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25.09.2014

02:46 Uhr

Zunehmende Leiden

Psychotherapeuten fordern mehr Geld

Immer mehr Deutsche leiden laut Branchenverbände an psychischen Erkrankungen: Um die Patienten besser therapieren zu können, benötigen Psychologen eine bessere finanzielle Ausstattung. Die Forderung kommt mit Nachdruck.

Das Symbolfoto zeigt eine depressive Frau an ihrem Arbeitsplatz: Psychotherapeuten fordern eine bessere finanzielle Ausstattung, um Patienten ordentlich therapieren zu können. dpa

Das Symbolfoto zeigt eine depressive Frau an ihrem Arbeitsplatz: Psychotherapeuten fordern eine bessere finanzielle Ausstattung, um Patienten ordentlich therapieren zu können.

BerlinWegen zunehmender psychischer Leiden in der Bevölkerung fordern Deutschlands Psychotherapeuten eine bessere finanzielle Ausstattung. „Wir wollen in der Lage sein, unsere Patienten zeitnah und unter ordentlichen Bedingungen zu therapieren“, stellten die Verbände der Psychologischen Psychotherapeuten, der Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeuten sowie der ärztlichen Psychotherapeuten und Psychiater in Berlin fest.

In acht Schritten zum Burn-Out

Erster Schritt

Es beginnt alles mit dem Wunsch, sich zu beweisen. Dieser aber treibt einen in den Zwang, sich noch mehr anzustrengen, noch mehr zu leisten bzw. es allen recht zu machen. Man nimmt jeden Auftrag an, sagt immer seltener Nein. Jettet von Termin zu Termin. Und nimmt abends Arbeit mit nach Hause.

(Quelle: Lothar Seiwert, Zeit ist Leben, Leben ist Zeit)

Zweiter Schritt

Man nimmt seine eigenen Bedürfnisse nicht mehr wahr. Schläft zu wenig, isst hastig oder gar nichts. Sagt den Kinobesuch mit Freunden ab.

Dritter Schritt

Man missachtet die Warnsignale des Körpers, wie Schlafstörungen, Verspannungen, Kopfschmerzen, hoher Blutdruck, flaches Atmen, Konzentrationsschwäche.

Vierter Schritt

Um wieder funktionieren zu können, greifen manche zu Drogen wie Schmerzmitteln, Schlaftabletten, Alkohol, Aufputschern.

Fünfter Schritt

Das eigene Wertesystem verändert sich. Die Freunde sind langweilig, der Besuch mit dem Kollegen im Café verschwendete Zeit. Die Probleme mit dem Partner oder Familie nimmt man einfach nicht mehr wahr. Man zieht sich zurück aus gesellschaftlichen Kontakten. Und endet oft in völliger Isolation.

Sechster Schritt

Die Persönlichkeit verändert sich. Alles dreht sich nur noch darum, zu funktionieren, zu arbeiten. Gefühle und Emotionen werden verdrängt. Man verliert den Humor, reagiert mit Schärfe und Sarkasmus, empfindet Verachtung für Menschen, die das Faulsein genießen. Man verhärtet.

Siebter Schritt

Man verliert das Gefühl für die eigene Persönlichkeit. Spürt nur noch Gereiztheit, Schmerzen, Erschöpfung, Überlastung, Angst vor einem Zusammenbruch. Und sonst nichts mehr. Keine Freude, keine Fröhlichkeit, keine Neugierde. Der Mensch funktioniert wie eine Maschine. Die Seele erstarrt.

Achter Schritt

Die wachsende innere Leere, genährt von dem Gedanken "Wenn ich nicht arbeite, was bin ich dann?", führt zur Depression, zur völligen Erschöpfung, zum Zusammenbruch, zum Ausgebranntsein.

Eine Demonstration an diesem Donnerstag in Berlin soll den Forderungen Nachdruck verleihen. Abhilfe schaffen sollen nach Ansicht der Verbände die Kassenärztliche Bundesvereinigung und der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen, die gemeinsam das Honorar für Ärzte und Therapeuten aushandeln. Sonst müsse Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) einschreiten.

Von

dpa

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