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12.06.2015

14:17 Uhr

Zwischenrufe zur „Homo-Ehe“

Bundestag debattiert über Merkels Kinderlosigkeit

VonKevin Knitterscheidt

Eine Bundestagsdebatte über die „Ehe für alle“ eskaliert: CDU-Mann Helmut Brandt argumentiert gegen die „Homo-Ehe“, der SPD-Abgeordnete Michael Roth widerspricht – mit einem recht verunglückten Vergleich.

Der Staatssekretär Michael Roth lebt seit knapp drei Jahren in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft. dpa

Zwischenruf von der Regierungsbank

Der Staatssekretär Michael Roth lebt seit knapp drei Jahren in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft.

DüsseldorfDie Debatte um die Ehe für gleichgeschlechtliche Partner geht in die nächste Runde: Der mehrheitlich von SPD und Grünen geführte Bundesrat hat die Regierung aufgefordert, die Ehe auch für homosexuelle Paare zu öffnen. Am Freitag beschloss die Länderkammer eine entsprechende Resolution, in der auch ein gemeinschaftliches Adoptionsrecht gefordert wird. Ein konkreter Gesetzesentwurf des Bundesrats für eine Änderung des Bürgerlichen Gesetzbuchs wurde jedoch vorerst in die Ausschüsse verwiesen.

Eine Beschlussfassung hätte den Bundestag gezwungen, sich mit der Vorlage zu befassen. Das wollte die SPD offenbar vermeiden. Denn dort ist sich die Koalition aus CDU/CSU und SPD uneins, wie mit der Frage umzugehen ist. Vor allem CDU- und CSU-Mitglieder hadern mit einer kompletten Gleichstellung. Für die SPD scheint es daher besser, in dieser Frage vorerst keinen offenen Koalitionsstreit zu provozieren.

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Wie verfahren die Diskussion dennoch ist, zeigt eine Episode aus der Bundestagsdebatte am Donnerstag zum Thema „Ehe für alle“. Dort spricht sich der Aachener CDU-Abgeordnete Helmut Brandt – unterbrochen von Zwischenrufen – gegen die sogenannte „Homo-Ehe“ aus: „Die klassische Ehe aus Mann und Frau führt in der Regel dazu, wenn auch leider nicht immer, dass man sich fortpflanzt.“

Das ruft Michael Roth (SPD) auf den Plan, Staatsminister für Europa im Auswärtigen Amt und seit 2012 selbst in einer eingetragenen Partnerschaft mit seinem langjährigen Freund lebend. „Und was ist mit der Bundeskanzlerin?“, ruft Roth süffisant von seinem Platz ins Plenum – nicht nur wegen Brandts vorheriger Eingrenzung ein eher misslungener Seitenhieb auf Angela Merkel, die in zweiter Ehe verheiratet ist und keine Kinder hat.

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Brandts empörte Antwort kommt prompt: „Sie schämen sich dafür, ja? Ich möchte Sie bitten, sich dafür zu entschuldigen.“ Um gleich im Anschluss zu fordern: „Da bitte ich, einmal zu prüfen, ob das nicht gerügt werden muss.“ Applaus von der Fraktion.

Im Netz scheint man in der Frage ebenso gespalten wie in der Koalition: Die Nutzerbeiträge auf der Facebook-Seite von Roth fallen sehr gemischt aus. Doch das Thema bewegt: Beinahe im Minutentakt trudeln neue Beiträge ein. Die einen gratulieren dem Staatssekretär für seine Courage – die anderen kritisieren mangelndes Taktgefühl und den persönlichen Angriff auf die Kanzlerin, die sich selbst in der Vergangenheit ebenfalls gegen eine völlige Öffnung der Ehe ausgesprochen hatte.

Kommentare (34)

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Herr Alexander Knoll

12.06.2015, 14:32 Uhr

Man kann ja zu Frau Merkel stehen wie man will, aber die Bemerkung von Herrn Roth ist nicht nur Taktlos, sondern unterste Schublade. Egal ob als Abgeordneter oder als Regierungsmitglied gesagt - hier ist eine Entschuldigung in aller Form fällig.

Account gelöscht!

12.06.2015, 14:37 Uhr

Eines sollte den letzten verbliebenen Vernunft und Verstand Menschen und Politiker klar sein...sobald man ALLES und JEDEN gleich gemacht und geschrieben hat, wird man sich in einer Sozialistischen Diktatur wiederfinden. Das Wesen des Sozialismus/Kommunismus ist die Gleichmacherei, damit man die Menschen in der Gesellschaft besser unter kontrolle hat. Die Vielfalt ist des Sozialisten Feind. Wenn die Ehe nicht mehr für Mann und Frau steht, nicht mehr für die Familie...wenn also überhaupt nichts mehr in einer Gesellschaft einen Wert hat....dann haben diese Grün-Sozialisten unter der Führung vom Merkel DDR-System ihr Ziel erreicht. Ein neuer sozialistischer Staat der Überwachung und der Gleichschaltung/Stellung!
Die Vielfalt der Menschen, Meinungen und die Unterschiedlichkeit der Menschen, Kulturen wird in so einen sozialistischen Diktatsystem der Gleichmachung komplett verdreht. ES MUSS UNTERSCHIEDE GEBEN ansonsten ist die Demokratie und damit die Vielfalt der Gesellschaft Geschichte und es gibt keine Alternative mehr...alles ist alternativlos. Wollt Ihr das wirklich?!

Herr Franz Paul

12.06.2015, 14:51 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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