiekonzept für die Zukunft. "Der Konzern hätte in den vergangenen Jahr deutlich mehr Engagement im Bereich alternativer Energieträger zeigen und ein klares Signal setzen müssen, wohin man sich entwickeln will", sagte Thomas Eiskirch, Sprecher für Wirtschaft, Mittelstand und Energie der SPD-Fraktion im Düsseldorfer Landtag Handelsblatt Online. "Stattdessen hat die Konzernspitze das Thema Laufzeitverlängerung wie eine Monstranz vor sich her getragen." Jetzt sei der Aufsichtsrat gefordert, betonte Eiskirch. "Er muss sich überlegen, wie sich das Unternehmen strategisch langfristig aufstellen will und welche Personal dazu passt."

Kommentare (14)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

14.04.2011, 16:04 Uhr

Selbst "die SPD" ist jetzt der Meinung, das Personen keine eigene Meinung mehr haben und vertreten dürfen.
Na dann gute Nacht.

Wolle

14.04.2011, 16:20 Uhr

Zitat:" SPD trommelt für Ablösung von Jürgen Großmann."

Wir, die Aktionäre der Unternehmen von E.ON und RWE (Eigentümer der Unternehmen), sollten eine öffentliche Diskussion führen, ob Deutschland überhaupt noch der geeignete Standort für uns ist.

Gruß

Johannes

14.04.2011, 16:27 Uhr

Anscheinend hat die Politik (auf den Artikel bezogen, die SPD) noch nicht ganz verstanden, wo ihre Kompetenzen liegen und wo nicht. Sie haben die Rahmenbedingungen für die Wirtschaft und für eine nachhaltige Energiepolitik zusetzen und nicht lauthals zu fordern, dass ein Vorstandsmitglied ein Unternehmen falsch leite. Dies zu beurteilen obliegt dem Aufschichtsrat! Mit der Forderung der Ablösung von Herrn Großmann offenbart die Politik nur ihre eigene Inkompetenz.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×