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19.11.2013

12:53 Uhr

Zukunftsatlas 2013

Jung, erfolgreich, weg

VonRaphael Moritz

Studenten gut auszubilden ist teuer. Viele Absolventen verschwinden nach dem Abschluss wieder – andere Kommunen freuen sich über Steuerzahler und Fachkräfte zum Nulltarif. Betroffen ist vor allem ein Landstrich.

Und tschüss: Viele Städte haben damit zu kämpfen, dass Studenten nach dem Abschluss nicht in ihrer Unistadt wohnen bleiben.

Und tschüss: Viele Städte haben damit zu kämpfen, dass Studenten nach dem Abschluss nicht in ihrer Unistadt wohnen bleiben.

KölnStudentenstädte sind lebendig, jung und beliebt - ein Image, um das viele Städte kämpfen, denn junge Akademiker bringen Steuereinnahmen und stärken die lokale Wirtschaft mit ihrer Arbeitskraft. Doch Studenten auszubilden ist teuer. Erst recht, wenn nach dem Studium ein großer Teil wieder zurück in die Heimat oder sogar ins Ausland geht. Davon betroffen ist vor allem der Osten Deutschlands, zeigt der Prognos-Zukunftsatlas.

Ein Beispiel dafür ist die Stadt Jena in Thüringen: „Das Studium ist für junge Menschen oft ein Intermezzo an einem neuen Ort. Am Ende geht’s dann aber häufig wieder nach Hause zurück“, sagt Thomas Klose, Studienberater und Leiter des Career Services der Friedrich-Schiller-Universität Jena.

Gerade Studenten, die aus dem Westen kommen, gehen oft wieder in ihre alte Heimat zurück, erklärt Klose. Das liegt vor allem an der fehlenden beruflichen Perspektive für die Absolventen. „Große Unternehmen wie Daimler oder Bayer haben wir hier nun mal nicht.“

Zum Studium werden viele potenzielle Studenten mit Begrüßungsgeldern und Wohnangeboten gelockt. In Jena gab es im vergangenen Jahr 240 Euro für jeden Studenten, der seinen Wohnort nach Jena verlegt hat. In Frankfurt an der Oder etwa erlässt die städtische Wohnungswirtschaft den Studenten die ersten sechs Monatsmieten, um die studentischen Pendler aus Berlin in die Stadt zu holen. In Greifswald erhalten neue Studenten, die in der Hansestadt ihren Wohnort anmelden, 100 Euro.

Doch haben sie erst einmal ihren Abschluss in der Tasche, geht der Kampf um die jungen, gut Ausgebildeten erst richtig los. Universitäten und Städte versuchen mit speziellen Förderprogrammen die Absolventen in der Stadt oder der Region zu halten. Das Servicezentrum Forschung und Transfer der Uni Jena bietet jungen Akademikern beispielsweise Hilfen bei der Unternehmensgründung.

Trotzdem: In Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt bleiben nur rund die Hälfte der jungen Akademiker ihrem Studienort treu. Die andere Hälfte geht nach dem Abschluss nach Berlin, Bayern oder Nordrhein-Westfalen, ergab eine aktuelle Studie des Mitteldeutschen Rundfunks. In Gesamtdeutschland verlassen nach Angaben der Absolventenforschung des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung vier von zehn Hochschulabsolventen das Bundesland, indem sie studiert haben.

Wo die Chancen am höchsten – und am niedrigsten sind

Vorreiter Bayern

Von den 15 Regionen, denen der Prognos-Zukunftsatlas 2013 die besten Chancen einräumt, liegen allein neun in Bayern: Coburg, Landshut und Ebersberg belegen im Ranking der Regionen mit den besten Chancen die Plätze 14, 13 und 12. Auf Rang 15 schafft es der hessische Main-Taunus-Kreis. Dort nahm besonders die Leistungsfähigkeit der Beschäftigten zu.

Gute Chancen im Süden

Auch Baden-Württemberg ist immerhin drei Mal unter den Top 15: Heidelberg (das Plus sind dort der hohe Anteil junger Erwachsener) und Stuttgart mit einem hohen Anteil Hochqualifizierter kommen auf Rang 11 und 10. Am besten aus Baden-Württemberg schneidet Böblingen auf Rang fünf ab. Dort ist die Entwicklung der Hochqualifizierten besonders gut.

Die Auto-Stadt

Auch Wolfsburg hat es in die Top 15 der Regionen mit den besten Zukunftschancen geschafft. Die VW-Stadt in Niedersachsen landet auf Rang neun. Positiv wirkte sich dort vor allem der niedrige Verschuldungsgrad aus.

