Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

08.03.2013

18:51 Uhr

Zweiter Anlauf

Bau-Tarifrunde schon wieder ergebnislos

Auch im zweiten Versuch konnten sich die Tarifparteien nicht auf einen Kompromiss einigen. Die Arbeitgeber haben bislang kein Angebot vorgelegt und halten die Forderungen für unrealistisch. Im April soll es weitergehen.

Bauarbeiter im Osten verdienen immer noch rund zehn Prozent weniger als ihre Kollegen im Westen. dapd

Bauarbeiter im Osten verdienen immer noch rund zehn Prozent weniger als ihre Kollegen im Westen.

BerlinDie zweite Runde der Tarifgespräche für die rund 750.000 Beschäftigten am Bau ist am Freitag ohne große Annäherung zu Ende gegangen. Die Konfliktparteien wollen am 4. April in Frankfurt weiter verhandeln, bisher haben die Arbeitgeber noch kein Angebot vorgelegt. "Ein verhandlungsfähiges Angebot ist die Mindestvoraussetzung für weitere Gespräche", sagte der Verhandlungsführer der Gewerkschaft IG BAU, Dietmar Schäfers.

Die Arbeitgeber bezeichneten die Forderungen als unerfüllbar und unrealistisch. "Wir haben nach wie vor den Willen in freien Verhandlungen zu einem Abschluss zu kommen", sagte Verhandlungsführer Frank Dupré. "Dazu ist aber Kompromissbereitschaft und Realitätssinn beider Seiten erforderlich."

Die großen Tarifrunden in 2013

Metall- und Elektroindustrie

Erste IG-Metall-Bezirke haben die bis Ende April laufenden Verträge bereits gekündigt. Die Verhandlungen beginnen in der zweiten Märzhälfte. Der Gewerkschaftsvorstand will am 15. März in Frankfurt/Main abschließend über die Forderungen entscheiden. Die Branche hat nach Angaben des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall rund 3,7 Millionen Beschäftigte. Das WSI-Tarifarchiv nennt etwa 3,4 Millionen Beschäftigte (Stand September 2012).

Bauhauptgewerbe

Die Verhandlung für die nach übereinstimmenden Gewerkschafts- und Arbeitgeberangaben etwa 750 000 Beschäftigten beginnen am 20. Februar in Wiesbaden.

Deutsche Bahn AG

Der Tarifvertrag für die DB lief Ende 2012 aus. Verhandelt wird nach Angaben der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) voraussichtlich ab Ende Januar für rund 130 000 Beschäftigte, der Arbeitgeberverband BDA nennt 135 000 Beschäftigte. Die EVG verhandelt nach eigenen Angaben auch für 20 000 Beschäftigte bei den Bahnen im Schienenpersonennahverkehr (SPNV) mit. Deren Vertrag läuft Ende Januar aus.

Volkswagen AG

Die IG Metall hat die Tarifverträge für die Beschäftigten der westdeutschen VW-Werke und der VW-Finanztochter zu Ende Juni gekündigt (Gewerkschaft: 102 000 Beschäftigte, BDA: 100 000). Die Verhandlungen sollen im Mai beginnen.

Versicherungsgewerbe

Kündigungstermin Ende März (WSI: etwa 173 000 Beschäftigte im Innendienst, BDA: 160 000).

Deutsche Post AG

Kündigungstermin Ende März (WSI: etwa 128 000 Beschäftigte, BDA: 130 000).

Eisen- und Stahlindustrie

Hier laufen Ende Februar die Tarifverträge in Niedersachsen, Bremen, Nordrhein-Westfalen und im Tarifgebiet Ost (WSI: etwa 100 000 Beschäftigte; BDA: 93 000) aus, im Saarland Ende Mai (WSI: etwa 12 000 Beschäftigte, BDA: 15 000).

Zeitarbeit

Kündigungstermine sind Ende Oktober. Die DGB-Tarifgemeinschaft verhandelt mit dem Bundesarbeitgeberverband der Personaldienstleister (BAP) und dem Interessenverband Deutscher Zeitarbeitsunternehmen (iGZ). Die Branche hatte laut Bundesagentur für Arbeit im Herbst 2012 knapp unter 800 000 Beschäftigte.

Druckindustrie

Kündigungstermin Ende Dezember (WSI: etwa 156 000 Beschäftigte, Bundesverband Druck und Medien: etwa 155 000).

Chemische Industrie

Hier laufen Ende 2013/Anfang 2014 die Verträge für mehr als 500 000 Beschäftigte aus.

Die Gewerkschaft fordert 6,6 Prozent mehr Lohn und setzt sich zudem für eine beschleunigte Angleichung der Ost-Löhne an das West-Niveau ein. Mehr als 20 Jahre nach der Einheit verdienen Bauarbeiter im Osten immer noch rund zehn Prozent weniger als ihre Kollegen im Westen. Die IG BAU plädiert ferner für eine Übernahmeregelung für Auszubildende nach Ende der Lehre.

Tarifsteigerungen nach Branchen in 2012

Platz 1

Das Investitionsgütergewerbe mit einem Plus von 3,3 Prozent.

Platz 2

Das Grundstoff- und Produktionsgütergewerbe mit einem Plus von 3,0 Prozent.

Platz 3

Gartenbau, Land- und Forstwirtschaft mit einem Plus von 2,9 Prozent.

Platz 4

Das Nahrungs- und Genussmittelgewerbe mit einem Plus von 2,8 Prozent.

Platz 5

Der Handel mit einem Plus von 2,7 Prozent.

Platz 6

Private Dienstleistungen, Organisationen ohne Erwerbszweck mit einem Plus von 2,5 Prozent.

Platz 7

Das Baugewerbe mit einem Plus von 2,5 Prozent.

Platz 8

Verkehr und Nachrichtenübermittlung mit einem Plus von 2,3 Prozent.

Platz 9

Gebietskörperschaften, Sozialversicherung mit einem Plus von 2,2 Prozent.

Platz 10

Das Verbrauchsgütergewerbe mit einem Plus von 2,1 Prozent.

Platz 11

Energie- und Wasserversorgung, Bergbau mit einem Plus von 2,1 Prozent.

Platz 12

Kreditinstitute, Versicherungsgewerbe mit einem Plus von 2,0 Prozent.

Für Empörung auf Seiten der Gewerkschaft sorgte, dass die mittelständischen Arbeitgebervertreter aus dem Osten nicht an den Gesprächen in Berlin teilnahmen. "Ein solches Verhalten ist mir in jahrzehntelanger Tarifpolitik noch nicht untergekommen", sagte der stellvertretende IG BAU-Chef Schäfers. Es sei ein "unmöglicher Zustand": "Schließlich geht es hier auch um die Angleichung der Einkommen Ost an West." Eine Sprecherin der Arbeitgeber sagte, das Fehlen der Ostvertreter gehe allein auf persönliche Gründe zurück.

Von

rtr

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×