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13.07.2014

16:19 Uhr

Zum 60. Geburtstag der Kanzlerin

Ist Merkel nur noch „Mutti auf Abruf“?

Am Donnerstag wird Angela Merkel 60 – das heizt die Debatte um ihre Zukunft erneut an. Kritik perlt an der „Welt-Mutti“ konsequent ab, sie definiert bereits die Linien über 2017 hinaus. Alternativen sind rar.

Angela Merkel in einem Münchener Bierzelt im Mai 2013: Am Donnerstag feiert die deutsche Bundeskanzlerin ihren 60. Geburtstag. Reuters

Angela Merkel in einem Münchener Bierzelt im Mai 2013: Am Donnerstag feiert die deutsche Bundeskanzlerin ihren 60. Geburtstag.

BerlinWenn der Konstanzer Historiker Jürgen Osterhammel am 17. Juli im Konrad-Adenauer-Haus ans Pult schreitet, wird er nicht nur einen Vortrag mit dem sperrigen Titel „Vergangenheiten: Über die Zeithorizonte der Geschichte“ halten. Er leistet auch einen wichtigen Beitrag zum gewünschten Image von Angela Merkel. Zum 50. Geburtstag hatte die CDU-Vorsitzende noch einen Hirnforscher reden lassen, weil sich die ostdeutsche Protestantin nicht groß feiern lassen wollte. Zum 60. Geburtstag ist die subtile Botschaft nach außen: Auch nach achteinhalb Jahren Regierungszeit ist Merkel immer noch dieselbe. Andere mögen rauschende Partys geben. Die Physikerin dagegen will, dass sie und ihre Gäste etwas lernen.

Doch der Eindruck reiner Kontinuität und professoraler Biederkeit täuscht. Denn nach einem halben Jahr ihrer dritten Amtszeit als Regierungschefin prägen zwei andere Aspekte das Bild der ersten deutschen Kanzlerin: Zum einen erhält sie auf internationalem Parkett einen unverkennbaren Star-Status. Weil die Innenpolitik derzeit vor allem aus der Umsetzung eines detailliert vereinbarten Koalitionsvertrages besteht, rätseln viele, was sie bis 2017 in Europa und der Welt vorhat.

Die Biographie der Angela Merkel - Teil 1

Die Anfänge

Angela Dorothea Merkel (geb. Kasner) wurde am 17. Juli 1954 in Hamburg geboren. Sie war das erste Kind des evangelischen Theologen Horst Kasner und seiner Frau Herlind.

Die Eltern

Horst Kasner hatte ab 1948 an den Universitäten Heidelberg und Hamburg sowie an der Kirchlichen Hochschule Bethel in Bielefeld Theologie studiert. Seine Frau war Lehrerin für Latein und Englisch.

Umzug in die DDR

Noch 1954, einige Wochen nach der Geburt der Tochter, siedelte die Familie von Hamburg in die DDR über. Für die Evangelische Kirche in Berlin-Brandenburg trat Horst Kasner im Dorf Quitzow (heute ein Ortsteil von Perleberg) eine Pfarrstelle an. 1957 wechselte Kasner dauerhaft nach Templin, um sich am Aufbau einer innerkirchlichen Weiterbildungsstelle zu beteiligen. Angela Merkel wuchs im brandenburgischen Templin auf. Sie besuchte weder Kinderkrippe noch Hort, da ihrer Mutter die Tätigkeit im DDR-Schuldienst verwehrt wurde und sie deshalb Hausfrau war.

Polnische Wurzeln

In Polen erregte 2013 die Entdeckung polnischer Wurzeln von Angela Merkel erhebliche Aufmerksamkeit: Ihr Großvater, der Polizeibeamte Ludwig Kasner, hatte als Ludwig Kazmierczak in Posen gelebt und war später nach Berlin übergesiedelt.

Schulzeit

1961 wurde Angela Kasner an der Polytechnischen Oberschule (POS) in Templin eingeschult. Als Schulkind und Jugendliche wird sie von Lehrern und Mitschülern als eher unauffällig und als sozial gut integriert beschrieben. Auffallend waren ihre herausragenden schulischen Leistungen, insbesondere in Russisch und Mathematik. Sie gewann Russisch-Olympiaden auf verschiedenen Ebenen bis zur DDR-Ebene. In ihrer Schulzeit war sie Mitglied der Pionierorganisation Ernst Thälmann und später der Freien Deutschen Jugend (FDJ). 1973 legte sie an der Erweiterten Oberschule (EOS) in Templin mit einem Notendurchschnitt von 1,0 das Abitur ab.

Religion

Merkel nahm nicht an der in der DDR üblichen Jugendweihe ihres Jahrgangs teil, stattdessen wurde sie am 3. Mai 1970 in der St.-Maria-Magdalenen-Kirche in Templin konfirmiert.