Die Verfolger

Auf den Plätzen fünf bis acht landen mehrheitlich wieder bayrische Städte: Starnberg (8) zeichnet ein hoher Wohlstand und eine hohe Kaufkraft aus, Regensburg (7) eine hohe Arbeitsplatzdichte. Auf Platz sechs schafft es die hessische Stadt Darmstadt mit einer positiven Entwicklung von Hochqualifizierten. Auf Rang fünf liegt Böblingen (Baden-Württemberg).

Die Spitzengruppe

Nirgendwo sind die Chancen so gut wie in Bayern. Die ersten vier Plätze gehen an das südlichste Bundesland. Auf Rang vier liegt die Audi-Stadt Ingolstadt mit vielen Beschäftigten in deutschen Zukunftsfeldern, Erlangen mit eine hohen Anteil Hochqualifizierter ist Dritter, die Landeshauptstadt München steht auf Rang zwei. Spitzenreiter des Rankings ist der Landkreis München.

Schlechte Aussichten

Ganz unten im Ranking der Regionen liegen die Landkreise Stendal (Platz 401), Vorpommern-Rügen (Platz 400) und die Uckermark (Platz 399). Der größte Teil der Uckermark liegt im Bundesland Brandenburg, ein kleiner Teil gehört zu Mecklenburg-Vorpommern.

Extreme Risiken...

... gibt es vor allem in Prignitz. Der Landkreis in Brandenburg liegt ganz hinten im Ranking. Besonders negativ wirkt sich die niedrige Zahl von Beschäftigten mit hoher Qualifikation aus.

„Für die regionale Entwicklung sind Uni-Absolventen eine wichtige Ressource“, sagt Annekatrin Niebuhr vom Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg. „Sie bringen neues Wissen und sind wesentlicher Faktor für Wachstum und Innovation.“

Das hat man auch in Dortmund erkannt. Die Ruhrgebietsstadt belegt in Punkto Dynamik und Stärke im Zukunftsatlas einen der hinteren Ränge. Damit die Absolventen der Technischen Universität dennoch in Dortmund bleiben, versucht die Wirtschaftsförderung der Stadt, durch eine Gründungsförderung junge Unternehmen in Dortmund zu halten. Mit dem Projekt „High Potentials“ knüpft die Stadt Kontakte zwischen Uni und Unternehmen. So konnten nach Angaben der Dortmunder Wirtschaftsförderung schon mehr als 300 Absolventen in der Stadt gehalten werden.

Kommentare (19)

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angela-wendehals

19.11.2013, 13:05 Uhr

Ein sehr positiver Ansatz, gefällt mir.

Auch wenn nur Wenige, aber ein paar von diesen normal und korrekt ausgebildeten Fachkräften wird bleiben und evtl. sogar dort eine Unternehmensgründung vornehmen.

[...]

Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

Der_Techniker

19.11.2013, 13:13 Uhr

Daß man nicht am Studienort verbleibt ist ganz normal und keine aktuelle Entwicklung. Man studuert ja auch nicht unbedingt da wo man aufgewachsen und zur Schule gegangen ist.
Wo es keine Perspektive für im Verhältnis große Anzahl an aufgebildeten Akademikern gibt, da helfen auch keine "High Potential" Projekte wie in Dortmund. Das ist rausgeschmissenes Geld.
Der Markt regelt das von alleine. Einen Fachkräftemangel gibt es nicht, sonst würden die Unternehmen sich ja in Richtung der potentiellen Arbeitnehmer bewegen.

nostradamus

19.11.2013, 13:18 Uhr

Wir benötigen endlich flächendeckend Studiengebühren. Jeder sollte sein Studium selbst voll bezahlen, damit wären die Hochschulen wirtschaftlich besser ausgestattet, Studenten würden nur die Zeit die ein Studium auch dauert und abwandernde Fachkräfte hätte man wenigstens nicht kostenlos ausgebildet. Ja klar! Zugang zu Bildung unabhängig vom Einkommen, deswegen müsste jeder unabhängig vom Elterneinkommen, ein Studiendarlehen oder Ähnliches bekommen und bei der Rückzahlung könnte man Leistungsanreize setzen, wer z.B. schneller fertig ist oder besonders gute Leistungen erbracht hat und anschließend zunächst in Deutschland arbeitet, muss nur einen Teil des Geldes zurück bezahlen.

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