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28.01.2013

14:54 Uhr

Zum achten Mal in Folge

Wieder weniger Kredite in der Euro-Zone vergeben

Die Summe der vergebenen Kredite ist im Dezember ein weiteres Mal gesunken. Für eine Trendwende sehen Analysten noch keine Anzeichen. Und solange das nicht der Fall sei, werde es auch nichts mit der Konjunkturerholung.

Gebündelte Zehn-Euro-Banknoten. dpa

Gebündelte Zehn-Euro-Banknoten.

FrankfurtDie Kreditvergabe der Banken in der 17 Euro-Ländern bleibt schwach. Wie die Europäische Zentralbank (EZB) am Montag in Frankfurt mitteilte, sank die Summe der in der Euro-Zone an Unternehmen und private Haushalte ausgereichten Darlehen im Dezember um 0,7 Prozent und damit den achten Monat in Folge. Damit festigt sich der Trend, dass die niedrigen Zinsen der EZB nicht auf Unternehmensinvestitionen und Verbrauch durchschlagen - obwohl zahlreiche Stimmungsindikatoren auf ein Ende der heftigen Rezession in weiten Teile der Währungsunion hindeuten.

Heinrich Bayer von der Postbank zeigte sich entsprechend enttäuscht von den Daten: "Auf der Kreditseite sind noch keine Anzeichen einer Trendwende nach oben zu beobachten. Solange das so bleibt, wird die von uns erwartete konjunkturelle Belebung keine Dynamik entwickeln können."

Wo Banker die größten Probleme sehen

Bankenaufsicht und Regulierung

Die größten Probleme sehen die Manager von Finanzhäusern in der verschärften Bankenaufsicht und der Regulierung. 94 Prozent nannten dies als größte Herausforderung der Branche für die Jahre 2013 bis 2015. Die Unternehmensberatung Steria Mummert und Forsa befragten 120 Führungskräfte aus 120 Kreditinstituten. 100 davon aus Deutschland, 20 aus Österreich. Die Studie wurde im November 2012 veröffentlicht.

Kosten

An zweiter Stelle stehen die Kosten: 75 Prozent der Bank-Manager sehen den Renditedruck auf der Branche lasten.

Risikomanagement

Im Zuge der Finanzkrise und der verschärften Regulierung müssen die Banken besser mit ihren Risiken umgehen. Dementsprechend sehen immerhin 74 Prozent der befragten Banker den Umbau des Risikomanagements als Herausforderung.

Vertrieb und Kundenmanagement

Ebenfalls große Probleme sehen die Finanzhäuser im Vertrieb und Kundenmanagement. Hier sehen 71 Prozent der Bank-Lenker Herausforderungen.

Wettbewerb

Neue Anbieter, auch aus fremden Branchen, drängen in das Stammgeschäft der Geldhäuser. 71 Prozent der Finanzmanager sehen dies als Problem.

Finanz- und Schuldenkrise

Die Situation auf den Finanzmärkten belastet natürlich auch die Banken. Dementsprechend beobachten 70 Prozent der Geldhaus-Lenker die Lage in Griechenland und den Kapitalmärkten gespannt.

Demographische Entwicklung

Mit etwas Abstand, aber dennoch mit großer Sorge, betrachten die Banker die Alterung der Bevölkerung. Die demographische Entwicklung betrachten immerhin 68 Prozent der von Steria Mummert und Forsa befragten als Herausforderung.

Optimierung der Geschäftsprozesse

Rund 63 Prozent der Geldhaus-Manager erachten den Umbau von Betriebsabläufen als Herausforderung.

Konjunktur

Weniger Sorge bereitet den Bank-Lenkern offenbar die Entwicklung der Konjunktur. Nur 53 Prozent gaben dies als Problem an.

Kreditrisiko

Kreditrisiken bringen die Banker auch nicht um den Schlaf: Nur 39 Prozent bereitet dieses Thema Sorgen.

Optimierung der Informationstechnik

Die Verbesserung der hauseigenen Computersysteme sehen 38 Prozent der Befragten als Herausforderung.

Liquiditätsmanagement

Die geringsten Sorgen bereitet den Bank-Lenkern das Liquiditätsmanagement. Nur 32 Prozent sehen dies als Problem.

Michael Schubert von der Commerzbank geht davon aus, dass es die geringe Nachfrage nach Krediten in der Rezession ist, die sich aus den Daten ablesen lässt. "Eine Besserung ist erst zu erwarten, wenn die Konjunktur wieder anspringt." Jedoch dürfe beim Blick auf die von der EZB veröffentlichte Durchschnittszahl nicht übersehen werden, "dass Angebotsbeschränkungen zumindest in einigen Euro-Ländern eine größere Rolle bei der Kreditvergabe spielen dürften".

Während im November lediglich die Summe der an Unternehmen vergebenen Darlehen gesunken war und private Haushalte noch ein Plus verzeichneten, erhielten Firmen im Dezember insgesamt 22 Milliarden Euro und Haushalte drei Milliarden Euro weniger von den Banken. Sehr stark waren die beiden Krisenländer Spanien und Portugal davon betroffen.

Nach Ansicht der Ökonomin Marie Diron von Oxford Economics wird es noch eine ganze Weile dauern, bis sich die Lage bessert: "Die inzwischen viel größere Zuversicht hinsichtlich der Zukunft der Euro-Zone hat sich bislang zwar an den Märkten niedergeschlagen. Es wird aber Zeit brauchen, bis das auch Effekte nach sich zieht bei der Kreditverfügbarkeit und beim Wirtschaftswachstum.

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Das Wachstum der für die Zinspolitik der EZB wichtigen Geldmenge M3 lag im Dezember nur noch bei 3,3 (November: 3,8) Prozent und damit deutlich unter dem von Analysten erwarteten Wert von 3,9 Prozent. Im gleitenden Dreimonatsdurchschnitt (Oktober/Dezember) erhöhte sich M3 um 3,7 Prozent. M3 umfasst unter anderem Bargeld, Einlagen auf Girokonten, kurzfristige Geldmarktpapiere sowie Schuldverschreibungen mit bis zu zwei Jahren Laufzeit. Eine stark wachsende Geldmenge signalisiert potenzielle Inflationsgefahr.

Von

rtr

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

28.01.2013, 16:14 Uhr

Es ist schon ein absoluter Rückgang der Kreditnachfrage verheerend Aber noch viel schlimmer: Die Geldmenge ist inflationsbereinigt in einer Stagnation, obwohl viele Anlagen wegen der niedrigen Zinsen nur kurzfristig gehalten werden. Das bedeutet, dass selbst die niedrigen Zinsen keine Investitionstätigkeit auslösen. Europa sitzt in der Liquiditätsfalle. Bei einem derartigen Investitionsklima werden pro Jahr 1,5% Arbeitskräfte abgebaut. Die Eurozone hat die Talsohle noch vor sich!
Wir verweisen auf fortunanez, Tageskommentar vom 16. November. Dass zeitgleich Dr. Merkel in Davos von einem EU-Pakt zu mehr Wettbewerbsfähigkeit träumt braucht man nicht mehr kommentieren.

Realistin

28.01.2013, 17:03 Uhr

Wer soll denn hier noch groß Kredit aufnehmen, wo doch die Masse verschuldet ist und der Betrug der Banken aufgeflogen ist!!

Das System wird crashen!! Das ist alles nur eine Frage der Zeit!

Wir brauchen ein Reset des Systems!!!!

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