Studium in Leipzig

Merkel hatte sich bereits während ihrer Schulzeit für das Studium der Physik an der damaligen Karl-Marx-Universität entschieden und begann 1973 ihr Studium in Leipzig. Merkels Diplomarbeit aus dem Juni 1978 mit dem Titel Der Einfluß der räumlichen Korrelation auf die Reaktionsgeschwindigkeit bei bimolekularen Elementarreaktionen in dichten Medien wurde mit „sehr gut“ bewertet. Die Arbeit war gleichzeitig auch ein Beitrag zum Forschungsthema Statistische und Chemische Physik von Systemen der Isotopen- und Strahlenforschung im Bereich statistische und physikalische Chemie am Zentralinstitut für Isotopen- und Strahlenforschung der Akademie der Wissenschaften der DDR (AdW).

Akademie der Wissenschaften

Nachdem 1978 eine Bewerbung an der Technischen Hochschule Ilmenau gescheitert war, ging Merkel mit ihrem Mann nach Ost-Berlin. Hier nahm sie eine Stelle am Zentralinstitut für physikalische Chemie (ZIPC) der Akademie der Wissenschaften der DDR in Berlin-Adlershof an. Am Zentralinstitut arbeiteten rund 650 Personen, davon etwa 350 Wissenschaftler. Merkel arbeitete in der Abteilung Theoretische Chemie.

Dissertation

Am 8. Januar 1986 reichte sie ihre Dissertation Untersuchung des Mechanismus von Zerfallsreaktionen mit einfachem Bindungsbruch und Berechnung ihrer Geschwindigkeitskonstanten auf der Grundlage quantenchemischer und statistischer Methoden ein. Die Arbeit wurde mit „sehr gut“ (magna cum laude) bewertet. Nach der damaligen Promotionsordnung musste dem Antrag auf Promotion der Nachweis beigefügt werden, dass die während des Studiums erworbenen Kenntnisse des Marxismus-Leninismus („ML“) wesentlich vertieft und erweitert worden waren. Merkel fertigte zum Nachweis eine schriftliche Arbeit mit dem Titel „Was ist sozialistische Lebensweise?“ an, die mit „genügend“ (rite) bewertet wurde. Doktorvater war der Leiter der Abteilung Theoretische Chemie am ZIPC Lutz Zülicke. Nach der Promotion zum Doktor der Naturwissenschaften (Dr. rer. nat.) wechselte Merkel innerhalb des Instituts in den Bereich Analytische Chemie, in dem Klaus Ulbricht ihr Abteilungsleiter wurde.

Zum anderen aber wabert seit der Bundestagswahl eine Nachfolgedebatte durch die Republik. Und die, so räumen auch ihre Mitarbeiter und Parteifreunde ein, dürfte sie nicht mehr loslassen – schon weil niemand weiß, wie lange Merkel eigentlich im Amt bleiben möchte. Dabei gibt es immer mehr Hinweise, dass sie gerade aus der Außenpolitik eine längerfristigere Perspektive ableitet – auch für ihre Kanzlerschaft. Kein Zufall also, dass mit Osterhammel ein Historiker ausgewählt wurde, der ein Spezialist für Weltgeschichte und nicht für bundesrepublikanische oder europäische Nabelschau ist. Der „Spiegel“ nährte die Merkel-Spekulationen am Sonntag mit einem Bericht, wonach die Kanzlerin vor dem nächsten Wahltermin freiwillig zurücktreten könnte.

Kommentare (12)

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14.07.2014, 11:26 Uhr

Merkel hat die Werte der Union verraten und bleibt was sie schon immer war...ein Steigbügelhalter für eine Öko-Sozialistische Ideologie im schwarzen Gewand.
Diese Frau steht dem Diktat eines sozialistischen Gedankengut näher als der Freiheit einer Marktwirtschaft.
Der wirtschaftliche und wohlstandsschaffende Untergang für die deutsche Gesellschaft hat spätestens mit der Merkel-Diktatur-Ära seinen Anfang in Deutschland und zusehends in Europa genommen. ESM und EEG stehen für diese sozialistische Untergangs-Merkel-Regierung!

Account gelöscht!

14.07.2014, 12:11 Uhr

@Der Zahlmeister
Ich frage mich nur, wann dies auch endlich die CDU-Merkel Untergebenen (Unions-Mitglieder) begreifen werden.

Frau Ellis Müller

14.07.2014, 12:44 Uhr

@Herr Marc Hofmann
Woher sollte die Dame etwas anderes denn kennen? Sie wuchs in der DDR auf, wurde da geprägt und handelte eben wie sie es gelernt hat. Dies trifft gleichfalls auch Gauck zu.

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