Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

06.01.2010

16:50 Uhr

Zwist bei den Linken

Bisky stärkt Bartsch mit Machtwort den Rücken

Linke-Chef Lothar Bisky versucht mit einem Machtwort die Wogen innerhalb der Partei zu glätten. Demonstrativ stärkte er dem Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch den Rücken, nachdem in den vergangenen Tagen Rücktrittsforderungen laut geworden waren. Ob nun Frieden einkehrt, scheint jedoch mehr als ungewiss.

Linke-Politiker Bartsch: Rückhalt vom Parteichef. dpa

Linke-Politiker Bartsch: Rückhalt vom Parteichef.

HB BERLIN. Mit einem Machtwort hat Linke-Chef Lothar Bisky parteiinternen Forderungen nach einem Rücktritt von Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch eine klare Absage erteilt. "Was ich da an Mutmaßungen und an Unterstellungen gegenüber unserem Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch lese, geht so nicht", sagte Bisky am Mittwoch in Berlin. Die Landesverbände Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen hatten Berichten zufolge in Briefen an Fraktionschef Gregor Gysi den Rücktritt von Bartsch verlangt.

Begründet hatten sie ihre Forderung mit einem Zerwürfnis zwischen Bartsch und dem Co-Vorsitzenden Oskar Lafontaine, das die Vertrauensbasis zerstört habe. Der im Mai scheidende Parteichef Bisky reagierte empört: "Offensichtlich scheinen einige meiner Parteifreunde den 1. Januar mit dem 1. April verwechselt zu haben", erklärte er und fügte hinzu: "Selbstzerfleischend übereinander herzufallen schadet dem Ansehen unserer Partei. Wir alle brauchen Oskar Lafontaine, aber auch Dietmar Bartsch, dessen Verdienste um die Entwicklung der Partei nicht ignoriert werden sollten."

Bartsch lehnte die Rücktrittsforderung ebenfalls ab. "Selbstverständlich trete ich nicht zurück", sagte er der "WAZ". "Die gegen mich vorgebrachten Vorwürfe sind durchweg absurd." Ende Dezember hatte Bartsch, dem Ambitionen auf den Parteivorsitz nachgesagt werden, Meinungsverschiedenheiten mit Lafontaine eingeräumt, aber hinzugefügt, es seien keine grundlegenden Differenzen.

In dem Schreiben des NRW-Landesverbands heißt es laut stern.de, es sei widerlich, wenn Privatangelegenheiten von Genossen an die Presse weiter gegeben würden, egal ob wahr oder unwahr. Entsetzt sei man gewesen, dass Bartsch auf die Erklärung Lafontaines, dass er sich für einige Wochen wegen seiner Krebserkrankung zurückziehe, unverzüglich eine Nachfolgedebatte eröffnet habe. Wer auf diese Weise am Stuhl eines Genossen säge, handle menschenverachtend und unsolidarisch.

Ebenso scharf geht die baden-württembergische Linkspartei mit Bartsch ins Gericht. Die von Bartsch zu verantwortenden Vorgänge in den vergangenen Wochen seien ein grober Verstoß gegen die politischen Spielregeln gewesen. Bartsch habe mutwillig Gerüchte über Lafontaines Privatleben verbreitet. Er sei charakterlich mit einer Führungsaufgabe überfordert, zitierte stern.de.

Dem Vernehmen nach will Lafontaine nicht noch einmal kandidieren, sollte Bartsch weiter Geschäftsführer bleiben. Gregor Gysi soll sich laut stern.de am (morgigen) Donnerstag mit Lafontaine treffen, um eine Lösung zu suchen. Ein Sprecher der Linksfraktion konnte das Treffen allerdings nicht bestätigen.

Müsste Bartsch gehen, soll der Posten des Bundesgeschäftsführers Berichten zufolge wieder an einen Ostdeutschen fallen. In dem Konflikt zwischen Bartsch und Lafontaine spiegeln sich die unterschiedlichen Positionen der eher pragmatischen Ost-Linken und der eher oppositionellen West-Linken.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Ludwig

06.01.2010, 18:12 Uhr

ZiTAT aus dem Artikel
"in dem Konflikt zwischen bartsch und Lafontaine spiegeln sich die unterschiedlichen Positionen der eher pragmatischen Ost-Linken und der eher oppositionellen West-Linken."

Oft wiederholt bringt es auch nicht mehr Substanz!
Oskar Lafontaine ist Keynesianer. Es könnte einfach sein, daß bartsch etwas überzogen hat bei machtpolitischen Mitteln. Er dürfte eh angeschlagen sein. ich denke DiE LiNKE wird eine Lösung in sich finden. Oskar Lafontaine wird gerne von Medien angegriffen, da er unter Schröder bei der Deregulierung der Finananzmäkte es vorzog seinen Überzeugungen treu zu bleiben und eine Deregulierung nicht mitzumachen statt sich Schröder zu beugen. Lafontaine zog es vor als Machtmensch seine Ämter niederzulegen. Das nennt man Rückgrat und nicht "geschmissen". ich fände es gut, wenn Medien nicht immer Dinge und fragwürdige indifferenzierte Formulierungen von einander Übernehmen und wiederholen, sondern differenzierter berichten.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×