Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

11.06.2013

12:49 Uhr

Zuspruch für Altmaier-Vorstoß

Politik droht bei Hochwasserschutz mit Enteignungen

Als Umweltminister hat Peter Altmaier bisher nicht viel erreicht. Das könnte sich nun ändern. Seine Überlegungen zum Hochwasserschutz überzeugen SPD und Grüne. Betroffenen Bürgern werden seine Ideen aber nicht gefallen.

Ein Transparent mit der Aufschrift "Hochwasserschutz ???" an einem Haus in der überfluteten Altstadt von Lauenburg (Schleswig-Holstein). In dem nördlichen Bundesland hat sich die Hochwasser-Lage zuletzt leicht verschärft. dpa

Ein Transparent mit der Aufschrift "Hochwasserschutz ???" an einem Haus in der überfluteten Altstadt von Lauenburg (Schleswig-Holstein). In dem nördlichen Bundesland hat sich die Hochwasser-Lage zuletzt leicht verschärft.

BerlinAngesichts der Hochwasserkatastrophe in Süd- und Ostdeutschland hat Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) sich für drastische Maßnahmen ausgesprochen, um für die Zukunft besser gerüstet zu sein. In der "Passauer Neuen Presse" vom Dienstag forderte Altmaier Bauverbote in überflutungsgefährdeten Gebieten, die gezielte Ausweisung von Vorflutflächen sowie auch Rückverlegungen von Deichen, um den Flüssen mehr Raum zu geben. Auch Enteignungen dürften nicht mehr ausgeschlossen werden. "Sie müssen aber immer die Ultima Ratio bleiben", schränkte der Minister ein.

Auch Bundesagrarministerin Ilse Aigner (CSU) schließt Enteignungen von Bauern zum Hochwasserschutz nicht aus. Dies sei aber nur „in letzter Konsequenz in Erwägung zu ziehen“, sagte Aigner am Montag im oberbayerischen Böbing bei Weilheim. Besser seien einvernehmliche Lösungen mit den betroffenen Landwirten. Aigner unterstützte damit einen Vorschlag von Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU), etwa für den Bau von Rückhaltebecken an Flüssen Bauern notfalls zu enteignen. Dies war beim Bayerischen Bauernverband auf Kritik gestoßen.

Bislang hatten vor allem Umweltverbände sowie teilweise die Grünen sich für drastischere Maßnahmen zum Hochwasserschutz wie beispielsweise die Rückverlegung von Deichen oder Bauverbote in Überflutungsgebieten ausgesprochen. Wo es konkrete Vorstöße in diese Richtung gab, scheiterten diese allerdings oft an Widerständen betroffener Grundstücksbesitzer vor Ort. Altmaier wies beispielsweise darauf hin, es seien "von 18 notwendigen Deichrückverlegungen an der Elbe bisher lediglich vier realisiert" worden.

Für SPD und Grüne ein Grund mehr den jüngsten Enteignungs-Vorstoß von Altmaier zu unterstützen. „Enteignungen sind schon heute möglich und müssen auch genutzt  werden, um Menschenleben zu schützen“, sagte der Vize-Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Ulrich Kelber, Handelsblatt Online. Wie schon 1997 und 2002 unterstütze seine Partei alle Maßnahmen des technischen Hochwasserschutzes. „Wir dürfen aber nicht nur an den Symptomen herumdoktern“, warnte Kelber. Die Niederschlagsereignisse würden durch den Klimawandel heftiger, das „Bremsen der Bundesregierung beim Klimaschutz“ müsse daher aufhören.

Flutkatastrophe

Dramatische Bilder vom Hochwasser

Flutkatastrophe: Dramatische Bilder vom Hochwasser

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

So müsse das Bauverbot in Hochwassergebieten und das Zurückgeben von Raum an die Flüsse, um Hochwasserspitzen zu brechen, endlich umgesetzt werden. „Die gleichen Politiker, die 2002 ein entsprechendes Gesetz verwässert haben, und dazu gehörten auch Merkel und Altmaier, müssen wenigstens diesmal die richtigen Schlüsse ziehen“, sagte Kelber. „Von daher darf es diesmal nicht bei Sprüchen des Ministers bleiben.“

Kommentare (4)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

11.06.2013, 13:25 Uhr

Es ist Fakt, wir bekommen Schwarz/Grün. Alles deutet darauf hin und jede Forderung der Grünen. Türkeibeitritt Enteignungen von Überflutungsfeldern etc wird von der Union erfüllt. Hat Volker Beck doch recht, dass die CDU die Bruderpartei der AKP ist? Ausgesprochen gestern in UNTER den LINDEN. Ein Glück das zu den Wahlen noch Zeit ist,vielleicht liegen schon bald fertig angekreuzte Wahlzettel aus. Wer so zensiert wie in Deutschland hat jede Berechtigung verloren, sich Demokratisch zu nennen.

Account gelöscht!

11.06.2013, 13:48 Uhr

Hatte nicht seinerzeit (Elbe/Inge Meisel) ein Gericht entschieden, dass ein Hochwasserschutz eben keinen Vorrang habe?!

undertaker

11.06.2013, 13:58 Uhr

Wo bleiben denn eigentlich die EU-Gelder für die Hochwassergeschädigten ??? Jetzt werden Spendenkonten eingerichtet, aber gleichzeitig unsere Steuergelder zig-milliardenfach für Banken-/Staaten-/Eurorettung usw. verschleudert. Ist nicht mehr zu fassen !!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×