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15.01.2009

15:32 Uhr

Zwischenfall im Atommülllager

Neue Asse-Probleme alarmieren Politik

Im Atommülllager Asse bei Wolfenbüttel steht eine Kammer mit radioaktiv belastetem Atommüll kurz vor dem Einsturz. Der Umweltausschuss der niedersächsichen Landtags wurde kurzfristig zu einer Sondersitzung zusammen gerufen.

Eine Kammer mit radioaktiv belastetem Atommüll steht kurz vor dem Einsturz. Foto: ap ap

Eine Kammer mit radioaktiv belastetem Atommüll steht kurz vor dem Einsturz. Foto: ap

HB HANNOVER. Im Atommülllager Asse bei Wolfenbüttel steht eine Kammer mit radioaktiv belastetem Atommüll kurz vor dem Einsturz. Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) als neuer Asse-Betreiber berichtete am späten Mittwochabend auf seiner Internetseite von Deckenschäden in der sogenannten Kammer 4. Der Leiter des Referats Endlagerung beim niedersächsischen Umweltministerium, Joachim Bluth, sagte am Donnerstag in Hannover, die Decke könne jederzeit einstürzen.

In der Kammer lagern etwa 6000 Fässer mit schwach radioaktiven Abfällen. „Es besteht die Gefahr, dass die Fässer zerstört werden“, sagte Bluth. Durch eine Druckwelle könne dadurch Radioaktivität innerhalb der Asse freigesetzt werden. Die Kammer-Verdichtung solle deshalb verstärkt werden. Für den Stollen bestehe aber insgesamt keine Gefahr. Die größte Sorge sei, dass der Wasserzufluss in die Asse stark beeinflusst werden könnte. Derzeit sickern täglich etwa zwölf Kubikmeter Wasser ein. Laut Bluth kann der Zufluss nach einem Einsturz der Kammer vier auf „100 oder 200 Kubikmeter“ ansteigen.

Das BfS sei aufgefordert worden, schnellstmöglich ein Konzept vorzulegen. „Dieses Konzept gibt es bislang noch nicht“, sagte Bluth. Ein Auffüllen der Kammer mit Beton würde zu Stabilisierung führen, jedoch falle damit die Option, die Atommüll-Fässer später heraus zu holen, fast vollständig weg.

Irritiert äußerte sich Niedersachsens Umweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP), der nach eigenen Angaben bis Donnerstag nicht über den Fall informiert wurde. Er ließ sich vor Journalisten telefonisch vom BfS in Kenntnis setzen. Laut Bluth waren aber das Landes- und Bundesumweltministerium bereits seit Dezember informiert.

Sander kritisierte das BfS scharf, nicht früher öffentlich Stellung bezogen zu haben. Mit der angekündigten stärkeren Transparenz durch den neuen Betreiber habe dies nichts zu tun. „Für mich ist unverständlich, warum man die Öffentlichkeit nicht informiert hat“, sagte er. Das BfS betreibt das Atommülllager seit Neujahr. Zuvor war Helmholtz Zentrum München verantwortlich.

Der Umweltausschuss der Landtags wurde kurzfristig zu einer Sondersitzung zusammen gerufen.

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